Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik ab 1903 | - 1990 - |

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2000                  
 
Chronik des Jahres 1990

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14.01.90
Der Caritasverband errichtet in der Bergstraße Ehe-, Familien,- und Lebensberatungsstelle ein, wahrgenommen durch Dr. Ullrich Wagner. Der Zuspruch erwies sich als sehr gering, so daß mit dem Weggang von Dr. Wagner aus Brandenburg diese Stelle nach relativ kurzer Zeit wieder aufgelöst wurde.

09.-11.03.90
Die kirchliche Arbeitsakademie Leipzig "Romano Guardini" veranstaltet in der Gemeinde ein Seminar zu Grundpositionen der katholischen Soziallehre. Etwa 30 Personen aus der Gemeinde und aus dem Dekanat nehmen teil. Es geht um die Sozialprinzipien Personalität, Solidarität und Subsidiarität. Das Interesse war recht engagiert, da jetzt die Zeit gekommen war, sich selbst in die gesellschaftlichen Vorgänge nach jahrzehntelanger Abstinenz einzubringen. Das Seminar sollte ein Beitrag sein, sich geistiges Rüstzeug anzueignen, um sich in die Politik mit einzumischen.
Eine Fortsetzung dieses Seminars folgte 27./28.10. unter der Thematik "Gestaltung der Welt aus christlicher Verantwortung - Impulse für soziales und politisches Engagement."

18.03.90
In der noch bestehenden DDR finden die ersten Freien Wahlen zur Volkskammer und die Kommunalwahlen statt. Die Bischöfe haben einen Wahlaufruf in allen Gemeinden verlesen lassen. Unter der Überschrift "Wahlprüfsteine" werden Zeitungen ausgelegt als Entscheidungshilfe für die Wahl. Zur Wahl stehen die neue SPD, die erneuerte CDU, die PDS als Nachfolgepartei der SED, die erneuerte FDP, die neuen Parteien DA (Demokratischer Aufbruch), Neues Forum, DSU, Bündnis 90 und andere. Die "Allianz für Deutschland" (CDU, DSU und DA) ging als stärkste Kraft aus dieser Wahl hervor. Die neuen Parteien, die wesentlich Motoren der Wende waren, spielten im Wahlergebnis kaum eine Rolle. Es ging nun um pragmatische Politik, und da orientierte sich die Wählerschaft bereits an westlichen Leitbildern. Helmut Kohl, dem Kanzler der Wende, traute man am ehesten eine möglichst schnelle Integration der DDR in die Bundesrepublik zu, verbunden mit einem entsprechenden wirtschaftlichen Aufschwung. In der gesamten DDR stiegen viele Katholiken in die Politik ein, so daß von evangelischer Seite mit einem gewissen Argwohn die Bemerkung ausging: Die evangelische Kirche hat die Revolution gemacht und die katholische Kirche besetzt die Posten. Seitens der evangelischen Kirche stiegen viele Pastoren aus dem kirchlichen Dienst aus und in die Politik ein. Nachdem nun durch die ersten freien Wahlen auf allen Ebenen demokratisch gewählte Gremien entstanden waren, lösten sich überall, auch in Brandenburg, die Runden Tische auf, und die Politik etablierte sich bald auf neue Weise.

06.05.90
In Brandenburg findet die erste freie Wahl zur Stadtverordnetenversammlung statt. Auch einige Gemeindemitglieder stellten sich zur Wahl. Die Pfarrgemeinde wurde aufgefordert, sich verantwortlich an der Wahl zu beteiligen. Als stärkste Kraft ging die SPD aus der Wahl hervor, gefolgt von der CDU und der PDS. In der STVVS waren, gemessen an der Katholikenzahl in der Stadt, überproportional viele (10%) katholische Gemeindemitglieder vertreten, zumeist in der CDU. Es war die Chance, sich nunmehr einzumischen. Erster Oberbürgermeister der Stadt wurde Dr. Helmut Schliesing, der bereits am Runden Tisch teilgenommen hatte.

13.05.90
Eine kleine Schar, neun Kinder gehen in der Dreifaltigkeitskirche zur Erstkommunion.

21.05.90
In der St. Gotthardtkirche findet ein Ökumenischer Gottesdienst zum Beginn der Arbeit der Brandenburger Stadtverordnetenversammlung statt, der ein gutes Echo hatte. Die Kirchen haben die Wende wesentlich mit auf den Weg gebracht, so sollte auch der Start der STVVS diesen Auftakt erfahren.

