Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik ab 1903 | - 1991 - |

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2000                  
 
Chronik des Jahres 1991

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01.01.91
Da das Altersheim St. Jakobus in Plaue schon lange nicht mehr den baulichen und damit auch hygienischen Standards entsprach und zudem nicht in Besitz der Caritas war, wurde der Betrieb im vergangenen Jahr allmählich eingestellt. Damit ging eine gute Zeit fürsorglicher Betreuung alter Menschen unter der Leitung der Franziskanerinnen zu Ende, ohne daß vorerst Aussicht auf ein neues Altersheim bestand. Sr. Eugenia war die letzte Leiterin des Heimes. Aber auch die Seelsorgestelle, die mit dem Heim verbunden war, wurde aufgelöst, da der letzte Pfarrer Rudolf Metzen in den Ruhestand ging und in Rathenow bis zu seinem Tod lebte. Der Seelsorgebereich Plaue wurde St. Bernhard zugeordnet. Bis 1995 wurde noch Gottesdienst in der ev. Kirche in Plaue gehalten, bis auch dieser eingestellt werden mußte. Die wenigen Katholiken in Plaue orientierten sich nunmehr nach der Stadt bzw. nach Kirchmöser.

06.01.91
Nachrichten von ausgesprochenen Hungersnöten in der Sowjetunion veranlaßten die Gemeinde, über die Caritas eine Paketaktion durchzuführen. Es wurden 373 Pakete abgegeben und nach Murmansk transportiert.

06.01.91
Die neue Gemeindereferentin Christina Brath hat eine bewährte Form der Kinderarbeit neu belebt, das Sternsingen. Mehrere Gruppen waren unterwegs und haben einen Betrag von 2.006,- DM "eingesungen." Das Sternsingen sollte sich in den nächsten Jahren immer stärker entfalten. Gerade in einer "heidnischen" Stadt wie Brandenburg wurde es eine gute Art des Glaubenszeugnisses junger Menschen, dem zunehmend Aufmerksamkeit und Anerkennung entgegengebracht wurde. Die Kinder brachten nicht nur den Haussegen, sondern die Aktion selbst war vom Segen begleitet.

13.01.91
Junge Leute zwischen 20 und 35 Jahren werden aufgerufen, sich in einer Gemeindegruppe Junge Kolpingfamilie zusammenzufinden, um die bestehende Kolpingfamilie von unten zu erneuern und junge Leute in diesem Geiste zu prägen. Der Versuch wurde über einige Monate durchgehalten, scheiterte aber schließlich mangels Interesse an solch einer verbindlichen Form der Gemeindearbeit. So bleibt Kolping eine Sache der mittleren und älteren Generation.
Familien- und Freundeskreise oder Sachgruppen bieten z.Zt. wohl größere Chancen, Leute zu sammeln. Sie sind nicht so auf Verbindlichkeit und Dauer angelegt.

03.03.91
Das in der DDR-Zeit übliche Fastenopfer für die caritative Bruderhilfe, das immer am Gründonnerstag im Rahmen der Liturgie in einem Opfergang eingesammelt wurde, wird nunmehr in Angleichung an die "westliche" Praxis in das Hilfswerk der katholischen Kirche Misereor überführt und am 5. Fastensonntag eingesammelt. Desgleichen wird in diesem Jahr das Bischöfliche Hilfswerk der Adventszeit Not in der Welt in das Hilfswerk der katholischen Kirche Adveniat überführt und am Weihnachtstag eingesammelt. Von vielen wird dieser Traditionsbruch im Blick auf die DDR-Vergangenheit bedauert, aber schließlich im Blick auf die kirchliche Wiedervereinigung angenommen.
Anzuerkennen bleibt, daß die katholische Kirche in der DDR mit ihren Hilfswerken unter schwierigen Bedingungen Großes geleistet hat.
Ergebnis des ersten Fastenopfers für "Misereor": 16.000,- DM.

12.05.91
14 Kinder gehen zur Ersten heiligen Kommunion.

20.05.91
Der Dekanatstag in Lehnin mit Kardinal Sterzinski steht im Zeichen des 900. Geburtstages des hl. Bernhard von Clairveaux.

26.05.91
Die Präsenz der Kirche in den Medien wird für die Dreifaltigkeitsgemeinde zum ersten Mal deutlich durch die Gottesdienstübertragung im SFB. Die Predigt hält Pfr. Rupprecht.

23.06.91
Die neue Brandenburger Landesverfassung möchte die Fristenlösung gesetzlich festschreiben. Eine Arbeitsgruppe der Gemeinde hat eine Stellungnahme dagegen verfaßt, die von vielen Gemeindemitgliedern unterschrieben wurde.

27.06.91
Der Caritasverband eröffnet vorerst in der Bergstraße eine Schwangerenberatungsstelle, die wöchentlich am Donnerstag Sprechstunde hatte. Diese Beratungsstelle erfuhr durch die kompetente Arbeit von Frau Rimpler aus Potsdam im Laufe der Jahre zunehmend Akzeptanz.

