Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik vor 1903 | 2. Der Bau der Dreifaltigkeitskirche |

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2.1. Bau Dreifaltigkeitskirche/St. Georg Rathenow 2.6. Unterstützungen und Förderungen des Kirchbaus 1850/51
2.2. Pelikanurkunde 2.7. Brief von Pfarrer Tieffe aus München
2.3. Auszüge aus der Chronik von St. Georg, Rathenow 2.8. Brief von Pfarrer Tieffe aus Prag
2.4. Hilferuf aus Brandenburg a. d. Havel 2.9. Bericht über den Kirchbauverlauf
2.5. Sammlungen für den Kirchbau 2.10. Bericht zum Kirchbauverlauf
 
2.1. Bau der Dreifaltigkeitskirche/St. Georg Rathenow

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I. Bau der Dreifaltigkeitskirche in Brandenburg und der St. Georgskirche in Rathenow

Die von der katholischen Gemeinde seit, oder selbst vor dem Jahre 1807 benutzte kleine Domkirche St. Peter deren weitere Mitbenutzung das Domkapitel wie früher so auch fernerhin unter besonders ausgesprochenen Bedingungen sub 3. September 1841 gestatten zu wollen erklärt hatte, ward im Herbst 1848 polizeilich geschlossen.
Da zu jener Zeit die Abgeordneten des Landes in Brandenburg zusammentraten, und viele katholische Geistliche unter ihnen waren, die ihren priesterlichen Pflichten nachkommen wollten und unter den obwaltenden Umständen nicht konnten, veranlaßte Minister von Ladenberg, daß zunächst die Aula des städtischen Gymnasiums, und weil hieraus Unzuträglichkeiten entstanden, die St. Gotthard-Kirche in der Altstadt zur Mitbenutzung eingeräumt wurde.
An Stelle der letzteren trat später die St. Pauli-Kirche in der Neustadt.
Die katholische Pfarrkirche ist erbaut in den Jahren 1849-51.
Als erster Baufond gingen ein im Januar 1849 7 Taler; er erhöhte sich zum Schlusse des Jahres auf

5452 Taler, 25 Sgr. 10, Pf.
Im Jahre 1850 gingen ein 8358 " 25 " 11,  "
" 1851 " 3995 " 27 " 8, "
" 1852 " 1964 " 12 " 2, "
" 1853 " 1010 " 7 " 10, "
" 1854 " 505 " 27 " 4 "
" 1855 " 1910 " 25 " 8 "
__________________________________________________________
Sa: 23199 Tl. 2 Sgr. 5 Pf. Oder
69597.25 M

 

Die feierliche Grundsteinlegung fand am 28 Oktober 1849 durch Propst von Ketteler statt.
Nachdem früh 7 Uhr in St. Gotthard ein feierliches

 

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Hochamt durch Herrn von Ketteler unter Assistenz des Pfarrers Schaffraneck, und des Pfarrers Tieffe, sowie des Kaplans Heuser von Magdeburg gefeiert wurden, ging es "processionaliter et cantando cum vexillis et cruce" durch die Altstadt in die Neustadt zum Bauplatze.
Propst von Ketteler predigte deutsch, Pfarrer Schaffraneck in polnischer Sprache.
Die Glockenweihe geschah durch Propst Pelldram unter Tieffe`s Assistenz am 11. April 1851, die Einweihung der Kirche fer.III post Domin.IX post Pentec.- Stae Clarae Virg.- 12 August 1851 ebenfalls durch Propst Pelldram unter Assistenz von 18 Geistlichen.

Brandenburger Anzeiger : 8. Mai 1850.

Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß wir der röm. Katholischen Kirchengemeinde behufs der Unterstützung zu ihrem Kirchenbau eine Hauskollekte gestattet haben.
Die Herren Bezirksvorsteher werden sich der Kollekte unterziehen, und ersuchen wir unsere resp. Mitbürger, das würdige Unternehmen durch recht zahlreiche Beiträge kräftigst zu unterstützen.
Brandenburg, 30. April 1850 Magistrat.
In der Gotthardkirche katholischer Gottesdienst früh 7 Uhr, nachmittag 3 ½ Uhr.

