Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik ab 1903 | - 1945 - |

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Chronik des Jahres 1945

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| Anlage zur Chronik des Jahres 1945 - Zeitereignisse vom 2.2.-4.5.1945 - von Sr. Gilberta |

Am 31. März (Karsamstag) wird Brandenburg von einem schweren Luftangriff heimgesucht.
Der Angriff begann um 9.15 Uhr, kurz nachdem wir von den Karsamstagsfeierlichkeiten aus der Kirche heimgekehrt waren.

Eine Bombe schlägt durch Dach und Küche des Pfarrhauses und bleibt im Schlafzimmer des Kaplans liegen ohne zu krepieren.
Das Gesellenheim wird total zerstört, ein Teil der Küsterwohnung losgerissen.
In der Kirche sind viele Scheiben zerbrochen.
Herr Schmidt aus Stettin kommt in der Osterwoche unerwartet auf Urlaub und repariert Dach, Decke und Fußboden im Pfarrhaus.

Am 20. April leidet die Stadt wieder durch einen Luftangriff schwere Schäden; kirchliche Gebäude haben nur Scheibenschaden.
Am 22. April, Sonntag, sind wegen großer Luftgefahr nur 3 hl. Messen ohne Predigt; auch um 16 Uhr kann keine hl. Messe sein.
Am 23. April fährt Pfarrer Jochmann noch nach Weseram, tauft dort 5 Kinder und in Mötzow 1 Kind.

Pater Riedl SJ kommt zu Fuß aus Lehnin nach Brandenburg.
Lehnin wird evakuiert, Russen kommen! Frau Völker sen. und Frl. Völker bleiben in Lehnin, Herr Völker ist Sanitäter beim Volkssturm.

Frau Völker jun. und Kinder fliehen. Zeit unbekannt.
Am 24. April um 8.20 Uhr Feindalarm! Die Schwestern siedeln über ins St. Marienkrankenhaus.

Im Luftschutzkeller des Pfarrhauses sind Frau Sommer, Erika Sommer, Annemarie Maciejcayk, Frl. Lotte, Frl. Fleischer, P. Riedl und Pfarrer Jochmann. Kpl. Szydzik ist meist im Paulibunker mit Familie Rosal und Frau Kirschner.

Die Annenbrücke wird nur unvollkommen gesprengt. Die Russen besetzen die Annenbrücke, den Bahnhof, den Markgrafenplatz und Jungfernsteig mit dem alten Proviantamt.
Um die Annenbrücke und das Proviantamt entbrannten heftige Kämpfe; das Proviantamt aber bleibt verhältnismäßig gut erhalten.

Die Russen besetzen ein Haus in der Abtstraße, aus dem sie nicht vertrieben werden können.

Am Mittwoch, 25 April, fällt eine schwerer Schuß (Panzerfaust?) gegen den Turm unserer Dreifaltigkeitskirche.

Das Rathaus und Deutsches Dorf brennen, auch in der Abtstraße brennt es.
Am Donnerstag, 26. April, brechen P. Riedl und Frl. Fleischer in den frühen Nachmittagsstunden auf nach Rathenow. Am Nachmittag wird der Turm der kath. Kirche wieder
schwer beschossen, angeblich weil dort Scharfschützen oben seien. Auch der Paulikirchturm wird stark getroffen.

Abends schwerer Brand. Oberlyzeum und Pauli brennen, der Paulibunker wird geräumt, starker Funkenflug bei Ostwind.
Um 22 Uhr verlassen auch der Pfarrer und Frl. Lotte das Pfarrhaus und gehen ins St. Marienkrankenhaus. Familie Sommer geht zur Goethestraße. Frl. Körner und Vater gehen später ebenfalls fort. Herr Wilde bleibt noch bis zum nächsten Tag und geht dann in die Kurstraße zu Familie Ludwig - unterwegs Beschuß durch Brandbomben.

Am Freitag, 27 April, kommen Herr und Frau Bambeck ins Marienkrankenhaus und erhalten Wohnung bei Dr. Wichmann, der geflüchtet war, und seine Schlüssel bei den Schwestern hinterlassen hatte. Nach ihrem Bericht sind die Kirche und die kirchlichen Häuser abwechselnd von Deutschen und Russen besetzt und beschossen- die 3 Häuser der Kirche sollen Freitag in Brand geschossen werden.
Dr. Vieten ist im Marienkrankenhaus geblieben und auch ein holländischer Student der Medizin.

