Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik vor 1903 | 2. Der Bau der Dreifaltigkeitskirche |

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2.1. Bau Dreifaltigkeitskirche/St. Georg Rathenow 2.6. Unterstützungen und Förderungen des Kirchbaus 1850/51
2.2. Pelikanurkunde 2.7. Brief von Pfarrer Tieffe aus München
2.3. Auszüge aus der Chronik von St. Georg, Rathenow 2.8. Brief von Pfarrer Tieffe aus Prag
2.4. Hilferuf aus Brandenburg a. d. Havel 2.9. Bericht über den Kirchbauverlauf
2.5. Sammlungen für den Kirchbau 2.10. Bericht zum Kirchbauverlauf
 
2.10. Bericht zum Kirchbauverlauf

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Zum 25jährigen Jubiläum der hiesigen römischen katholischen Kirche zur allerheiligsten Dreifaltigkeit
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(Ein Beitrag zur Geschichte Brandenburgs.)

"Aller Anfang ist schwer!" schrieb Staatsrath Schmedding am 22. März 1817 dem hiesigen Kaufmann, Kirchenvorsteher Mauri, als dieser Befürwortung eines im Namen der röm. Kathol. Gemeinde Brandenburgs an den Minister des Inneren gerichteten Gesuches um Anstellung eines eigenen Geistlichen erbat, da die seit vielen Jahren auf Anordnung der königl. Regierung zu Potsdam, von dem Kaplan der dortigen Gemeinde jährlich 6 mal in der kleinen Domkirche (St. Peter) und in dem Landarmen-u. Invaliden-Hause (nachmaliger königl. Strafanstalt) celebrierten Missions-Gottesdienste, sich als völlig unzureichend erwiesen.
Staatsrath Schmedding hatte Recht.
Denn obgleich bereits unter `in 8.Octob. 1817 die Anstellung eines Curatus mit 400 Th. Gehalt und freier Wohnung in Aussicht gestellt, und am 15. Septemb. 1818 der Ex-Coventual des aufgehobenen Stiftes Neuzelle, P. Abundus Roeckert, zum Curatus ernannt worden, erging d.d. Potsdam 12. April 1823 der von Sr. Majestät dem Könige eigenhändig gefertigte kurze Bescheid, daß es bei der Seelsorge für die kathol. Glaubensgenossen in Brandenburg, so wie solche bis jetzt verwaltet sei, auch fernerhin verbleiben solle.
Der gute Mauri ließ aber nicht nach, und sein Eifer ward belohnt.
Nach faßt 30jährigem Ringen erfolgte endlich die Anstellung eines eigenen Geistlichen für die röm. Kathol. Gemeinde Brandenburg.
Der bisherige Schulpräfect Ignatz Tieffe in Frankenstein ward am 13. October 1844, dem 20. Sonntage nach Pfingsten /21. p. Trinit./ von dem Propste bei St. Hedwig, nachmaligen Münsterischen Weihbischofe Brinkmann, in sein Amt als erster stabiler Seelsorger der Gemeinde feierlich eingeführt.
Das Vorsteheramt sprach im Kreisblatt Nr. 84 vom 17. Octob. seinen Dank aus für die herzlich entgegenkommende Theilnahme, welche der Gemeinde am Tage der Einführung des neuen Seelsorgers zu Theil ward, namentlich dem

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vereinten Sänger- und Musikchors, sowie seinem Dirigenten, dem Musikdirektor Seyffert, für Leitung der ganz vortrefflich gelungenen Kirchenmusik.
Der Gottesdienst ward von nun an täglich in der kleinen Domkirche gehalten.
Da dieselbe aber bereits im Mai 1844 von dem königl. Bauinspector Heidfeld für baufällig, nur auf Grund eines Gutachtens des Zimmermeisters Bendel sen. und des Mauermeisters Lunitz sen., im November 1848 die Abhaltung des ferneren Gottesdienstes in dieser Kirche als lebensgefährlich bezeichnet worden, so lange nicht der Neigung des Turmes durch bauliche Anlagen vorgebeugt werde, ward die Kirche von Polizei wegen geschlossen.
Der Gottesdienst mußte daher in dem damaligen, kleine Münzenstraße Nr. /78 gelegenem Pfarrhause durch volle 3 Wochen abgehalten werden.
Inzwischen suchte Pfarrer Tieffe der Kirchennoth nach Möglichkeit abzuhelfen.
Ein an den Magistrat gerichtetes Bittgesuch, die St. Catharinen-Kirche zur Abhaltung des kathol. Gottesdienstes in den Frühstunden für einige Zeit gewähren zu wollen, wozu die an dieser Kirche angestellten Geistlichen gern ihre Zustimmung gaben, lehnte Magistrat zwar ab, bevor nicht feststehe, welche Kirche der Staat zu den Versammlungen der Preußischen-Nationalversammlung, die gemäß Allerhöchster Cabinets-Odre vom 8. Nov. 1848 hierher verlegt worden, beanspruche; er empfahl jedoch für die erste Zeit die St. Jacobs Kapelle am Steinthore, für später die St. Nicolai Kirche auf dem altstätischen Kirchhofe, da bei dieser eine großen Gemeinde nicht zu berufen, nur der Vorstand der "kathol. Dissidenten" gern bereit sei, die kathol. Gemeinde aufzunehmen.
Erstere aber war viel zu klein, kaum zu den Wochengottesdiensten den genügenden Raum bietend, - letztere zu abgelegen, und- was der Cardinalpunkt war, - eben wegen Benutzung derselben durch die Rougeaner p. m. für die röm. Kathol. Gemeinde absolut unbenutzbar. * (Seitliche) Anmerkung des Einsenders. Die Frage der Benutzung einer Kirche Seitens einer röm. kathol. Gemeinde, wenn kathol. Dissidenten in dieselbe eingezogen sind, wurde also damals schon wentiliert. Vom Standpunkt der gleichen Berechtigung der Culten und der religiösen Toleranz erklärte Magistrat die verneinende Beantwortung der Fragen nicht anerkennen zu können. Die röm. Kathol. Kirche hat das Verbot des Mitgebrauches der "kathol. Dissidenten" zur Benutzung eingeräumten Kirchen stets aufrecht erhalten. (cfr. Dr. Hirschel, Domherr u. Professor des Kirchenrechts in Mainz: Das kirchl. Verbot für die Katholiken bezüglich des Mitgebrauches der den sogenannten Altkatholiken zur Benutzung eingeräumten Kirchen.