In der Nummer vom 25. Dezember 1850:
Seit dem 17. Dezember 1845 durfte die hiesige katholische Gemeinde die St. Gotthard-Kirche zu ihrem öffentlichen gemeinsamen Gottesdienste mitbenutzen und würde solches zweifelsohne noch bis zum Ausbau ihrer eigenen Dreifaltigkeitskirche haben tun dürfen, wenn nicht der aus naheliegenden Gründen dringlich nachgesuchte und eben wohlwollend gewährte Mitgebrauch der St. Paulikirche davon abzusehen gestattete.
Den tiefgefühlten Dank drängt es nun uns hiermit öffentlich einem hohen Patrone, einem hochw. Kirchenvorstande wie der sämtlichenhochverehrlichen Schwestergemeinde von St. Gotthard auszusprechen; in dankbarem Andenken bewahren wir getreulich, was die Bruderliebe

 

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uns getan. Heißen Dank auch der hochverehrlichen St. Pauli-Gemeinde mit ihrem resp. Patronats- und Vorstandsbehörden für die liebfreundliche Teilnahme, mit der sie uns ihr Gotteshaus bis zu unserer Übersiedlung in die eigene Kirche verstattet.
Brandenburg, den 22. Dezember 1850

Der katholische Kirchenvorstand
Tieffe, Pfarrer, Riedel. A. Schrepffer. Potthoff

Der katholische Gottesdienst in der St. Pauli-Kirche:
In der Christnacht um 12 Uhr die Christ- und Hirtenmesse, am Christtag vormittags 9 Uhr: Der Hochgottesdienst; nachmittag Vesperandacht.
Am Stephanstage: vormittags 9 Uhr, nachmittag 3 Uhr

Brandenburger Anzeiger : 25. Mai 1850.

Heiße Bitte. Unter dem lebhaftesten Danke gegen einen wohllöblichen Magistrat für die am 30.v.M. hochgeneigt verstattete Hauskollekte behufs Unterstützung zum Bau unserer Dreifaltigkeitskirche wagen wir mit freudiger Zuversicht noch die ergebenste und heißinnige Bitte an all resp. Bewohner Brandenburgs, die katholische Gemeinde bei diesem ihrem notgedrungenem Unternehmen freundlichst in reicher Liebe bedanken zu wollen.
Sicher unterziehen sich die geehrten Bezirksvorsteher Haus für Haus in unermüdlicher Gütigkeit der Entgegennahme auch der geringsten Liebesgabe zu gutem Werke.
Gott und die Bruderliebe sind bei unserem nur allzu beschränkten eigenen Mitteln unsere Hoffnung; milde Gaben lediglich machten den Angriff dieses kirchlichen Neubaus hier möglich, und können sie ihn auch nur zur Vollendung bringen.
Aus Staatsfonds kommt keine Beihilfe und um Patronatsbeiträge wissen wir auch nichts.
Unermüdlich im Hoffen - hoffen wir.
Brandenburg, den 9. Mai 1850

Der katholische Vorstand

Tieffe. Riedel. Schrepffer. Potthoff

 

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Hier gepredigt hat Kaplan Knoblich, Potsdam (Sept. 1850), Professor Dr. Holzherr (August 1850), Pastor emerit. Nolte aus Halberstadt.

