Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik vor 1903 | 1. Vor dem Bau der Kirche |

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1.1. Chronik-Einleitung
1.2. Ernennung von Ignatz Tieffe
1.3. Dankbrief für die Einsetzung eines Seelsorgers
1.4. Fragmente eines Dankbriefes
1.5. Errichtungsdekret der Pfarrei
1.6. Bemühungen um Kirchenräume
 
1.6. Bemühungen um Kirchenräume

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| Brief von Propst Brinkmann, St. Hedwig, 24.10.1844 |
| Brief von Kaufmann Maury an den Brandenburger Magistrat, 27.10. 1844 |

Brief von Propst Brinkmann, St. Hedwig, 24.10.1844:
An den Hochlöblichen Magistrat der Stadt Brandenburg a/H.

Die große Theilnahme, welche die Einführung eines Local-Geistlichen für die katholische Gemeinde in Brandenburg am Sonntage, den 13. d. M. bei der dortigen Bevölkerung gefunden hat, ermuthigt, mich Einem Hochlöblichen Magistrate folgende Bitte ergebenst vorzutragen.
Der bisherige gottesdienstliche Versammlungsort der katholischen Gemeinde hat, von anderen baulichen Misverhältnissen abgesehen, den großen Uebelstand, daß er zu klein ist, um die Mitglieder der Gemeinde, besonders wenn die in der Umgegend wohnenden hinzukommen, gehörig aufzunehmen.
Dazu kommt, daß der nämliche Raum mehrmals des Jahres für den evangelischen Gottesdienst benutzt wird, was besorgen läßt, daß die einmal festgesetzte Ordnung des Gottesdienstes hier oder dort unterbrochen werden muß und mithin gestört wird.
Nun besitzt aber die Stadt Brandenburg noch eine Kirche, die Johannis-Kirche, welche nicht benutzt wird, und ihres Umfanges wegen für die katholische Gemeinde ganz angemessen sein würde, welche es zugleich zu verdienen scheint, daß sie dem christlichen Gottesdienst erhalten wird.
Wenn die Stadt Brandenburg in geneigter Anerkennung des vorhandenen Bedürfnises diese Kirche der katholischen Gemeinde in ihrer Mitte zum Gebrauch überlassen wollte, so zweifle ich nicht, daß es mir gelingen würde, durch die Gnade des Königs Majestät, entweder in der einen oder andren Weise die nöthigen Fonds zur baulichen Wiederherstellung derselben anzuschaffen und dadurch zugleich dies ehrwürdige Gebäude vor seinem Verfall zu beschützen.
Einen Hochlöblichen Magistrat ersuche ich daher ganz ergebenst falls Hochderselbe gegen die Ueberweisung der Kirche an die katholische Gemeinde nichts zu ????? findet, solche viel mehr zu beschließen die Gewogenheit hat, die Zustimmung der Stadtverordneten geneigtens bewirken und mich demnächst mit dem Ergebnis zur weiteren Veranlassung bekannt zu machen zu wollen.

Berlin d. 24. Oct.? 1844

Der fürstbischöfliche Delegat, Probst zu St. Hedwig et.

Brinkmann

Für richtige Abschrift
I. Tieffe


Brief von Kaufmann Maury an den Brandenburger Magistrat, 27.10. 1844:
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Einem Wohllöblichen Magistrat
der Chur und Hauptstadt Brandenburg

