Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik ab 1903 | - 1937 - |

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Chronik des Jahres 1937

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Das Jahr 1937 brachte der Gemeinde einen schweren Schicksalsschlag, Verhaftung und Tod des Herrn Pfarrer Schubert.

Nachdem Herr Pfarrer 9 Monate hindurch in Vertretung des in den Ruhestand getretenen Strafanstaltspfarrers Roenspieß die Seelsorge im hiesigen Zuchthaus ausgeübt hatte, wurde er am 9. April vormittags durch die Geheime Staatspolizei verhaftet und im Polizeigefängnis am Alexanderplatz (Berlin) vier Wochen in Schutzhaft gehalten.

Herr Pfarrer hatte in Ausübung der Seelsorgstätigkeit im Zuchthaus den dort ihre Strafe verbüßenden geistlichen Mitbrüdern über das Maß des Erlaubten hinaus Erleichterungen verschafft durch Zuwendung von Lebensmitteln und Lesestoff.

Ehe der Prozess eingeleitet wurde, fand man laut amtlichen Bericht Herrn Pfarrer am Feste Christi Himmelfahrt, am 6. Mai um 16.30 Uhr in der Zelle erhängt auf. Seine Nervenkraft war offenbar der Belastungsprobe einer Haft nicht gewachsen gewesen.

Daß dieses tragische Ende nicht als eine freie Willensentscheidung zu werten ist, stand für alle die Herrn Pfarrer näher gekannt haben, außer jedem Zweifel. Auch die Lesezeichen im Brevier des Toten bewiesen, daß Herr Pfarrer bis zum Tode seinen priesterlichen Pflichten nachgekommen war.
Im Hinblick darauf wurden auch seitens des Ordinariates keinerlei Einwendungen gegen die kirchliche Beerdigung erhoben.

Die Todesnachricht wurde am 7. Mai mittags dem Ordinariat zur Kenntnis gebracht und von dort abends dem hiesigen Pfarramt gemeldet. Nach Rücksprache mit den amtlichen Stellen war es möglich daß Herr Kaplan Golubski und Schwester Notburga im Berliner Schauhaus die würdige Einkleidung des Verstorbenen vornahmen.

Am 11. Mai nachmittags um 5 Uhr wurde der Sarg unter Glockengeläut und Orgelklang in die Pfarrkirche gebracht. In der anschließenden Nacht hielt Brandenburgs Kath. Jugend die Ehrenwache. Auch die Gemeinde nahm in dieser Nacht in stillem Gebete Abschied von ihrem Seelenhirten.

In der Frühe des 12. Mai begannen die Seelenmessen; daß feierliche Requiem las um 9 Uhr der Geistl. Rat Hillebrand unter Assistenz der Herren Kapläne Dobczynski u. Görlich.

In der kurzen Ansprache erwähnte H., daß er vor 18 Jahren Herrn Pfarrer Schubert hier eingeführt hätte, und heute, erschüttert durch die Tragik des Geschehenen seinen Freund zur Ruhe betten müsse. Eine Leichenrede habe der Verstorbene sich verbeten, doch einen Dank gelte es abzustatten und den Wunsch zu erfüllen, seiner Seele beim hl. Opfer oft und innig fürbittend zu gedenken.
Am Requiem und an der anschließenden Beerdigung nahmen 26 katholische Priester und die evangelischen Pastoren Anteil.

Unter großer Beteiligung bewegte sich der Trauerzug zum Neust. Friedhof, wo der Verstorbene im Erbbegräbnis der Gemeinde der Auferstehung entgegenschlummert.

Pfarrer Schubert hat in den 18 Jahren seiner Brandenburger Seelsorgstätigkeit sich besonders die Sorge um die Außenstationen angelegen sein lassen. Zweimal hat er die Mühen und Schwierigkeiten eines Kirch - und Kapellenbaues auf sich genommen.
Die St. Bonifatius-Kirche in Belzig, erbaut 1931/32, und die St. Bernhardkapelle in der Walzwerksiedlung, erbaut 1934, verdanken ihm ihr Entstehen.

Pfarradministrator wurde Herr Kaplan Golubski.
Am 1. Juli wurde Herr Pfarrer Jochmann aus Stettin (Hl. Familie) zum Pfarrer von Brandenburg berufen.

Mitte September wurde Herr Kaplan Golubski nach Nauen versetzt. An seine Stelle kam Herr Kaplan Jordan aus Rathenow.

Anfang November wurde Herr Kaplan Görlich nach Berlin versetzt, dafür kam Herr Kaplan Tuntke nach Brandenburg. Für ihn wurde im Pfarrhaus eine zweite Kaplanswohnung eingerichtet und ausgestattet.

Im St. Marienkrankenhaus nimmt der pensionierte Pfarrer Schirk Wohnung und versieht die Seelsorge des Hauses.

Im Pfarrhaus sind dringende Erneuerungsarbeiten vorgenommen worden, die Durchfahrt zur Kirche wurde verbreitert.
Die Kirche erhält eine Heizung ( Tyssen Esslingen ). An der Ostseite der Kirche wird der Heizungskeller angelegt. Das Kirchendach ist mit Pappe abgedichtet worden.

Der Gottesdienst konnte bedeutend vermehrt werden. In der Pfarrkirche sind 3 Hl. Messen: ½ 8 Uhr Frühmesse, ½ 10 Uhr Kindermesse mit Christenlehre, 11 Uhr Hochamt. Im St. Marienkrankenhaus sind jeden Sonntag 2 Hl. Messen: 7 Uhr Frühmesse, 10 Uhr Hochamt.
In St. Bernhard ist jeden Sonntag ½ 10 Uhr Hochamt danach Christenlehre.

Der Gottesdienst in den Filialen wird unvermindert fortgesetzt. Ferner wird eine Standespredigt für die Mütter, eine für die Männer und eine für die Jugend gehalten.

Rege Beteiligung zeigt die Gemeinde an den beiden Bibelabenden der Woche.
Eine schmerzliche Entscheidung bedeutete die Verfügung, den Religionsunterricht in Volks- und mittleren Schulen nicht mehr erteilen dürfen.
Der Religionsunterricht an den höheren Schulen wird von der Verfügung nicht betroffen und bleibt weiter in der Hand des Pfarrers.

Die Direktion der Landesanstalt Görden teilte mit, daß der Gottesdienst in der Anstaltskirche nur für die Kranken, das Personal und die Angehörigen gestattet sei.

Die Vereine litten stark unter den einschränkenden Bestimmungen, doch konnte das Gruppenleben aufrecht erhalten werden.
Der kirchliche Schulentlassungsunterricht weißt nur geringe Beteiligung auf.

Der Charitasverband und der Elisabethverein konnte 51 Familien und 22 Alleinstehende betreuen und unterstützen.

Die wachsende Industrie (Opel, Arado, Erweiterung des Walzwerkes) bringt einen großen Zustrom von Arbeitern nach Brandenburg.
Jeder Zuziehende wird vom Laienapostolat aufgesucht und auf die Gottesdienstordnung aufmerksam gemacht. Leider entspricht die geringe Zahl der Laienapostel bei weitem nicht der Größe des Arbeitsfeldes.

Vidi in visitatione d.m.a. 5/9.1938 Hillebrand

Osterkommunionen 1270.
Trauungen 67.
Beerdigungen 68.

 

 

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Pfarrer Bruno Schubert

 

 

 

 

 

 

 

 

Vergrößern?
Pfarrer
Albrecht Jochmann

 

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