Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik ab 1903 | - 1989 - |

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Chronik des Jahres 1989

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28.12.88
Das Vivaldiorchester veranstaltet ein schönes Konzert und stellt die Summe von 504,-M, die bei der Türkollekte zusammenkam, für den Aufbau des Gemeindehauses zur Verfügung.

05.01.89
Der Diakon Harry Karcz beginnt sein Diakonat in der Gemeinde und bleibt bis April des Jahres.

13.01.89
Nach einem schweren Krebsleiden verstarb im Stadtkrankenhaus die Leiterin des Kindergartens Ingetraud Kletschkowski im Alter von 50 Jahren. Sie war eine gute Kindergärtnerin, an der die Kinder sehr hingen. Als Leiterin hatte sie mit den Mitarbeiterinnen oft schwerwiegende Probleme, so daß sie unter Pfr. Semrau zwischenzeitlich den Dienst quittierte, dann aber wieder einstieg, da sie andere berufliche Chancen nicht hatte.
Trotz mancher Querelen war der Kindergarten unter ihrer Leitung ein Segen für die Gemeinde.

16.04.89
Die Zählung der Gottesdiensbesucher ergibt 610 Personen.

09.05.89
Diakon Werner Kießig und Ehefrau Regina begehen im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes ihre Silberhochzeit.

15.05.89
Unter dem Thema "Uns ist die Erde anvertraut" findet in Lehnin der Dekanatstag der Dekanate Brandenburg und Potsdam statt.

22.05.89
Die neuen Diakonatshelfer Herrmann Zimmermann, Helmut Kanthack und Martin Mitrenga werden als Diakonats- und Kommunionhelfer eingeführt.

28.06.89
Pfarrer Richard Rupprecht begeht mit der Gemeinde und seinen Angehörigen und Freunden das Silberne Priesterjubiläum. Um 16.30 Uhr war der Festgottesdienst. Die Predigt hielt sein Freund, Pfr. Herbert Schmucker, Studentenpfarrer in Tübingen. Obwohl es ein Werktag -Mittwoch - war, war die Kirche überfüllt. Herzliche Gratulationen vor dem Schlußsegen. Die Mitbrüder aus dem Dekanat überreichten dem Pfarrer ein Fahrrad. Nach der Jubiläumsmesse kamen viele Angehörige und Gäste zur Begegnung im Pfarrsaal zusammen. Vom reichlichen Buffet blieb kein Brötchen übrig. Ein großartiges, motivierendes Fest!

05.07.89
Während der Sommerferien findet an jedem Mittwoch ein Kindertag statt. Kinder, die nicht verreist sind, treffen sich um 9 Uhr zur Kindermesse in der Kirche und anschließend zum Frühstück im Pfarrsaal. Danach ist Spiel, Wandern, Baden oder sonst etwas Unterhaltendes angesagt. Inhaltlich sind die Kindertage an den Religiösen Kinderwochen (RKW) orientiert. Die Teilnehmerzahl beläuft sich jeden Mittwoch auf 15 - 30 Kinder, dazu die Helfer. Nachdem die RKW in drei Altersgruppen in Lehnin eingeführt waren, wurde der wöchentliche Kindertag fallengelassen.

16.07.89
Während der Sonntag-Abendmesse betritt Pfr. Norbert Kaiser aus Kaiserslautern zusammen mit Herrn Franz Giebel sowie einer Ordensschwester und einer Gemeindereferentin die Kirche. Pfr. Rupprecht unterbricht die Predigt, um die Gäste herzlich zu begrüßen und Pfr. Kaiser richtet ein herzliches Wort an die versammelte Gottesdienstgemeinde. Nach dem Gottesdienst entwickelt sich auf dem Pfarrhof ein herzliches Gespräch mit den Gästen. Am darauffolgenden Montag, d. 17.07.89, ist eine Begegnung des PGR und des KV mit den Gästen.