Anzeiger vom 26. Juni 1850.
Öffentlicher Dank. Die der hiesigen katholischen Gemeinde zu Gunsten ihres Kirchenbaues von einem wöhllöblichen Magistrat fürsorglich gewährte und durch die Bezirksvorsteher mit Liebe abgehaltenen Hauskollekte hat die Höhe von 241 T. 17 Sgr. 2 Pf. erreicht. Diese Summe ist freundlichst entgegengenommen. Gott lohne es!
Aus dem Herzen der sehr hilfsbedürftigen Gemeinde heißen Dank den Gebern und Sammlern!
Das ist doch etwas zu dem Vielen, was noch fehlt!
Manches Scherflein muß freilich noch kommen bis zur Vollendung, da lediglich durch milde Gaben der Gottesbau zu vollführen ist. Und ob nicht auch hierorts der Bruderliebe dann und wann ein Almosennoch zu diesem Werke zu erübrigen wissen und vermögen wird?
Die verehrlichen Redaktionen des hiesigen Kreisblattes und Anzeigers sind mit uns sicher jederzeit zu freundlicher Annahme bereit.
Unserem vollherzigen Danke für die Sammlung in der Stadt fügen wir den für die bereitwilligst auch auf dem Dome geschehene mit dem Ertrage von 10 T.5 bei.
Brandenburg, 24. Juni 1850
Der katholische Kirchenvorstand

Tieffe. G.Riedel, A. Schrepffer, Potthoff.

1849. Der weihnächtliche katholische Gottesdienst in St. Gotthard: In der Christnacht um 11 Uhr Gesang und Predigt.
Zur Mitternachtsstunde die feierliche Christmesse, am Christtage früh 7 ½ Uhr die Hirtenmesse, um 11 Uhr das Hochamt. Nachmittags 4 Uhr Vesperandacht mit Predigt.-
Am zweiten Feiertage früh 7 Uhr und nachmittags 4 Uhr. - Sylvesterabend 5 Uhr Jahresschlußandacht mit Predigt.
Am Neujahrstage 1850 vormittags 11 Uhr, nachmittags 4 Uhr.

 

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Brandenburger Anzeiger, 1. August 1849.

Öffentliche Stadtverordnetenversammlung am 2. August. Beschlußnahme über
a. Die zwischen dem Magistrat und dem Presbyterio der reformierten Gemeinde wegen der Johanniskirche aufgenommenen Verhandlung.
b. Gutachten des Magistrats über den von der katholischen Gemeinde beanspruchten Bauplatz zur Erbauung einer Kirche.

Brandenburger Anzeiger, 4. Juli 1849.

Stadtverordnetenversammlung am 5. Juli: Beschlußnahme über den von der röm. katholischen Gemeinde wegen Überlassung des ehemaligen Krankenhauses nebst Garten, um daselbst eine Kirche zu bauen.

Brandenburger Anzeiger, 10. November 1848.

Der hiesigen römisch-katholischen Gemeinde wird hiermit angezeigt, daß schon am nächsten Sonntage, dem 22. nach Pfingsten, von Polizeiwegen nicht mehr in der St. Petri-Kirche auf dem Dome wegen ihrer lebensgefährlichen Baufälligkeit der seit 30 Jahren darin gehaltene katholische Gottesdienst gehalten werden darf.
Über den künftigen Versammlungsort zu unserem gemeinsamen Gottesdienste läßt sich zur Stunde noch nichts Näheres angeben.
Brandenburg, 10. November 1848
Der Kirchenvorstand

Tieffe. Riedel, Schrepffer, Potthoff.

Im Anzeiger vom 15. November 1848 Königliche Proklamation, gemäß welcher die zur Vereinbarung der Staatsverfassung berufene Nationalversammlung nach Brandenburg verlegt wird. 402 Deputierte müssen hier Unterkommen finden.

Sonnabend, 18. November 1848.
Kirchliche Anzeige.
Die zu anderweitigen vaterländischen Zwecken allerhöchten Orts einstweilen angeordnete Verwendung der Domkirche führt die Notwendigkeit mit sich, die christliche Bruderliebe der St. Katharinen-Kirche zur Mitbenutzung ihres schönen Gotteshauses in Anspruch zu nehmen.