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Pfarrer Tieffe erneute daher das bisher unbeantwortet gebliebene Gesuch des Propstes Brinkmann vom Jahre 1844 um Überlassung der seit dem Jahre 1806 wüst daliegenden St. Johanniskirche.
Allein diese als städtisches Eigenthum betrachtete Kirche war, was unbekannt geblieben war, von dem Magistrate der vereinigten Deutsch- und französisch reformierten Gemeinde überlassen worden.
Zwar wollte die St. Gotthardt Gemeinde das Eigenthumsrecht der Stadt nicht anerkennen, und nach Mittheilung des Ministers v. Ladenberg war sie selbst nicht abgeneigt, das Recht von ihrer Seite vorausgesetzt -, die St. Johannis Kirche der röm. Kathol. Gemeinde gegen ein dem Werthe derselben entsprechendes Kaufgeld zu überlassen.
Abgesehen jedoch von der Frage nach der Veräußerungsbefugnis, welche nöthigenfalls nur im Wege des Prozesses zu erledigen war, da das Presbyterium der reformierten Gemeinde unter keinen Umständen ihre Ansprüche auf die St. Johannis Kirche aufgeben zu wollen erklärte, wies Minister v. Ladenberg auf die jedenfalls nicht unbedeutenden Ankaufs=?kosten? auf die nach Aufschlag des Baumeisters Gussow auf 5500 Th. sich belaufenden Wiederherstellungskosten der St. Johannis Kirche hin, und empfahl auf den Neubau einer Kirche Bedacht zu nehmen.
In der That gab es keinen anderen Ausweg.-
Die National-Versammlung war inzwischen im Dome eröffnet worden; kathol. Abgeordnete , - Geistliche und Laien, hatten hier ihren Wohnsitz aufgeschlagen.
Da sie keine Kirche zur Verrichtung ihrer Andacht vorfanden, wandte sich im Namen von 150 Abgeordnetender Pfarrdechant Schulte aus Treckenhorst an den hier weilenden Cultus-Minister mit dem Ersuchen, für die kathol. Abgeordneten wie die Gemeinde selbst ein passendes Gotteshaus zu beschaffen.
Bereits vor Eingang dieser Vorstellung hatte aber der Minister den Direktor des städtischen Gymnasium veranlaßt, den im Gymnasialgebäude gelegenen Saal einstweilen und bis in kürzester Frist eine anderweite geeignetere Einrichtung getroffen, zur Benutzung zu stellen.
In diesem Saale ward denn auch am 1. u. 2. Advents-Sonntage 1848 der Gottesdienst gefeiert, von dem darauf folgenden Sonntage, den 17. Dec. ab, jedoch mit Ausschluß der Wochentage,