Am Sonnabend, 28.4.45, die Nacht war ruhig - Brände in der Stadt. Pfarrer Täpper und Pfarrer Jochmann zelebrieren um 7 und 7.30 Uhr im Bunker.

Am Sonntag, 29.4. lebhaftes Schießen. Wasser muß geholt werden. Dr. Vieten beschafft Brote und Zucker.

Am Montag, 30.4. ab 7 Uhr wütendes Artilleriefeuer. Pfarrer Jochmann ist in der Wohnung Täpper, dann in dessen Keller, dann im Keller Bergstr. 4, zuletzt im Krankenhaus.
Um 15 Uhr schweigt das Feuer - Russen kommen ins Krankenhaus - 2 russische Mädchen als Dolmetscher - alle müssen im Keller bleiben. Dr. Vieten und Pfarrer Jochmann müssen die Uhr abgeben.

Ein russischer Soldat schenkt den Kranken Brot, ein russischer Arzt kommt. Kurz vorher kamen noch deutsche Soldaten und wollten im Krankenhaus bleiben. Dr. Vieten weist sie ab. Russische Verwundete werden verbunden. Die Kontrolle nach Soldaten und Waffen wiederholt sich - auch Nachts. Gefahr der Mädchen - Auch in der Stadt müssen zunächst alle im Keller bleiben.

Am Mittwoch, 2.Mai 45, Frl. Donders lebt, auch Fräulein Jäschke und Mutter. Abends geht Pfarrer Jochmann mit Dr. Vieten zur Stadt, zur Kirche und zur Werderstr. zur Wohnung von Dr. Vieten.

Am Donnerstag, 3. Mai, zelebriert Pf. Jochmann noch im Krankenhaus und kehrt dann mit Frl. Lotte zur Pfarrei zurück.
Am 4. Mai - Herz -Jesu - Freitag keine hl. Messe wegen Gefahr der Plünderung.
Am 5. Mai zelebrierte Pf. Jochmann im Marienkrankenhaus.
Am 6. Mai, Sonntag, keine hl. Messe. Kuratus Höhle zelebriert um 10 Uhr im Krankenhaus.
Um 16 Uhr wollte Pfarrer Jochmann im Pfarrsaal zelebrieren, was jedoch wegen der plündernden Soldaten unmöglich war. Es konnte nur eine kurze Andacht gehalten werden. Die Kirche ist bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt, alle Paramente sind mit
verbrannt; gerettet ist nur, was an Paramenten im Schwesternhaus war. Die Schwestern wollen nicht mehr in das sehr beschädigte St. Dominikusstift zurückkehren.

Am Nachmittag kommt Frl. Fleischer aus Kirchmöser zurück. 2 Russen plündern im Pfarrhaus.
Am Montag, 7. Mai, ist hl. Messe im Pfarrsaal.

Pf. Jochmann hilft im Marienkrankenhaus Wasser holen vom Fuß des Marienberges oder vom Bauern. Russische Biwaks.

Um 7 Uhr ist der Krieg beendet.

Am Dienstag, 8. Mai, Frl. Hofmann erscheint im Krankenhaus. Es war der erste Gang in die Stadt, da das Überschreiten der Notbrücke am Büttelhandfaßgraben ohne Passierschein nicht möglich war.

Russen kamen ins Pfarrhaus, parterre, kehrten auf der Treppe um.

Am Mittwoch, 9. Mai, Herr Schwadtmann berichtet: Ein russischer Besatzungsoffizier habe erklärt, das Gottesdienst unbeschränkt gestattet sei. Ausgang war zunächst nur von 8 bis 20 Uhr, später von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

Am Donnerstag, 10. Mai, Christi Himmelfahrt, ist hl. Messe im Pfarrsaal. Es sind 16 Kommunionen, ca. 35 Besucher.

Die Stadt gibt Erlaubnis, vorläufig im Kreuzgang der St. Pauli-Kirche an Sonn- und Feiertagen Gottesdienst zu halten.

Am 20. Mai, Pfingstsonntag fanden zum 1. Male die hl. Messen im Kreuzgang statt. Die Nachmittagsmesse blieb im Pfarrsaal. Alle 3 Messen waren sehr gut besucht.

Am 23. Mai 45 war eine Zusammenkunft aller geschäftsführenden Pfarrer bei Pf. Schubert, St. Katharinen soll zuerst wiederhergestellt werden und erbietet sich die totalgeschädigten Kirchgemeinden bei sich aufzunehmen. Das stößt freilich auf Schwierigkeiten, weil zunächst nur der Gemeindesaal von Katharinen zur Verfügung steht und die Johannisgemeinde (Pf. Göhling) bereits um 8.30 Uhr Gottesdienst hält. Deshalb bittet Pfarrer Jochmann die Gotthardt-Gemeinde, daß dort kath. Gottesdienst gehalten werden könne. Pf. Schön von St. Gotthardt sagt zu, ein entsprechendes Gesuch beim Kirchenrat zu befürworten.