 

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Es wird nach Genehmigung eines wohllöblichen Patronats, eines hochw. Ministerii und Kirchenvorstandes der Gottesdienst der Domgemeinde schon vom nächsten Sonntag ab einstweilen in die St. Katharinenkirche verlegt und mit den Gottesdienst der St. Katharinen-Gemeinde zusammen abgehalten werden. Alles Weitere bleibt näherer Anzeige vorbehalten.
Der Kirchenvorstand der Dom-Gemeinde.

Schroeder. Hintze. Fröhlings.

Zur Nachricht. Der hiesigen röm-katholischen Gemeinde müssen wir anzeigen, daß, nachdem die St. Petri-Kirche von Polizeiwegen unverzüglich von uns verlassen werden mußte, uns auf unsere sofortigen Bemühungen um ein geeignetes kirchliches Lokal in der Stadt zu unserem ferneren öffentlichen gemeinsamen Gottesdienst bis zur Stunde noch kein günstiges Resultat kund geworden ist, und ist zu befürchten, daß wir unseren Gottesdienst am nächsten Sonntage, gleichwie am vorigen geschehen, abermals zu unterbrechen und auf privaten Hausgottesdienst zu beschränken gezwungen sein werden.
Brandenburg, 17. November 1848
Der Kirchenvorstand
Tieffe. Riedel, Schrepffer, Potthoff.

25. November 1848.
Zur Nachricht. Der hiesigen röm-katholischen Gemeinde müssen wir auch heute anzeigen, daß unsere Bemühungen um ein kirchliches Lokal zu unserem öffentlichen gemeinsamen Gottesdienst in der Stadt bis zur Stunde zu keinem günstigen Erfolge geführt haben, und müssen wir uns leider auf bloß Privat-Hausgottesdienst auch am nächsten Sonntage, dem letzten nach Pfingsten beschränken!
Wie lange solche Unterbrechung noch nötig sein wird, ob auch angesichts der Nationalversammlung, welche 16 Millionen Preußen, und unter diesen fast die Hälfte als Katholiken zu vertreten hat, müssen wir abwarten!
Wäre es aber wirklich möglich, daß solches zu Brandenburg

 

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im Willen der betreffenden städtischen evangelischen Gemeinden liege?!
Brandenburg, 24. November 1848
Der Kirchenvorstand
Tieffe. Riedel, Schrepffer, Potthoff.


29. November 1848.
Infolge des Antrages des Vorstandes der hiesigen röm-katholischen Kirchengemeinde, der letzteren den Mitgebrauch der St. Gotthard-Kirche zu gottesdienstlichen Zwecken zu gestatten, haben wir zur Erklärung der St. Gotthard-Kirchengemeinde über diesen Antrag und eventualiter zur Beschlußnahme darüber, unter welcher Modifikation diese Benutzung erfolgen kann, einen Termin auf Donnerstag, den 30. November nachmittag 4 Uhr im Rathause im Sessionszimmer vor dem Stadtrat Gossow anberaumt, zu welchen wir sämtliche Mitglieder der St. Gotthard-Gemeinde hierdurch mit dem Bemerken einladen, daß von den Ausbleibenden angenommen wird, sie treten den Beschlüssen der Erscheinenden überall bei.
Brandenburg, 25. November 1848.
Magistrat.


29. November 1848.
Notgedrungene Abwehr.
Es wäre überaus traurig, wenn in dieser unser allzu bewegten Zeit in unserer Stadt zum erstenmale auch konfessionelle Aufregung hervorgerufen würde.
Wäre doch der römisch-katholische Kirchenvorstand sich dessen recht bewußt geworden, bevor er die Anzeige an die Gemeinde im vorigen Stücke des Anzeigers veröffentlichte und mit Frage- und Ausrufezeichen schloß!-
Zu unserer Rechtfertigung müssen wir erklären, daß wir gleich nach unternommener Bitte des katholischen Vorstandes uns gegen das wohllöbliche Patronat schriftlich, und unser Präses gegen den Herrn Kaplan Tieffe mündlich dahin geäußert haben: " Es verstehe sich von selbst, daß die obdachlose Gemeinde in eine evangelische Kirche aufgenommen