23.-27.05.
In Westberlin findet der 90. Deutsche Katholikentag statt. Viele aus der Gemeinde nehmen die Gelegenheit wahr, zum ersten Mal nach 1958 an einem Katholikentag teilzunehmen. So stand denn auch der Katholikentag im Zeichen der gesamtdeutschen Begegnung der Katholiken. Eine gewisse Euphorie gehörte zum Stimmungsbild dieser Tage. Es fiel auf, daß die Ostdeutschen besonders zahlreich an den vielen Gesprächsforen teilnahmen. Für Bischof Georg Sterzinsky und das Bistum Berlin war die Organisation und die Mitgestaltung des Katholikentages eine besondere Herausforderung.

04.06.90
Wegen Bauarbeiten in Lehnin findet der Dekanatstag der Dekanate Brandenburg und Potsdam in der Stadt Brandenburg statt. Der Gottesdienst im Dom ist ein besonderes Erlebnis. Wegen des schlechten Wetters mußte, was den übrigen Verlauf des Tages betraf, viel improvisiert werden. Potsdam beteiligte sich nur spärlich an diesem Tag.

14.-17.06.90
Dieses Wochenende steht im Zeichen der ersten großen Begegnung mit der Partnergemeinde St. Martin, Kaiserslautern. Der Kirchenchor mit Angehörigen, insgesamt ca. 50 Personen, ist in der Gemeinde zu Besuch. Untergebracht werden die Gäste in Privatquartieren, um einen möglichst intensiven persönlichen Kontakt zu ermöglichen. Dabei werden schon bestehende Briefpartnerschaften gefestigt. Schon die Ankunft ist so herzlich, als begegneten sich alte und gute Bekannte.
Folgendes Programm prägte die Tage der Begegnung: Am Freitag um 19.30 Uhr ein Chor- und Orgelkonzert in der Dreifaltigkeitskirche. Am Samstag nachmittag anstelle des sonstigen Gemeindefestes Unter der Linde, das wegen Bauarbeiten am neuen Gemeindehaus sowieso ausfallen mußte, ein Gemeindefest auf dem Gelände des St. Marienkrankenhauses. Am Sonntag vormittag dann die gemeinsame Fronleichnamsprozession auf dem Gelände des St. Marienkrankenhauses.
Diese erste große Begegnung nach der Wende war geprägt von intensiven Gesprächen, wohl die bedeutsamste Frucht der Partnerschaft, der Beginn eines langen Prozesses des Verstehens und der Aufarbeitung einer jahrzehntelangen Trennung unseres Volkes.

24.06.90
Wieder Besuch in der Gemeinde. Der Freundeskreis ehemaliger Brandenburger trifft sich zum ersten Mal in Brandenburg. Es sind ca. 60 Personen mit Prälat Stanislaus Szydzik an der Spitze, der während des Krieges Kaplan in der Dreifaltigkeitsgemeinde war und eine intensive Jugendarbeit leitete. In diesem Freundeskreis treffen sich ehemalige Jugendliche aus dieser Zeit, die längst aus Brandenburg weggezogen sind, aber sich nach wie vor durch diese gemeinsame Vergangenheit verbunden fühlen. Durch den Fall der Mauer konnte das Treffen nun in Brandenburg selbst stattfinden, und einige Hiergebliebene stießen zu der Gemeinschaft dazu. Um 10.30 Uhr zelebriert Prälat Szydzik die Hl. Messe in Konzelebration mit aus Brandenburg stammenden Priestern, anschließend ist Mittagspicknick in St. Bernhard und um 18 Uhr die traditionelle Komplet in der Dreifaltigkeitskirche.
Zu bewundern die Prägung dieses Kreises über Jahrzehnte durch die intensive kirchliche Jugendarbeit in einer schweren Zeit.

01.07.90
Als Vorbote der deutschen Wiedervereinigung tritt bereits die Währungsunion ein. Das private Vermögen bis 4000,- Mark wird zu 100 %, das weitere zu 50 % in DM umgetauscht. Es war für alle eine große Freude, nunmehr an einer stabilen Währung Anteil zu haben, was auch ein Ziel des Umbruchs war. Anderseits gab es im Umgang mit der DM noch große Unsicherheit. "Westgeld" war bislang immer was Besonderes, aufgehoben für den gehobenen Bedarf, den man sich im "Intershop" leistete. Nun sollte man "Westgeld" für die banalen Dinge des Alltags ausgeben?