Am 23. Mai Abends erscheint Kaplan Szydzik, der jenseits der Elbe gewesen war, dann aber über Wittenberg, Treuenbrietzen, Lehnin wieder nach Brandenburg heimgekehrt ist.
Er wird zunächst jedoch wieder nach Lehnin gehen, um womöglich Familie Völker sen. wieder zu ihrem Haus zu verhelfen, und sich um die Rückführung von Herrn Völker zu bemühen.
Da Herr Kaplan ein Fahrrad erhalten hat, wird er Lehnin und Schenkenberg vorläufig versehen.
Familie Völker in Lehnin ist total geschädigt.
Auch alle Sachen, die dort untergestellt waren, sind verloren.

Seit dem 22. Mai ist an den Wochentagen regelmäßig um 8 Uhr im Pfarrsaal hl. Messe bei guter Beteiligung.

Am 8. Juli war der erste Sonntagsgottesdienst in St. Gotthardt.

Nach längeren Verzögerungen war uns erlaubt worden, an Sonntagen um 8 und um 15 Uhr Gottesdienst zu halten. Es war jedenfalls ein Fortschritt, das ein würdiger gottesdienstlicher Raum mit Sitzgelegenheit für die Gläubigen gefunden war, und das Orgelspiel am Vormittag den Gottesdienst verschönte.

Da aber fast alle Scheiben zertrümmert waren, war ausgeschlossen, im Winter dort zu bleiben.

Im November und Dezember gestattete Pf. Schubert daß wir auf dem Neustädtischen Friedhof Gottesdienst hielten. Wir mußten aber auch dort, wie in St. Gotthardt monatlich 100 RM Miete für die Benutzung der Friedhofshalle zahlen, aber wir durften dort so oft und so lange Gottesdienst halten, wie es uns günstig erschien, da an Sonntagen keine Beerdigungen waren.

Inzwischen hatte Herr Riedel sich bereit erklärt, einen Speiseraum, der bis dahin von der Firma Motz benutzt worden war, der Kirchgemeinde mietweise zu überlassen. Der Speicher liegt Katharinenkirchplatz 10 im 1. Stock.

Herr Baurat Erbs betonte, es müsse aus baupolizeilichen Gründen eine besondere Treppe als Ausgang angelegt werden. Die Ausführung wurde dem Bauunternehmer Schmidt - Görden übertragen.

Herr Cierzynski legte die erforderlichen Lichtleitungen; Herr Scheele führte die Malerarbeiten aus. Nach Anweisung des Herrn Baurats wurde von Schmidt und Schulze vorn auf jeder Seite des Raumes eine Wand aufgeführt, um dem Raum mehr einen sakralen Charakter zu geben.

Die Tischlerarbeiten wurden von Hornig und Otto Lepien ausgeführt. Herr Riedel bemühte sich sehr energisch um die Durchführung der Arbeiten, trotzdem wiederholt die Arbeitskräfte für andere Arbeiten angefordert wurden und, was nicht zu hoffen mehr war, wurde doch Wirklichkeit.

Am Sonntag, 23. Dezember 1945 wurde die Kapelle mit einer Segensandacht eingeweiht. Die Gemeinde war sehr erfreut.

Anfangs wurde die Meinung vertreten, daß auch weiterhin im Pfarrsaal an den Wochentagen hl. Messe sein sollte. Als aber die Gläubigen jetzt den stimmungsvollen Raum sahen, war allgemein der Wunsch, daß in Zukunft alle Gottesdienste dort gehalten werden möchten. Das geschah vom 1. Januar 1946 an.

Bis zum 23.12. waren von einer Lehniner Firma (Sägewerk Hanack) 5 Bänke geliefert worden. Der Rest soll geliefert werden, sobald sie fertig gestellt sind und ungefährdete Lieferung möglich ist.

Zu großem Dank ist die Gemeinde den Schwestern verpflichtet wegen ihrer vielen Hilfen bei der Wiederherstellung des kirchlichen Lebens. Noch als wir in St. Gotthardt waren, schenkten die Schwestern des Dominikusstiftes uns ein schönes grünes Messgewand, auch ein Schultertuch und Kelchwäsche.