 

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werde, und für den nächsten Sonntag ( um nicht jene Gemeinde auch nicht einmal ihres Gottesdienstes entbehren zu sehen) wären wir bereit, sie auf unsere Verantwortung aufzunehmen! Wir würden das bei unserer Gemeinde vertreten können; dann aber wünschen wir, daß auch die Gemeinde gehört würde.-
Da wurde auch die Domgemeinde obdachlos, die unmittelbar an die unsere grenzt, von der St. Gotthardkirche aber durch den Grillendamm getrennt ist, während die katholische in allen Teilen der Stadt zerstreut wohnt.
Wenn nur, nachdem wir die Domgemeinde aufgenommen hatten, der katholische Vorstand gleichwohl und bis jetzt noch immerfort, während ihm einstweilen die Kirche der Strafanstalt, während ihm für die fernere Zeit vom Patronate die St. Gotthard-Kirche angeboten war, darauf beharrt, in der St. Katharinenkirche noch mit aufgenommen zu werden, und indirekt noch selbst mit einer Beschwerde bei der hohen Nationalversammlung droht, so ist zur Aufklärung für unsere katholischen und evangelischen Brüder eine kurze Darlegung der Gründe nötig, die die Mitbenutzung unserer Kirche durch die katholische Gemeinde unter allen Umständen unangemessen erscheine lassen.
An und für sich ist wahrscheinlich die kleine Domkirche durch Abbruch oder Reparatur des baufälligen Turmes noch ferner für die katholische Gemeinde zu erhalten.
Doch davon sehen wir jetzt ab, wie auch von der offenbaren Unbilligkeit, daß die jüngst erst mit großen Kosten innerlich hergestellte St. Katharinenkirche durch die Benutzung von drei Gemeinden deren eine, die katholische, sie täglich bei Beleuchtung benutzen müßte, nicht wenig leiden würde.
Aber unsere Gemeinde ist die zahlreichste der Stadt; es sind also auch Amtshandlungen in unserer Kirche schon immer die meisten.
Jetzt kommen noch die der Domgemeinde hinzu, und außerdem wird nur die Katharinenkirche zur Aufführung aller Kirchenmusiken

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gebraucht. Wir müssen daher der katholischen Gemeinde überlassen, entweder von der ihr durch den Patron angebotenen St. Gotthard- oder Nikolai-Kirche Gebrauch zu machen, und protestieren feierlichst gegen jede Unterschiebung einer intoleranten Gesinnung.
Brandenburg, 28. November 1848.
Bauer, Hartzer. Koenig. Frensche. Grell.

Paulus oder das Schwert des Glaubens.
Monatsschrift zur Wahrung der katholischen Interessen in den Wirren der Zeit.- Berlin 1845.Phil. Sternauer

Brandenburg, 5. Juni. Auch hier hat es von gewisser Seite nicht an Anregung zur Bildung einer sogenannten deutsch-katholischen Kirche - jetzt Verein katholischer Dissidenten, amtlich genannt - gefehlt; es ist aber nicht zustande gekommen.
Die katholische Gemeinde 300 - 400 Seelen stark hat erst im vorigen Jahr einen Pfarrer bekommen, dem sie in aller Wärme anhängt. Hirt und Herde stehen fest.
Übrigens soll auch nicht verschwiegen werden, daß die hiesigen Evangelischen, die seit Jahren ihre Kirche den Katholiken zum Mitgebrauche überlassen haben, in ganzen genommen der epidemischen Manie, den Beweis zu liefern, daß der Zweck die Mittel heilige, nicht befallen sind.-
Brandenburg hat etwa 60 katholische Schulkinder. Es wäre zu wünschen, daß dem für seine Gemeinde begeisterten jungen Pfarrer gelänge Mittel und Wege für eine katholische Schule zu finden.
3. August 45.- Am 27. Juli spendete der Fürstbischhöfliche Delegat Propst Brinkmann aus Berlin der hiesigen katholischen Gemeinde das Sakrament der Firmung in der evangelischen Peterskirche, die den Katholiken zum Gottesdienst überlassen ist. Die katholische Gemeinde hat Hoffnung, die bis jetzt nicht gebrauchte Franziskanerklosterkirche St. Johannes eingeräumt zu erhalten.