02.09.91
An der Stelle, wo früher ein Gemüse- und Obstgarten war, ist durch Förderung der Caritas und des Landes ein neuer Kinderspielplatz für die Kita und die Gemeinde entstanden, der in Anwesenheit der Presse eingeweiht wird. Nicht nur für die Kita und die Gemeinde ein Gewinn, sondern auch für die Kinder aus der Nachbarschaft, die den Platz nicht ohne Probleme reichlich nutzen. Besonders aber vor und nach dem Religionsunterricht, bei Gemeindefesten und anderen Veranstaltungen tummeln sich die Kinder auf dem Spielplatz, während die Erwachsenen im Saal oder auf dem Hof versammelt sind.

05.-07.09.91
Nachdem im vergangenen Jahr fast jede Woche mit unterschiedlicher Resonanz zu Arbeitseinsätzen aufgerufen wurde, ist nun die Festwoche zur Einweihung des neuen Gemeindehauses mit folgenden Programmpunkten:
Donnerstag: Um 16.30 Uhr feierliche Vesper in der Kirche, anschließend Weihe des Hauses und Begegnung der Gemeinde im neuen Haus.

Freitag:
Um 9 Uhr Seniorenmesse mit anschließendem Frühstück im Pfarrsaal.
Um 19 Uhr Jugendvesper in der Kirche und anschließend Konzert mit der Gruppe "Patchwork" im Gemeindehaus.

Samstag: Um 16 Uhr Festakademie mit einem Vortrag von Pfr. Durstewitz, Berlin: "Gemeinde - von der Zukunft angefragt". Neben der Gemeinde sind Gäste aus Kaiserslautern mit Pfr. Kaiser und Vertreter der Öffentlichkeit und Ökumene anwesend. Die Kolpingfamilie Kaiserlautern überreicht eine Kolpingbüste zur Aufstellung im Gemeindehaus.

Sonntag: Um 15 Uhr Gemeindefest Unter der Linde. Dabei fließt Pfälzer Wein, von St. Martin zur Mitfinanzierung des Gemeindehauses in großer Menge gespendet.

Die Gemeinde hat mit Dankbarkeit und auch mit Stolz dieses Haus eingeweiht. Etwa 6000 Arbeitsstunden sind in freiwilligen Einsätzen geleistet worden: Abrißarbeiten, Schachtarbeiten, Elektriker,- Tischler- und Malerarbeiten, Reinigungsdienste usw. Als Architekt zeichnete Manfred Thon verantwortlich, dem der ansehnliche und zweckmäßige Entwurf zu verdanken ist.
Die Gemeindeseelsorge hatte nun ihren festen Ort, was im Blick auf die Zukunft mit den weiteren Bau- und Strukturmaßnahmen von großer Bedeutung sein sollte.
Das Gemeindehaus ist ein "Wendebau"; vor der Wende mit entsprechenden Materialien (z.B. Abrißsteine, russische Heizkörper) und Methoden (Feierabendbrigaden, abenteuerliche Organisation von Baumaterial und Geräten) begonnen und nach der Wende entsprechend den neuen Möglichkeiten abgeschlossen.
Die Gesamtkosten beliefen sich auf ca. 950.000,- DM. Die Gemeinde hat zusammen mit Sponsoren ca. 115.000,- DM in bar und ca. 100.000,- DM in Arbeitsleistung aufgebracht. Der übrige Teil wurde sehr entgegenkommend durch die Diözese finanziert.

16.10.91
Diakon Kießig hält einen Gemeindeabend über die Rompilgerfahrt, die er mit den Senioren der Gemeinde unternommen hat. Dies war der Auftakt zu mancher Senioren- bzw. Gemeindefahrt, die durch die gewonnene politische Freiheit möglich wurden.

10.11.91
Das St. Martinsfest wird nunmehr zu einem ökumenischen und Stadtereignis. In diesem Jahr geht der Zug von Neust. Markt zu Dreifaltigkeitskirche.

11.11.91
Vier Redemptoristen, P. Clemens Nodewald, P. Wolfgang Koch, P. Winfried Pauly und Br. Josef Gack gründen eine Niederlassung und beginnen ihre Tätigkeit in Brandenburg a.d.Havel.
Der Weihbischof fragte telefonisch nach, ob in Brandenburg ein Betätigungsfeld für die Gemeinschaft der Redemptoristen sein könnte. Nach einem Vorstellungsgespräch mit P. Nodewald und einer Beratung im Dekanatskonvent erklärte Pfr. Rupprecht seine Bereitschaft, den Redemptoristen zu helfen, in Brandenburg Unterkunft und ein Betätigungsfeld zu ermöglichen. Da im Blick auf die Restaurierung der Häuser Neust. Heidestr. 24 und 25 diese schon freigezogen waren, aber die Bauarbeiten sich verzögerten, bot Pfr. Rupprecht den Redemptoristen für ca. 1 Jahr die noch funktionstüchtigen Räume dieser Häuser an, so daß der Einzug bald erfolgte. Von hier aus organisierten die Redemptoristen ihre längerfristige Niederlassung und ihr Betätigungsfeld.

