Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik vor 1903 | 2. Der Bau der Dreifaltigkeitskirche |

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2.1. Bau Dreifaltigkeitskirche/St. Georg Rathenow 2.6. Unterstützungen und Förderungen des Kirchbaus 1850/51
2.2. Pelikanurkunde 2.7. Brief von Pfarrer Tieffe aus München
2.3. Auszüge aus der Chronik von St. Georg, Rathenow 2.8. Brief von Pfarrer Tieffe aus Prag
2.4. Hilferuf aus Brandenburg a. d. Havel 2.9. Bericht über den Kirchbauverlauf
2.5. Sammlungen für den Kirchbau 2.10. Bericht zum Kirchbauverlauf
 
2.4. Hilferuf aus Brandenburg a. d. Havel

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Hilferuf aus Brandenburg a. d. Havel:
Die Stimme des Rufenden in der Wüste

Das verhängnisvolle Jahr 1848 warf der hiesigen katholischen Gemeinde eine große Aufgabe zu.
Ein Aufgabe so reich und schön nach Inhalt, als schwer, sobald sichs um vollständige Lösung handelt.
Ein eigenes Gotteshaus fehlt uns, seinen Besitz zu erringen, sind wir gezwungen!
Seit mehr als 30 Jahren durfte die Gemeinde fast unbeschränkt das kleine, angeblich über 1000 Jahre zählende St. Petri-Kirchlein neben der schönen St. Peter und Pauls-Kirche, die früherhin über 600 Jahre eines katholischen Bischofs Kathedrale war, auf der Dominsel benutzen.
Seit dem 8. Nov. v. J. ist sie polizeilich ausgewiesen, weil das längsther hinfällige Kirchengebäude jähen Einsturz, somit Lebensgefahr seinen Besuchern droht.
Wohl auf immer ist St. Peter für uns geschlossen, indem seine gründliche Restaurierung gemäß sachverständiger Äußerung hierüber einen bedeutenden Kostenaufwand erfordert, und doch auf die Dauer, sofern man unsere Gemeindebedürfnisse gerade im Auge hat, aus mancherlei gewichtigen Gründen ganz unzweckmäßig erscheint.
Kirchenflüchtig somit urplötzlich geworden - obdachlos mehrere Wochen geblieben, in dieser kläglichen Lage noch am 27. Nov. bei der von Berlin hierher verlegten preuß. Nationalversammlung von den katholischen Deputierten gefunden, durch deren sofortige Verwendung beim Staatsministerium auf kurze Frist in den Gymnasialsaal gewiesen, wurde die Gemeinde städtischerseits im Dez. von der evang. Bruderliebe in die altstätische St. Gotthardskirche gastlich aufgenommen, und hält darin, in bisher unbesetzten Stunden, ihren öffentlichen Gottesdienst.
Wohin aber mit uns hinterm Mai dieses Jahres? Denn nur auf ein halbes Jahr ist uns der Mitgebrauch zugesagt!
Wir sehen uns demzufolge dahin gedrängt den Erwerb einer eigenen Kirche anzustreben. Und endlich hier in der alten Kur- und Hauptstadt eine eigene