 

 

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Brandenburg, 9. September 1845. Auch hier ist es dem unermüdlichen Treiben derjenigen, die in der Losreißung vom Papste Deutschland goldenen Boden versprechen, gelungen, einige Katholiken wankend zu machen.
Man sagt, ihre Seelenzahl belaufe sich auf 16.
Auch diese Verirrten werden zurückkehren. Vorläufig aber müssen wir geschehen lassen, was nicht zu ändern ist.

Brandenburger Anzeiger vom 19. Oktober 1850.

Die neue Kirche.
- Dem Verdienste seine Krone gilt zu jeder Zeit und Stunde;
Kann der Sänger auch nicht lohnen,
gibt er doch davon die Kunde.
Ob wir Luthers Glaubenslehren huldigen, den Papst verehren,
Ob wir freier sind im Glauben - niemand kann die Krone rauben.

Siehst du dort den kleinen Tempel? Wie im Sturme aufgerichtet?
Es ist des Geistes Meistertempel,
der uns herrliches berichtet!-
Siehst du außen die Kapelle?
Niedlich scheint sie, klein, doch helle;
Und du find´st drin einen Dom, ein Gewölb`, hoch wie in Rom.

Bis ins Dach hinein verzweiget ist dort des Gewölbes Rund.
Niemand hat das noch erreichet;
jetzt drei Männern fest im Bund
Ist der Kunstsieg hier gelungen;
außen klein und innen mächtig
War die Aufgab`, `s ist gelungen,
und der Bau steht stolz und prächtig.
Darum wollt nicht mehr begehren, die ihr diesen Bau geleitet;

 

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Kann er uns doch etwas lehren:
Daß der feste Will` bereitet das Erhab´ne und das Schöne!
Klingen hier erst Orgelklänge
Und der Gläubigen Gesänge in der andachtsvollen Menge,
Dann nennt Weiß, Helmsdorf und Bendel,
die den Tempel euch gegeben,
Und die schlimmen Glaubenshändel
werden in ein Nichts entschweben
Dann für den gegeb`nen Segen kann der Sänger freudig legen
Für das Meisterwerk zum Lohne auf das Haupt die Lorbeerkrone.

Julius Bernhard, Improvisator

Nebenbefindliche Urkunde wurde bei der Renovation der Kirche im Sommer 1913 in dem aus Holz geschnitzten Pelikan gefunden, der unter der Orgelempore befestigt ist.
Sie gibt einen tiefen Einblick in das innige Zusammenleben der Gemeindemitglieder mit dem Pfarrer.

 

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[Seite 18 ist unbeschrieben, Leerblatt]

 

Anmerkung:
In der Festschrift "125 Jahre Dreifaltigkeitskirche in Brandenburg" (Seite 23, Bild 9a) vermerkt dazu Pfarrer Harry Semrau:
"Eine mit dreifachem Kirchensiegel beglaubigte Urkunde von 1858, die 1913 in dem geschnitzten Pelikan der Orgelempore gefunden wurde, berichtet treuherzig vom gemeinsamen Bemühungen um die Verschönerung des Gotteshauses .... "
Siehe dazu: Pelikanurkunde 1858

Ferner: Kirchbau St. Georg, Rathenow,

 

 

 

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von 1942

 
 

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