Am 1. November schenkten sie uns ein herrliches weißes Messgewand für die Feiertage; Am 15. November ein sehr schönes violettes Messgewand, ein Schultertuch und Kelchwäsche.
Aus den Beständen des Zuchthauses hatten wir ein Rauchfaß bekommen. Die Schwestern ließen uns durch den Mann einer Patientin ein sehr schönes Schiffchen dazu machen und lieferten
ihm dafür den Rest eines Sektkübels. Aus Dankbarkeit weil Gott das Marienkrankenhaus beschützt hatte, stellten sie für den Kindergarten eine Schwester zur Verfügung und eine Schwester für die Krankenpflege in der Gemeinde.

Den Kindergarten übernahm Schwester Eugenia, die mit überraschendem Eifer bemüht war, für die Ausführung der noch notwendigen Reparaturen Handwerker ausfindig zu machen.

Die ambulante Krankenpflege übernahm zunächst Schwester Rochina, die bis dahin die Privatstation im ersten Stock versehen hatte. Verschiedentlich hat Gefahr bestanden, daß das Marienkrankenhaus der Kirche genommen würde; aber bis zum Ende des Jahres hatte mit Gottes Hilfe der kirchliche Charakter und das Eigentumsrecht des Karitasverbandes gewahrt werden können.

Im Zug dieser Verhandlungen hatte es sich als unerläßlich notwendig erwiesen, daß Herr Dr. Vieten die Leitung des Hauses als Chefarzt übernahm. Da s. z. Dr. Wichmann mit dem Lazarett fortgegangen war und auch in Gegenwart von Schwestern es Herrn Dr. Vieten freigestellt hatte ebenfalls fortzugehen, dieser aber geblieben war, und in den Tagen der Eroberung und der ersten Beunruhigung sich sehr energisch und mutig des Hauses angenommen hatte, war dadurch allein schon entschieden, daß er die Nachfolge des H. Dr. Wichmann übernehmen müßte.

Von einer Dienstreise nach Berlin brachte Pf. Jochmann 2 silberne und 2 schmiedeeiserne Leuchter mit sowie ein weiteres Velum, Kerzen, eine schöne Predigtstola und Kelchwäsche.
Frau Riedel hatte Christbaumkerzen gestiftet.

Am 12. November hatten wir zusammen mit der inneren Mission den Bahnhofsdienst als Bahnhofsmission wieder aufgenommen.
Wenn auch der normale Zugverkehr gering war - es verkehrte gegen Ende 1945 nur ein Zug in jeder Richtung, so waren uns doch große Aufgaben gestellt durch die Züge mit Flüchtlingen und Heimkehrern aus der Gefangenschaft.

Das Quenzlager war ausgebaut worden, so daß es 1000 Menschen aufnehmen konnte. Wenn auch die Insassen nicht lange dort blieben, so war ihre Not doch so groß, daß es unbedingt nötig war, alle Kräfte anzuspannen um auch nur die aller dringlichsten Härten ihres Geschickes ein wenig zu lindern.

Anfang Januar 1946 arbeiteten etwa 26 katholische Damen in der Bahnhofsmission mit den Mitgliedern der inneren Mission und den Vertreterinnen der politischen Parteien zusammen, um den Heimkehrern und Flüchtlingen einige Hilfe zu leisten.
Auch eine Nähstube wurde Anfang Januar wieder eingerichtet, an der sich zunächst 10 Damen beteiligten, um Sachen für die Heimkehrer zu arbeiten aus Wäsche und Kleidungsstücken, die wir durch kirchliche Sammlungen aufzubringen hoffen.
Auch eine Schnittensammlung soll jeden Monat für die bedürftigen Insassen des Quenzlagers gehalten werden.

Die Pfarrjugend veranstaltete unter großer Beteiligung eine öffentliche Weihnachtsfeier im großen Saal der Stadthalle. Für die Kinder unserer ausgebombten Familien hatte die Pfarrjugend Bekleidungsstücke gearbeitet.

Über die Zukunft von Brandenburg gehen die verschiedensten Gerüchte und Vermutungen um. Nach dem man anfangs gemeint hatte, Brandenburg würde eine Stadt von 25 000 Einwohnern werden, stiegen die Hoffnungen trotz der weitgehenden Zerstörung der Rüstungsindustrie.

Ende Dezember, als die Züge der Flüchtlinge immer stärker wurden und immer häufiger kamen, meinten manche, Brandenburg würde sich vielleicht doch auf der Höhe von 50 000 Einwohnern halten.
Wie viel von den Werken tatsächlich zerstört bleibt, läßt sich ende Dezember noch nicht übersehen.