Ihre Absicht war nicht die traditionelle Gemeindepastoral, sondern sie wollten entsprechend der Spiritualität des Gründers für benachteiligte Menschen am Rand der Gesellschaft zur Verfügung stehen. So ließen sie sich schließlich nach Verhandlungen mit der Stadt in Hohenstücken, Christinenstr. 3 nieder. Sie bezogen die Parterreetage des damaligen Ausländerwohnheims und späteren Obdachlosenwohnheims in Trägerschaft des ASB. Von hier aus entwickelten sie folgende Betätigungsfelder: P. Nodewald übernahm im Zusammenspiel mit dem Verein "Humanitas" Aufgaben in der Betreuung von Sträflingen in der JVA Brandenburg und deren Vorbereitung vor und Begleitung nach der Entlassung. P. Koch eröffnete in der Flämingstr. in Trägerschaft des Caritasverbandes für Brandenburg eine Beratungsstelle für Ausländer, Aussiedler und Asylbewerber, die er mit großem Engagement begleitete. P. Pauly und Br. Gack gingen auf die Straße, um als Streetworker im Stadtteil Hohenstücken Jugendliche zu sammeln und zu begleiten, in engem Kontakt zur evangelischen Einrichtung für Jugendliche "Cafe contact". Es gelang P. Pauly, den von der Stadt ausgeschriebenen ehemaligen FDJ-Jugendklub "Club am Turm" in Hohenstücken in Trägerschaft der Caritas zu übernehmen und zu einem Zentrum der offenen Jugendarbeit zu profilieren. Als der Club lief, übergab er die Verantwortung an einen Sozialarbeiter und betätigte sich wieder vornehmlich als Streetworker. Br. Gack verließ leider den Orden und zog sich zurück. Dafür stieß 1994 P. Giuseppe Cierigo zur Gemeinschaft hinzu und übernahm neben dem Innendienst der Gemeinschaft die Krankenseelsorge im katholischen St. Marienkrankenhaus, ein Dienst, der für das Haus von unschätzbarer Bedeutung wurde.

Selbstverständlich hat ihre Tätigkeit in mehrfacher Hinsicht auch eine Gemeindedimension. Der letzte Pfarrer von St. Elisabeth, Konrad Paul, wurde nach Berlin versetzt und die Patres nahmen nunmehr die regelmäßigen Gottesdienste in St. Bernhard, St. Elisabeth und Pritzerbe wahr, dazu so manche Vertretungsdienste in der Pfarrei und im Dekanat. Insbesondere P. Nodewald wurde zum Ansprechpartner für diesen Gemeindebereich. Zudem sind die Sonderaufgaben letztlich auch Aufgaben der allgemeinen Pastoral, die nur mit dieser Intensität ohne die Patres nicht wahrgenommen werden könnten.
Die Tätigkeit der Ordensleute sollte sich zunehmend als Segen für die Stadt und die Gemeinde erweisen. Die Verbindung zwischen Ordensgemeinschaft und Gemeinde sollte sich gut entwickeln. P. Nodewald nahm regelmäßig an den Mitarbeiterbesprechungen des Pastoralteams der Pfarrei und an den Sitzungen des PGR teil. Gemeindemitglieder arbeiten mit den Patres zusammen in der Begleitung Gefangener oder als Arbeitsgruppe für Migrationsfragen.

20.11.91
Nachdem der Buß- und Bettag gesetzlicher Feiertag geworden ist, findet an diesem Tag nunmehr jährlich ein Ökumenischer Gottesdienst in St. Gotthardt statt, der eine erfreuliche Resonanz hat.

08.12.91
Etwas Neues in der Jugendarbeit: Von Mittwoch bis Sonntag leben einige Jugendliche im Gemeindehaus, um von hier aus in die Schule bzw. zur Arbeit zu gehen und die Abende gemeinsam zu verbringen. Eine religiöse Thematik und Gebete begleiten diese Tage. Das Ganze läuft unter dem Namen Tage gemeinsamen Lebens (TGL). Diese TGL finden künftig jeweils in der Fastenzeit und in der Adventsszeit statt.

08.12.91
Die Gemeinde beteiligt sich an einer Sammlung für die Partnerstadt von Brandenburg Magnitogorsk und stellt 2.900,- DM zur Verfügung.

 

 

 

 

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Pater Wolfgang Koch

 

 

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Pater Clemens Nodewald

 

 

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Pater Giuseppe Cierigo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gemeindehaus der
Dreifaltigkeitsgemeinde

 

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