Dieser Besuch ist der Auftakt zu einer intensiven Gemeindepartnerschaft zwischen St. Martin in Kaiserslautern und Hl. Dreifaltigkeit in Brandenburg. Es war in den achtziger Jahren üblich, daß Städtepartnerschaften zwischen Städten aus der DDR und der BRD geschlossen wurden, so zwischen der Stadt Brandenburg und Kaiserslautern. Staatliche Absicht war wohl, eine gewisse wirtschaftliche Hilfestellung zu erfahren, da es um die Volkswirtschaft in der DDR schlecht bestellt war. An einem intensiveren Kontakt zwischen den Menschen aus Ost und West war den Behörden nicht gelegen. So fand die "Partnerschaft" mehr auf der Ebene der Funktionäre und Repräsentanten statt.

Es war nun die Idee von Pfr. Kaiser, die Gelegenheit der Städtepartnerschaft wahrzunehmen, um auch auf kirchlicher Ebene eine Partnerschaft zu initiieren. Er wandte sich an den Generalvikar in Berlin, und dieser wiederum sandte das entsprechende Schreiben an Pfr. Rupprecht. Auf einer PGR-Sitzung entschloß sich die Gemeinde, auf dieses Angebot von St. Martin einzugehen. Auf der Sitzung mit dem PGR und KV am 17.07. wurde überlegt, wie die Partnerschaft realisiert werden könne. Dabei kamen folgende Ideen zusammen: Wechselseitige schriftliche Information über wichtige Ereignisse aus dem Gemeindeleben (Besuche waren ja noch nicht möglich), Gebet füreinander, Austausch von Adressen zur persönlichen Kontaktaufnahme. Pfr. Kaiser nahm viele Adressen mit. In St. Martin wurden diese in der Kirche ausgehängt und von interessierten Gemeindemitgliedern mitgenommen. Aus den anfänglichen Briefkontakten entwickelten sich nach der Wende z.T. recht intensive Besuchskontakte. Die Partnerschaft war von Anfang an sehr herzlich und persönlich.

21.07.89
Der Domchor von St. Hedwig unter der Leitung von Domkapellmeister Michael Witt singt im Rahmen eines Chorausfluges nach Brandenburg in der Dreifaltigkeitskirche. Die Mitglieder des Chores übernachten alle in der Gemeinde, ein Beweis überzeugender Gastfreundschaft.

13.08.89
Eine neue Gottesdienstordnung für die Sonntage wird mit Wirkung vom 1. September 89 bekanntgegeben: 7.30 Uhr Frühmesse im St. Marienkrankenhaus, 9.00 Uhr und 10.30 Uhr Hl. Messe in Dreifaltigkeit. In St. Elisabeth entfällt die Frühmesse, so daß der Pfarrer von St. Elisabeth St. Bernhard um 8.30 Uhr und St. Elisabeth um 10 Uhr wahrnehmen kann.

13.08.89
Der Pfarrer erläßt einen Aufruf zur Mitarbeit beim Bau des neuen Gemeindehauses. Darin heißt es: "Wir bitten recht herzlich und dringend, daß recht viele Männer, Frauen und Jugendliche sich beteiligen. Da der Bau voraussichtlich zwei Jahre dauern wird, ist es notwendig, daß wir unsere Kräfte langfristig einteilen. Wenn jeder, der bereit ist mitzuarbeiten, sich 1 Mal im Monat in die Liste einträgt, dürfte bei zahlenmäßig breiter Beteiligung die Beanspruchung zumutbar sein und ein Durchhalten gewährleistet sein."
Dieser Aufruf wurde weitgehend befolgt, freilich von einigen sehr intensiv, von anderen mittelmäßig oder selten und von vielen gar nicht. Insgesamt wurden etwa 6000 Arbeitsstunden geleistet.

09.09.89
Nachdem der bisherige Bischof des Bistums Berlin, Kardinal Joachim Meisner, gegen alle Proteste aus Köln und einer großen kirchlichen und profanen Öffentlichkeit von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Köln ernannt worden war, wird der bisherige Generalvikar des Komissariates Erfurt, Georg Sterzinsky, zum Bischof von Berlin geweiht, für Berlin eine gute Besetzung, wie sich im Laufe der Jahre herausstellen sollte.