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Kirche (anzustreben) zu erlangen, eine allseitig entsprechende Wohnung für den Herrn und sein Heiligthum - mit eigenem Altar, eigener Kanzel, eigenem Glöcklein - eine Stätte zur thunlichen Entfaltung des katholischen Cultus, einen Tempel mit unverkümmerten Eigenthums, und Verfügungsrechte zu erlangen, um nicht länger hierorts wie ein Fremdling erscheinen zu müssen, wie es der Katholik an der Havel mit dem Jahre 1540 geworden (nach wohl 40jährigem Ringen mit dem Staate von hier aus durfte erst wieder ein stabiler Seelenhirt zur hiesigen, allgemach allerortsher zusammengesiedelten bis 800 Seelen gestiegenen kath. Gemeinde wandern; im Herbst 1844 kam er, fand eine vielfach verkümmerte und auf etwa 400 Seelen zusammengeschmolzene Gemeinde!) - wie schönes Ziel! Solch Ziel zu erreichen, wie schöne Aufgabe - Schwer wird die Lösung, denn was gilt es?
Alles sorgfältig erwogen, gilt es entweder den Erwerb und die Herstellung der zwischen Alt- u. Neustadt gelegenen St. Johannis-Klosterkirche, oder einen Neubau, und somit 4 - 700 Th. od. 10 - 15 000 Thl.
Ebengenannte Kirche ist seit dem Besuche der Franzosen im Jahre 1806 dem Cultus entzogen - zu einem Depot für allerlei benutzt, wüst geworden und geht dem Verfalle sichtlich entgegen.
Die katholische Gemeinde hat schon mehrmals bei der Stadt um Überweisung angetragen. Bisher umsonst!
Die kleine reformierte Gemeinde, über 40 Jahre inder St. Pauli-Kirche mit deren Parochialgemeinde zusammen untergebracht, scheint uns der Vorrang ablaufen zu können.
Sie will eine eigene Kirche und spricht von besonderen Ansprüchen an St. Johannis.
Um indest womöglich diese Kirche noch für uns zu erlangen, Ist die Intervention des Königs und seiner Regierung unterm 24. Nov. angerufen worden. Es schweben noch die Unterhandlungen, vom Cultusministerium durch das Oberpräsidium in die Regierung gepflogen, und wie es scheint, ist man höheren Ortes guten Willens für uns.
Sollten dieselben, wie sehr zu fürchten steht, nicht das gewünschte Resultat, die Öffnung der Pforten des St. Johannes für unsre Geminde herbeiführen, so kann alsdann, da die Überweisung eines der übrigen Kirchengebäude in der Stadt für jetzt undenkbar, auch ein Simultanum auf angemessene Dauer mit den evang. Gemeinden von 6, 8, 9 tausend Seelen in der St. Gotthardts- St. Katharinen- u. St. Pauli-Kirche, oder auch mit der schwächeren Gemeinde in der Domkirche, beiderseitig nicht annehmlich u. nicht ausführbar ist, nichts erübrigen, als ein Neubau!
Ein Neubau - etwa nach dem Muster der neuen katholischen Kirche zu Spandau.-
Es erstehe hier eine Dreieinigkeits-Kirche!! O wie heiß brennt unser Verlangen danach!

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Wie ein solches Werk hier und zwar in diesen unseren Tagen ausführen?! Bei der Gemeinde - ist alle Mittelosigkeit!
Kanns dennoch gelingen?
Wir hoffen, es wird gelingen.
Der lebendige große, dreieinige Gott und Herr und Vater, mit dem wir uns kindlicher Weise berathen, flößt uns solch Hoffen und Vertrauen bis zur Zuversicht ein.
Er ist der Bauherr und wird auch der Baumeister sein. Rath und Hilfe wird durch ihn kommen!
Sehet was zur Stunde wir für ein Baukapital haben. Vor uns liegen sieben Thaler!
Freilich erst sehr wenig zu dem, was sein soll. Der Himmel aber wird schon helfen.
Der Herr aller Dinge ist nicht verlegen mit unserem Kirchenbau zu seiner Ehre. Zu rechter Zeit öffnet er die Quellen u. sie werden fließen. Das glauben wir, wenn wir es auch noch nicht sehen.
Wir halten Umschau, an dies und jenes denken wir, und es regt sich Hoffnung in uns. Es drängt uns, fleißig zu rufen, - zu suchen und bittend anzuklopfen.
So bitten und hoffen wir , Staatsvermittlung werde uns noch Etwas zuwenden wollen und können. Und dann nach allen Seiten hin suchen wir, u. rufen auf all - alle frommen Seelen u. mildtätige Hände.
Liebe Glaubensgenossen überall!
Wir hoffen von Eurer Liebe. Wir hoffen von den geistlichen Hirten u. ihren Schäflein, die es wissen, wie reich der Segen des Christenthums eben durch die Vermittlung eines Gotteshauses für eine Gemeinde sich ergießet, u. wie solches gerade hier für uns, die wir in der Zerstreuung und in der Wüste leben, der Fall sein müsse.
Wir hoffen namentlich von den ehemaligen kathol. Deputierten, die hier kundig geworden unseres Nothstandes, sofort zu seiner Heilung ans Staatsministerium sich wendeten; wir hoffen sie allesamt werden in ihren heimatlichen Kreisen von uns, die wir von ihrer Liebe u. Teilnahme Mancherlei in innerer Kräftigung u, äußerer Hebung gewärtigen, so schnell zurückgelangt, unserer eingedenk u. zur Vollendung des durch sie hier angefangenen Werkes, wie thunlich, für uns noch wirksam sein wollen.
Wir hoffen recht viel von den vielen katholischen Vereinen unserer Tage, den Pius - Borromäus - Missions - u. all den anderen Vereinen auf kirchlichem Boden.
Sollten wir nicht auch hoffen dürfen, es werden die hochverehrlichen Redaktionen katholischer Blätter sich unserer annehmen - unseren Hilferuf verbreiten, u. wie immer möglich, unseren Kirchbau ins Werk führen helfen?
So steht unsere Hoffnung, u. von ihr erfüllt, blicken wir nach oben - schauen ringsumher u. rufen um Hilfe. Ach! Sehet und höret auf die hiesige katholische Gemeinde, merket auf das, was ihr noth thut, was sie aber, leider nur allzu mittellos, aus eigenen Kräften nicht herbeizuschaffen vermag!
Herz und Hand zum Dreieinigen erhoben, u. seiner Liebe, Macht u. Weisheit das Werk zu Beginn aus Ausführung kindlichst anbefehlend , innigst auch flehend, daß er die Herzen der Brüder hierher zum schönen u. heiligen Werke lenke, erhebt sie auch Herz u. Hand zu den Brüdern u. Schwestern nah u. fern mit heißem Flehen um Liebe u. dem gebet um Almosen.
Sieben Thaler als erster Baufonds - wie stark muß er sich mehren, daß St. Johannis - oder eine Dreifaltigkeitskirche uns aufnehmen kann!
Kaum 2 - 300 Th. noch vermag die arme Gemeinde bei alleräußerster Anstrengung in Aussicht zu stellen!
Was ist das unter die benöthigten Tausende!
Die bisherigen kirchlichen u. Schulbedürfnisse ( die Errichtung der eigenen Schule war, u. ihre Forterhaltung bleibt eine sehr schwere Gemeindeangelegenheit) nehmen zu viel in Anspruch, da Stadt u. Staat keine Beihilfe gewährt.