Einem Wohllöblichen Magistrat sehe ich mich verpflichtet, im Verfolg meines eigenen und des allgemeinen Interesse, der hiesigen katholischen Gemeinde nachstehende ganz gehorsamste Bitte vorzutragen.
Das Seelenheil ist uns endlich geworden, einen Geistlichen in unserer Mitte zu haben, und meine gleich dadurch alle früheren Mühseligkeiten aufgehört haben, so tritt doch jetzt ein nicht ganz beseitigtes und erörtertes Bedürfnis wieder ins Leben, nehmlich unser Kirchenlocal.-
Die Königl. Hochlöbliche Regierung zu Potsdam /: Abtheilung für die Kirchenverwaltung:/ hat unterm 19ten April 1841 angeordnet unter anderem Ermittlungen auch anzuzeigen, welches Local bisher zu katholischen Gottesdienst benutzt worden, und ob dieses oder welches andere hinzu genommen werden kann.
Über die in genannter hoher Verfügung zu ergänzenden Ermittlungen bin ich im termino den 15 und 19 März 1841. vernommen worden.
Leider mit der Bestimmung des hohen Deputierten, daß ich nur zu antworten, nicht aber anderen Gegenstück als die, worüber ich befragt, Auskunft geben sollte. -
Diese Anordnungen mußte ich natürlich Folge leisten, und obgleich es mir hinlänglich Bekannt war, daß, dadurch der Auftrag und Befehl der Königl. Hochlöblichen Regierung vom 19ten April 1841 nicht vollständig, und namentlich der Punkt wegen des Kirchenlocals, genügt werden konnte, so schmerzlich demnach, weil mir und der ganzen Gemeinde es zunächst daran lag, einen Geistlichen im Orte zu haben.
Jetzt, nachdem nun aber dieser Punkt beseitigt, seit jener Zeit aber die Gemeinde sich bedeutend vermehrt, und die von uns bisher benutzte Petri Kirche auf hiesigem Dom, theils zu baufällig, aber jedenfalls viel zu klein ist, um von einer so zahlreichen Gemeinde den Gottesdienst zu halten, so will ich hiermit jetzt wieder auf die hohe Regierungsverfügung vom 19ten April 1841 zurückkommen, und den mir nicht zur Begutachtung vorgelegten Punkt näher erörtern.-
Wenn nun die hohe Behörde zu wissen verlangt, welches Local bisher zum katholischen Gottesdienst benutzt worden, und ob dieses oder welches andere hinzu für die Zukunft genommen werden kann,:?- so hat meines Wissens der Königl. Regierungs Bau-Inspector Heidfeld schon zu jener Zeit als Sachverständiger die Petri Kirche für zu baufällig und auch in jeder Beziehung für die hiesige katholische Gemeinde zu klein erklärt, und endlich auch sehr richtig auseinander gesetzt, daß immer abgesehen von beider Übel, eine Sacristei fehlen würde.
Der Königl. Regierungs Bau-Inspector Hhrr. Heidfeld hat aber schon zu jener Zeit, eingedenk des Allerhöchsten Befehls Seiner Hochsel. Majestät des Königs, daß diese gleichen Gebäude ihrem Zweck gemäß erhalten werden sollen.-
Die in hiesiger Altstadt belegene Johannis Kirche zum Zweck dienlichsten für die hiesige katholische Gemeinde, und zum Ausbau in Vorschlag gebracht!-
Meines Wissens nach ist dieser Vorschlag aber unbeachtet geblieben, und wir, die Gemeinde, hatten zunächst mit der Gründung einer Pfarrstelle zu "schaffen"(?).-
Die dringende Nothwendigkeit eine größere Kirche zu besitzen, tritt aber immer mehr hervor, und ich halte es für die heiligste Pflicht das angefangene Werk nun auch möglichst zu vollenden, richte vertrauensvoll meine so dringende als ergebenste Bitte an die Behörde und Kommune

der hiesigen Der hiesigen katholischen Gemeinde in der Altstadt belegene Stadt.-
Johannis Kirche zum Ausbau und Gebrauch abzutreten.

Der so rege Sinn für Gutes und Frommes der hiesigen Mitbürger und die nicht zu verkennende Gnade Gottes, die uns Allen nur dann werden kann, wenn die Kirchen erhalten und besucht werden, bürgt dafür, daß wohl Ein Wohllöblicher Magistrat, als auch sämtliche Bürgerschaft gern in unseren Wunsch eingehen werden.
Es ist zwar ein Riesenwerk den Ausbau zu unternehmen, doch der Gott, dem es wohlgefällig, wird auch seinen Segen hinzu geben.
Dieser Ausbau der alten Johannis Kirche ist aber auch für sämtliche Bürgerschaft wünschenswert, nicht der Zierde der Stadt wegen, doch aber da sie im Fall der Noth während einer anderen Reparatur für beide Confession in Anspruch genommen werden kann.

Brandenburg, d. 27ten October 1844

Der Kaufmann

G. M.

 

 

 
 

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