17.09.89
In den Vermeldungen steht: "Im Oktober beginnt ein neuer Kurs Glaubensinformation für Erwachsene. Der Kurs ist gedacht für Jugendliche und Erwachsene, die nicht unserer Kirche angehören, aber den katholischen Glauben kennenlernen möchten".
Dieser Kurs sollte im Laufe der Jahre zu einer fast ständigen Einrichtung werden und führte zur Taufe oder zur Konversion von einigen Jugendlichen und Erwachsenen. Für andere war es zumindest eine wertvolle Information.

10.10.89
Das politische Leben in der DDR ist krisengeschüttelt. Die Wirtschaft nähert sich dem Bankrott. Viele Bürger haben Ausreiseanträge gestellt. Sie wollen einfach raus, wirtschaftlichem Niedergang und gesellschaftlichen Zwängen entgehen. Manche schaffen den Exodus über die CSSR oder Ungarn, einige über den Rechtsanwalt Vogel. Seit die Sowjetunion unter Gorbatschow die Perestroika und Glasnost ausgerufen hat und praktiziert, ist die Lage im Ostblock instabil geworden.
Die Unzufriedenheit macht sich Luft in Demonstrationen. Besonders Leipzig ist Vorreiter. Die Montagsdemonstrationen, ausgehend von der Nikolaikirche, sind zum Inbegriff der Wende geworden.

In der Dreifaltigkeitsgemeinde beginnen die Wendeereignisse am 10.10.89 mit einem Gemeindeabend im Pfarrsaal, an dem ca. 100 Personen teilnehmen. Vorbereitet ist der Abend von einer Arbeitsgruppe der Gemeinde unter Leitung des Pfarrers. Norbert Zimny moderiert den Abend. In Gruppengesprächen werden Sorgen, Ängste, Hoffnungen und Erwartungen artikuliert. Der Gesprächsabend findet seine Fortsetzung am 17.10. Hier entsteht die Anregung, auch in Brandenburg auf ökumenischer Ebene Gebete und Demonstrationen zu initiieren.

15.10.89
Die durch den Tod von Frau Ingetraud Kletschkowski vakante Stelle der Leiterin des Kindergartens wird durch Frau Monika Neugebauer aus Berlin, zuletzt tätig als Leiterin des Potsdamer katholischen Kindergartens, neu besetzt. Sie ist Kandidatin der Schwesterngemeinschaft.

25.10.89
Im Dom findet zum ersten Mal das Gebet für unser Land statt. Eine Arbeitsgruppe von Gemeindemitgliedern der Domgemeinde und der Dreifaltigkeitsgemeinde unter der Leitung von Kpl. Bernd Krause und der Pastorin Cornelia Radecke hat dieses Gebet vorbereitet und zeichnet auch in der Folgezeit dafür verantwortlich.

Am Anfang des Gebetes stehen Zeugenberichte über Demonstrationen, Eingriffe der Staatsgewalt, "Zuführungen" usw., die große Betroffenheit auslösen. Danach werden von der Gruppe vorbereitete Bitten vorgetragen mit dem anschließenden Ruf "Kyrie, eleison". Bitten aus der Gemeinde werden auf Zetteln nach vorn gebracht und ebenfalls vorgetragen. Schrifttext und Gesang und Orgelspiel umrahmen das "Gebet für unser Land". Zum nächsten Gebet wird in 14 Tagen in der Dreifaltigkeitskirche eingeladen.

