Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik ab 1903 | - 1975 - |

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Anlage zur Chronik des Jahres 1975

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| Chronik des Jahres 1975 |

Zum 50-jährigen Wirken der Schwestern im St. Marienkrankenhaus von Harry Semrau

Marienkrankenhaus 15.12.75

Wenn wir heute des 50-jährigen Wirkens unserer lieben Schwestern in diesem St.Marienkrankenhuus in Brandenburg gedenken, dann ist es würdig und recht, auch die allerersten Anfänge solch segensreichen Wirkens in unserer Stadt nicht zu vergessen.
So gestatten Sie mir, daß ich dazu aus der Chronik der Pfarrgemeinde einiges berichte:

Schon am 25.1.1899 gründeten Dominikanerinnen vom Ahrenberg bei Coblenz eine Niederlassung in Brandenburg. Pfarrer Schomer hatte sie gerufen und ihnen in der damaligen Neustädt. Heidestr.24 eine bescheidene Behausung geschaffen.
Sie dienten der ärmsten Bevölkerung durch ambulante Krankenpflege und eröffneten einen Kindergarten. 1921 wurde Ahlerts Berg, Gartenlokal und Sommertheater, hier in der Bergstraße, von den Dominikanerinnen übernommen, und sie eröffneten am 11.2.1923 ein Krankenhaus und Altersheim, genannt Sankt Paulusberg.
Es wird von einer kirchlichen Feier in der Kapelle zur Eröffnung dieses Hauses berichtet, und von der Oberin Pelagia und den Ärzten Dr.Derlin und Dr.Schwarz.
Die schweren Inflationsjahre machten den Dominikanerinnen aber sehr zu schaffen, vor allem zu einem Ausbau reichten die Mittel nicht. So boten sie 1925 das Haus dem Caritasverband des Bistums Berlin an, der es zunächst in ein Altersheim umgestalten wollte, aber auf Bitten und Drängen der Dreifaltigkeitsgemeinde, ihres Pfarrers Schubert und der Arzte dann doch die Mittel zum Ausbau eines Krankenhauses bereitstellte.
Inzwischen am 15.Dezember 1925, heute vor 50 Jahren, hatten die Franziskanerinnen aus dem Mutterhaus Vöcklabruck in Oberösterreich das Haus übernommen und die verdienstvollen Dominikanerinnen abgelöst.
Am 8.8.1927 wurde das am Fuß des traditionsreichen Marienberges gelegene und nunmehr Sankt Marienkrankenhaus genannte Haus eingeweiht. Der Weihbischof von Berlin, Dr.Joseph Deitmer. feierte das Pontifikalamt in der Kapelle des Hauses und sprach davon, wie praktische Nächstenliebe das Kennzeichen der jünger Christi sei. Pater Wolff vom Caritasverband begrüßte als Hausherr die zahlreichen Gäste und Behördenvertreter.
Die Zeitungsberichte aus jenen Tagen nennen mit dem Weihbischof Dr. Deitmer den Erzpriester und Delegaturräte, den Ortspfarrer Schubert, die Kirchenvorsteher Herrn Riedel und Frau Hapich, als Vertreter der evangelischen Geistlichkeit Herrn Pfarrer Goehling, den Architekten Herrn Josef Bischof aus Potsdam; Vertreter des Oberpräsidenten und der Regierung in Potsdam, den Kreisarzt, den Oberbürgermeister Dr. Fresdorf und Stadträte, den Stadtarzt und andere. Viele Reden wurden gehalten, Bekundungen von Wohlwollen und Zusammenarbeit und gegenseitiger Toleranz, ? sollte das Haus doch nicht nur katholischen Christen offen stehen, sondern allen Kranken, die Hilfe brauchten. wovon dann auch in den kommenden Jahrzehnten bis heute eifrig Gebrauch gemacht wurde. Chefarzt Dr. Wichmann und Schwester Oberin Georgia führten die Gäste durch das Haus, dessen Einrichtung als zweckmäßig und modern sehr gerühmt wurde.
So begann die stille segensreiche Tätigkeit unserer lieben Schwestern vor 50 Jahren. Sie haben in das karge und ein wenig sture norddeutsche Brandenburg etwas von der österreichichen Leichtigkeit, ja vom österreicnishen Charme gebracht, wofür wir ihnen besonders danken.
Aus jenen ersten Jahren sind noch unter uns Schwester Purissima, Schwester Otwina, Schwester Humberta, Schwester Florina, und eine, die erst garnicht in den Orden eintreten wollte, Schwester Oberin Marianne.
Sie haben durch Jahrzehnte hindurch und manchmal mit großem Heimweh nach ihrer österreionichen Heimat hier ausgehalten, weil sie ihrer Berufung treu waren. Sie haben, zusammen mit den ihnen nachfolgenden Schwestern vor allem in dem schrecklichen Jahr 1945 bei ihren Schwerkranken in den Kellern ausgehalten, als die Gebäude halb zerstört waren, der Garten voller Leichen lag und Plünderer das Haus durchstreiften.
Sie blieben bei den Kranken, und rühmend muß Pfarrer Jochmann erwähnt werden, der ihnen in diesen Wochen nicht nur ein beruhigender und zuversichtlicher Ratgeber, sondern auch ein unermüdlicher Helfer war, der Wasser heranschleppte und Lebensmittel beschaffte.

 

Die Schwestern und Dr. Vieten blieben bei den Kranken, auch als ausgerechnet am Feste Mariä Himmelfahrt, am 15.August 1945, ein kleinkarierter Dirigismus irgendwelcher Stellen die Schwestern aus dem Krankenhaus vertreiben wollte: Sie erhielten beim morgendlichen Gebet den Befehl, binnen 48 Stunden das Haus zu verlassen.
Kaplan Szydzik gelang es, bis zum sowjetischen Kommandanten vorzudringen. Auf den Hinweis hin, daß das Marienkrankenhaus dem Bischof von Berlin gehöre, wurden alle Enteignungsversuche gestoppt. In langen weiteren Bemühungen wurde der kirchliche Charakter des Hauses und die Eigentumsrechte des Caritasverbandes des Bischofs von Berlin sichergestellt.

Bevor nun Herr Direktor Kaczmarek von den letzten Jahrzehnten und der Gegenwart berichtet, möchte ich im Namen aller katholischen Gemeinden Brandenburgs und der Umgebung unserem Marienkrankenhaus, seinen Ärzten, allen Pflegerinnen und dem gesamten Personal, vor allem aber unseren lieben Schwestern den herzlichsten Dank aussprechen, und für uns ist es ja keine Floskel, wenn wir sagen: Gott vergelts!

 

 

 

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