Am 13. November war eine Ortsgruppe der Christlich - Demokratischen - Union gegründet worden, die bald auf 200 Mitglieder anstieg.

Religionsunterricht wurde Ende Dezember erteilt vom Pfarrer in Klein Kreutz, vom Kapl. Szydzik in Lehnin und Schenkenberg, vom Pfarrer Scholz in Pritzerbe.
In Pritzerbe sind 18 kath. Kinder, fast alle von Flüchtlingen, in Klein Kreutz 17 kath. Kinder, ebenfalls die meisten von Flüchtlingen.

Nach der Öffnung des Zuchthauses hatte H. Pf. Scholz die Seelsorge auf dem Görden wieder übernommen; seit dem 28.1.45 war regelmäßig Gottesdienst auf dem Görden im Betsaal der prot. Gemeinde.
Auch diesen Gottesdienst übernahm H. PF. Scholz. Zunächst war der Gottesdienst am Sonntag um 16 und um 17 Uhr, später um 10 und 11 Uhr. Auch in Pritzerbe hielt Pfarrer Scholz jeden Monat einmal in der ev. Kirche einen Gottesdienst für die kath. Flüchtlinge.

In Golzow hatte Pfarrer Jochmann im März und April in der ev. Kirche Gottesdienst für die kath. Flüchtlinge aus dem Rheinland gehalten. Nach Beendigung des Krieges kehrten diese Flüchtlinge zurück, so daß diese Gottesdienste wieder eingestellt wurden.

Religionsunterricht wurde weiterhin in Lehnin und Schenkenberg durch Kpl. Szydzik erteilt. Auf fast allen Dörfern der Umgegend finden sich einige kath. Kinder da wir keine Fahrräder mehr haben, ist leider kein weiterer Ausbau des Religionsunterrichtes möglich.

Unmittelbar nach der Eroberung war dem Religionsunterricht völlig Freiheit gewährt worden.
Im Herbst kam dann die Verordnung heraus, daß der Religionsunterricht nicht in Verbindung mit den anderen Unterrichtsstunden erteilt werden dürfte, sondern nur in den Nachmittagsstunden.
Wir richteten zunächst einen Sammelunterricht für die kath. Kinder in der Nikolaischule am Mittwoch und Freitag Nachmittag ein.

Außerdem behielten wir alle Seelsorgestunden bei, so daß alle kath. Kinder, die guten Willens sind, mindestens 2 Religionsstunden jede Woche haben könnten.
Schwierigkeiten ergaben sich besonders wo 2 Schulsysteme in einem Schulgebäude vereinigt sind; die Kinder dieser Schulen können fast nur zur Seelsorgestunde kommen.
Durch die Verlegung des Gottesdienstes in die Notkapelle hatten wir auch wieder Raum gewonnen für die Erteilung des Unterrichtes im Pfarrsaal.

Im Frühjahr hatten sich die Fliegeralarme so gesteigert, daß die Verordnung btr. Gottesdienstbeginn nach nächtlichem Fliegeralarm erst nach 10 Uhr nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte. Am 24 März wurde sie aufgehoben.

Gefallen sind: Assessor Rzepka, Dr. Rudolf Paatsch, Georg Wilde, Heinrich Bunsch, Gerhard Altenburger, Anton Link, Harry Fuchs, Waldemar Thomas.

Bei der Eroberung von Brandenburg: Moritz Rief, Eugen Kulick, Wilhelm Wannenmacher, Siegfried Gerezak, im Lazarett verstorben: Leo Berek, Herbert Broening, Stud. Teol.
Sterbefälle ohne Gefallene 213, darunter 57 Kinder, davon sind beim Luftangriff ums Leben gekommen 14.

Von den Übrigen 142 Verstorbenen wurden 55 mit den hl. Sterbesakramenten versehen, von diesen sind 14 im St. Marienkranken- haus gestorben.

Taufen insgesamt 226,
davon 128 Eltern kath., 12 mit kath. Vater, 37 mit kath. Mutter,
3 Elt. Ggt?. 46 uneheliche Kinder.
Trauungen insgesamt 21, davon 12 rein kath. Paare, 5 mit kath. Bräutigam, 4 mit kath. Braut.
Kommunionen 14 879, Osterkommunionen 2 500
Kirchenbesucher am 24.3. (Palmsonntag) 1 724 trotz Fliegeralarm.
Im September 750.

 

Vergrößern?
Kirchenruine 1945

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kirchenruine 1945

 
 

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