08.11.89
Das Gebet für unser Land wird in der Dreifaltigkeitskirche gehalten. Die Kirche ist überfüllt, und auch auf dem Pfarrhof sind noch Leute, Christen und Nichtchristen. Am Ende des Gebetes lädt Norbert Zimny ein, sich an der ersten Demonstration in unserer Stadt zu beteiligen. Kerzen werden verteilt und entzündet. Verhaltensmaßregeln - ohne Gewalt - werden gegeben, um möglicherweise bereitstehende Einheiten von Polizei und Kampfgruppen nicht zum Eingreifen - wie in Berlin und andernorts geschehen - zu provozieren. Die Demonstration geht über die Brüderstraße, Steinstraße, Hauptstraße zur St. Gotthardtkirche, wo an diesem Abend ein Informationsabend der neuen Partei "Neues Forum" stattfindet. Unterwegs schließen sich noch Leute an. Es gibt keine Zwischenfälle. Ab jetzt findet das "Gebet für unser Land" wöchentlich statt, verbunden mit einer Demonstration zu einem öffentlichen Punkt der Stadt, z.B. Stadtverwaltung, Polizei o.ä., wo eine Rede gehalten wird und anschließend alle auseinandergehen.
Die Vorbereitungsgruppe für das Gebet rief auch zum Runden Tisch zusammen, der bis zu den ersten freien Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung regelmäßig in der Bücherei der Dreifaltigkeitsgemeinde tagte. "Runde Tische" entstanden im ganzen Land auf allen politischen Ebenen: Land, Bezirke, Städte und Gemeinden. Vertreter aller relevanten gesellschaftlichen Gruppen kamen zusammen, um die noch bestehenden Regierungen und Verwaltungen zu kontrollieren, begleiten und zu Maßnahmen anzuregen. Organisiert und moderiert wurden die Runden Tische zumeist von Vertretern der Kirchen, so auch in Brandenburg. Kpl. Bernd Krause und Pastorin Cornelia Radecke moderierten den Brandenburger Runden Tisch. Als Vertreter der Dreifaltigkeitsgemeinde mischte Norbert Zimny engagiert mit. In dieser Zeit ging der Noch-Bürgermeister Mühlig im Pfarrhaus ein und aus.

14.11.89
Da wegen der Bauarbeiten am neuen Gemeindehaus der alte Pfarrsaal nicht benutzt werden kann, findet ein Gemeindeabend mit Vertretern der Stadtverordnetenversammlung und der Stadtverwaltung im Jugendklubhaus Philipp Müller statt. Anliegen des Abends ist es, mit Vertretern der Stadt zu diskutieren. Vorbereitet und moderiert wird der Abend von Frau Monika Kanthack, Herrn Dr. Peter Strobach und Pfr. Rupprecht. Die Diskussion wurde von allen Beteiligten als engagiert, aber fair eingestuft. Sie steht in einer Reihe mit mehreren öffentlichen Diskussionen in jenen Tagen, wo die politischen Vertreter der Öffentlichkeit sich - zu spät - dem Gespräch mit der Bevölkerung stellten, um möglicherweise Reformen einzuleiten und politisch zu überleben. Aber der Druck im ganzen Land war inzwischen so stark geworden, daß die Tage der sozialistischen Staatsmacht und Diktatur offensichtlich gezählt waren.
Friedensgebete, Demonstrationen und Diskussionen im ganzen Land! In Brandenburg fanden u.a. öffentliche Diskussionen in der Stahlhalle und am 12.11. unter Beteiligung von ca. 12000 Teilnehmern auf dem Neust. Markt statt, wo u.a. auch Kaplan Bernd Krause das Wort ergriff.

19.11.89
Nachdem am 09.11.89 wie durch ein Wunder die Mauer gefallen war, stand Begegnungen zwischen Ost und West nichts Unüberwindliches mehr entgegen. So nutzt Pfr. Rupprecht die Gelegenheit zu einem ersten Partnerschaftsbesuch in St. Martin in Kaiserslautern. Die Aufnahme im Pfarrhaus und in der Gemeinde ist überaus herzlich. Er hält die Predigt in den Gottesdiensten und spricht über die Wendeereignisse mit ihren Leiden und Hoffnungen. Die Predigt wird mit viel Applaus quittiert. Nach dem Hauptgottesdienst findet eine Begegnung im Edith-Stein-Haus statt mit vielen engagierten Gesprächen mit Leuten aus Kaiserslautern. Mit Pfr. Kaiser und Vertretern des PGR werden Wege der künftigen Partnerschaft überlegt.

03.12.89
Als Zeichen der Hoffnung für unser Land wird an diesem Sonntag eine Menschenkette durch das ganze Land gebildet. Viele aus der Gemeinde reihen sich in diese Kette ein.

10.12.89
28 Jugendliche und 6 Erwachsene empfangen durch Weihbischof Wolfgang Weider in der Dreifaltigkeitskirche das Hl. Sakrament der Firmung.

17.12.89
Die Sammlung für das Bischöfliche Werk Not in der Welt erbrachte einen Betrag von 25.000,- Mark, ein erneuter Beweis für die Spendenfreudigkeit der Gemeinde, wenn es um wesentliche Dinge geht.

 

 

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