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So rufen wir voll Vertrauen zu Gott und seinen Kindern unseren Brüdern, u. bitten, kommt beteiligt Euch an unserem Kirchbau!
Glaube und Liebe dränge hierher!
Langet alle allwärts her hier zu!
Zum Frühjahr gehe es an St. Johannis - oder an eine Dreifaltigkeitskirche!
Unsere rufend Stimme verhalle nicht ungehört, noch unbeachtet in der Wüste!
Unvergänglicher Dank bleibt hier in der Gemeinde. Freudige Feier soll künden von Jahr zu Jahr, was Gott und seine Kinder an uns gethan. Unsere Seele darf bald frohlocken im Andenken an das was (------gestrichener Text-----) für uns zubereitet wird; wir werden nicht zu Schanden werden!
In Gottes Namen mag nun veröffentlicht werden überall die Sammlung, daß unser - wohl würdiger - Baufonds aufgebracht werde!
Wer bald gibt, gibt doppelt!
Um Wege, auf denen der Liebe Almosen der hiesigen katholischen Gemeinde zu ihrem (Gemeinde) Kirchbau zukommen, kann nicht füglich Verlegenheit sein. Die resp. Redaktionen der Kirchenblätter u. die geistlichen Führer u. Jeder, der guten Willens ist, übernimmt gern etwaige Müh beim Sammeln u. Beförderungsgeschäft.
Genaue Rechenschaft u. weiterer Bericht über den Stand unserer Kirchenangelegenheit soll von Zeit zu Zeit öffentlich gegeben werden.
Alles zu Lieb u. Ehr der allerheiligsten Dreifaltigkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit!
Mit Gott u. für Gott im Namen Jesu! Amen.

Brandenburg a./H. den 6. Jan. 1849
Der Kirchen- u. Schulvorstand der kath. Gemeinde und deren Comite für den Kirchenbau.

Tieffe. Riedel. Schrepffer. Potthoff. Mauri. L. Grube,Messner, Umlauf. Scheffer. Christen. Postmeier. Kerney, Menzel. König.

Eine hochwürdige Redaktion unseres lieben schles. Kirchenblattes wolle noch nicht ermüden mit der kathol. Gemeinde hier im Havellande.
So reich, eifrig, erfinderisch u. unerschöpflich ist die Liebe unserer Glaubensgenossen in Schlesien. Wie viele erfuhren diese! Laut und freudig zeuget auch Brandenburg davon.
Da nun Gott durch unsere Ausweisung aus St. Peter unsere Lage so gewendet, daß wir Erwerb eines eigenen Gotteshauses anstrengen müssen, u. demzufolge unter allen Umständen einen nicht unbedeutenden Baufonds nöthig haben, so wenden wir uns in unserer Bedrängnis u. Armuth an unsere Glaubensgenossen nah u. fern.
Mit besonderem Vertrauen rufen wir unsere lieben Mitdiözesanen um Hilfe an.
Hören Sie uns und eilen Sie uns zu helfen!
Wir rufen aus der Tiefe - in der Wüste!
Eine hochverehrliche Redaktion unterstütze u. fördere unsere Kirchenbausache, wie immer möglich erscheint.
Ansammlung und Beförderung wird sie sicher gern übernomen.
Gott befohlen!
Mit Gott und für Gott. Im Namen Jesu! Amen!

 

 

 
 

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