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an welchen auch fernerhin, bis zum Palmsonntage, den 1. April 1849 im Gymnasialsaale die Andachten stattfanden, - in der St. Gotthardt Kirche, welche zunächst auf ½ Jahr, dann bis zum 1. Jan. 1850 und endlich bis zur Übersiedlung in die eigene neue Kirche zum Mitgebrauch eingeräumt wurde.
Die Gemeinde blieb jedoch nur bis zum December 1850 in St. Gotthard; sie zog es vor, nach dem die reformierte Gemeinde nach der am 10. Nov. 1850 stattgehabten Einweihung der Johannis Kirche, die bisher von ihr mitbenutzte Pauli-Kirche verlassen, bei dem Magistrate dahin vorstellig zu werden, anstelle der reformierten Gemeinde nunmehr der katholischen Gemeinde bis zur völligen Fertigstellung ihrer neuen Dreifaltigkeitskirche den Mitgebrauch der St. Pauli Kirche zu gewähren, da dieselbe dem Pfarrer wie der Gemeinde näher gelegen, und die Gottesdienste auf zu einer beiden Seiten angenehmeren Zeit abgehalten werden könnten.
Dem Gesuche ward freundlichst entsprochen.
So fand dann vom Weihnachtsfeste 1850 bis zum 12. August 1851 der Gottesdienst für die kathol. Gemeinde in derselben statt. Nachdem noch in der Frühe dieses Tages ein Schußgottesdienst in St. Pauli stattgefunden, begann im Auftrage des Cardinals-Fürstbischofs von Breslau der füstbischöfliche Delegat und Domherr, Propst Pelldram aus Berlin, nachmalige Bischof von Trier, um 9 Uhr die Einweihung der neuen Kirche, darauf in feierlicher Procession, unter Gesang, Musik und Glockengeläut das Sanctihoimum? (sanctiarium) aus St. Pauli nach St. Trinitat. transferiert, und, nach der durch Propst Pelldram gehaltenen Predigt der erste Gottesdienst vom Pfarrer Tieffe unter Assistenz von 17 Geistlichen celebriert wurde. Die durch den Lehrer Kuhchel trefflich aufgeführte Schnabel`sche Messe trug nicht wenig zur Erhöhung der Feier bei. -
Ähnlich wie die Einweihungsfeierlichkeit der Kirche durch eine theophorische Procession verherrlicht wurde, war auch am Tage der feierlichen Grundsteinlegung der Kirche, 28. Oct. 1849, dem Tage der hl. Apostel Simon und Juda, nachdem der fürstbischöfliche Delegat, Freiherr von Kettler, jetziger Bischof von Mainz

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unter Assistenz des Abgeordneten zur 2. Kammer, Pfarrer Schaffraneck aus Beuthen in O. Schl., des Oberkaplans Heuser aus Magdeburg und des Pfarrer Tieffe ein feierliches Hochamt in St. Gotthard gehalten hatte, von dort aus die Gemeinde processionaliter zum Bauplatz gewallt.
Allda hielt Propst v. Kettler die Weiherede und nach dem Weiheakt predigte Pfarrer Schaffraneck vor den mit anwesenden Soldaten polnischer Zunge - über 300 - in polnischer Sprache.
Nach Einsicht der hier vom Kirchenvorstand vorgelegten Rechnung über den Neubau der Kirche, berichtete der kgl. Bauinspector Schneider der königl. Regierung in Potsdam auf deren Erforderung, daß der Bau für die Summe von 23,924Th. (incl. B. Kosten für das Grundstück und die nothwendige innere Einrichtung der Kirche) in tüchtiger, zweckmäßiger Art ausgeführt worden sei.
Leider war der bauliche Zustand laut Gutachten des kgl. Bauinspectors Gerster vom 5. Mai 1868 in Folge eines nachtheiligen Dachschubes nun derart bedenklicher geworden, daß um die Mauern wieder in ihre lothrechte Stellung zurückzubringen und sie zusammenzuhalten, Verankerungen angebracht, der Dachstuhl erneuert, und das Ziegeldach durch ein Schieferdach ersetzt werden mußte.
Die Kosten des Reparaturbaues beliefen sich auf 2600Th.
Groß ist das Verzeichnis der Wohlthäter; überaus reich sind die Gaben, die angefangen von den allerhöchsten u. höchsten Herrschaften bis herab zu dem "schlichten einfachen Mädchen aus Burgsteinfurt" zum Kirchenbau flossen.
Das Wohltäter-Album nennt unter anderem die Namen Sr. Majestät des hochseligen Königs Friedrich Wilhelm IV. v. Preußen, des Kaisers Franz Joseph v. Östreich, des Königs Maximilian II. Mit ganz bedeutenden Spenden in der langen Reihe der kirchl. Würdenträger stehen verzeichnet der Cardinal Fürstbischof v. Breslau Melchior, Freiherr von Diepenbrock, wie dessen Nachfolger auf dem fürstbischöfl. Stuhle, Fürstbischof ...rich.
Die von den Ministern der geistl. Angelenheiten u. des Inneren mittels R.scripter vom 29. Sept. 1849 bewilligte allgemeine kathol. Almosen u. Hauscollecte erfreute sich einer ganz außerordentlichen Berücksichtigung.
Auch die evangelischen Bewohner hiesiger Stadt betheiligten sich an der vom Magistrat bewilligten Hauscollecte in der erfreulichsten Weise.
Durch die von der Polizei-Obrigkeit auf der Burg Brandenburg abgehaltenen Collecte floß ein nettes Sümmchen der Baukasse zu.
Am nächsten Sonntag, den 13. August, dem 9. Sontg. p. Trinit. - feiert die Gemeinde das Silberne Jubiläum ihrer Kirche.
Aus dankerfülltem Herzen wird das Te Deum an hl. Stätte erschallen, inbrünstige Fürbitte emporsteigen zum Thron des Allerbarmers für alle diejenigen, die in christlicher Bruderliebe der Gemeinde in den Tagen der Noth und der Bedrängnis bei gestanden, und durch ihre Opfergaben den Bau der "Uni Trio - dem Einen und Dreieinen" geweihten Kirche ermöglicht haben.

 

 
 

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