31.08.90
Im Rahmen des Familiengottesdienstes werden die Seelsorgehelferin Annegret Schumann und Kaplan Bernd Krause verabschiedet. Annegret Schumann war besonders durch ihre persönliche Zuwendung zu den - vor allem jungen - Leuten beliebt. Dennoch sah sie auf Zukunft nicht in der Pastoral ihre Aufgabe, sondern nahm die nunmehr gegebene Gelegenheit zum Studium profaner Disziplinen wahr, bewahrte aber über lange Zeit eine gute Verbindung zur Gemeinde.
Kaplan Krause hatte besonders die Wendeereignisse in der Stadt durch seinen Einsatz mitgeprägt, z.B. durch die Gestaltung der Friedensgebete und die Moderation des Runden Tisches. In guter Erinnerung blieb die Christmesse 1989, in der die Krippe vor die geöffnete Mauer vor dem Altar gestellt wurde und das Weihnachtsgeheimnis in diesem Zeichen in einer Dialogpredigt zwischen Pfarrer und Kaplan interpretiert wurde.
Als Nachfolger/in wird einen Sonntag später Neupriester Torsten Daum und die Seelsorgehelferin Christina Brath begrüßt.

14.09.90
Mit den Bauarbeitern und den freiwilligen Helfern und Helferinnen aus der Gemeinde wird das Richtfest unseres Gemeindehauses gefeiert.

29.09.90
In der Kapelle des Altersheimes in Plaue feiert Pfr. Rudolf Metzen sein Goldenes Priesterjubiläum. Pfr. Rupprecht hält die Predigt. Viele, die sich ihm verbunden fühlten, nahmen an dieser Feier teil.

02./03.10.90
Aus Anlaß des Tages der deutschen Einheit, der in diesem Jahr durch die Wiedervereinigung Deutschlands eine besondere Bedeutung hat, findet am Vorabend in der Dreifaltigkeitskirche um 18 Uhr ein Ökumenisches Friedensgebet und am Tag selbst eine Dankmesse statt. Die Zustimmung zu diesem Tun ist insbesondere bei den evangelischen Christen nicht allgemein, da sich bereits einige Probleme der Vereinigung abzeichnen und sich Klage breitmacht, daß nicht ein dritter Weg - frei, aber irgendwie sozialistisch - verwirklicht werden konnte. Viele hinken lange solchen Utopien nach. Bei den realistisch eingestellten Leuten überwiegt freilich die Dankbarkeit trotz aller sich abzeichnenden Probleme.

06.10.90
Der erste Arbeitseinsatz in St. Nikolai findet statt. Unter erfreulicher Beteiligung der Gemeinde wird in St. Nikolai unter der Leitung des Architekten Manfred Thon aufgeräumt. Es ist die erste Konsequenz der sich abzeichnenden Übernahme der Kirche durch die katholische Gemeinde.

21.10.90
Im Rahmen der Partnerschaft besucht das Kolping-Blasorchester aus Kaiserslautern unsere Gemeinde und die Stadt. Höhepunkte sind ein Konzert im Dom und ein Begegnungsabend im Gemeindesaal von St. Bernhard.

21.10.90
Eine wichtige Neuerung für die Gemeindemitglieder: Die Kirchensteuer, die bislang in der DDR unter großen Schwierigkeiten von den Gemeinden selbst eingetrieben werden mußte - mit allen Vor- und Nachteilen - wird nunmehr über die Arbeitgeber und Finanzämter eingezogen. Viele Bürger/innen der Stadt treten aus den Kirchen aus, um nicht erfaßt zu werden, manche treten sogar prophylaktisch aus beiden Kirchen aus. Das bisherige verbindliche Kirchgeld der Rentner entfällt, jedoch werden die Rentner um ein freiwilliges Kirchgeld gebeten, um die finanzielle Sicherung der Gemeinden wegen der noch geringen Kirchensteuereinnahmen sicherzustellen.
Ein Informationsschreiben zu diesen Fragen ergeht an die Gemeindemitglieder.
Die Austrittswelle aus der Kirche betraf nicht so sehr die treuen Gemeindemitglieder, sondern fast ausschließlich diejenigen, die schon zu DDR-Zeiten nichts mehr mit der Kirche zu tun hatten, wo ein Austritt aber nicht nötig war, um der finanziellen Verantwortung zu entgehen.

02.12.90
Die Adventsaktion "Not in der Welt" erbrachte ein Ergebnis von 13.500,- DM. Das scheinbar geringere Ergebnis gegenüber früheren Sammlungen widerspiegelt die Währungsunion, die 50 % der DDR-Währung ausmacht.

 

 

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