Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik vor 1903 | 2. Der Bau der Dreifaltigkeitskirche |

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2.1. Bau Dreifaltigkeitskirche/St. Georg Rathenow 2.6. Unterstützungen und Förderungen des Kirchbaus 1850/51
2.2. Pelikanurkunde 2.7. Brief von Pfarrer Tieffe aus München
2.3. Auszüge aus der Chronik von St. Georg, Rathenow 2.8. Brief von Pfarrer Tieffe aus Prag
2.4. Hilferuf aus Brandenburg a. d. Havel 2.9. Bericht über den Kirchbauverlauf
2.5. Sammlungen für den Kirchbau 2.10. Bericht zum Kirchbauverlauf
 
2.6. Unterstützungen und Förderungen des Kirchbaus

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Unterstützungen und Förderungen des Brandenburger Kirchbaus

Breslau, 1. Mai
Unter dem Titel "Sei gegrüßt, o Maria!" ist soeben in Neiße bei J.A. Müller ein Andachtsbuch für wahre Verehrer der Gottesmutter, insbesondere zur Heiligung des Monat Mai "227 Seiten" stark, herausgekommen, welches allen Marien Verehrern u. denen, die es werden wollen, zu empfehlen ist.
Es enthält erst Betrachtungen über die Würde u. Größe der heiligsten Jungfrau Maria u. über die Verehrung derselben nach den Zeugnissen der Kirche, dann tägliche Andachtsübungen zur hl. Jungfrau, eine Meßandacht u. einige schöne Marienlieder. Daran reihen sich Betrachtungen über die Vollkommenheiten, die Tugenden, die Macht, die Güte, Liebe u. Würde der hl. Gottesgebärerin - auf alle Tage des Monats Mai in Form von Begrüßungen der hl. Jungfrau, an welche sich für jeden Tag ein eigenes Gebet anschließt.
Es ist dies Büchlein recht dienlich, die Herrlichkeit u. Heiligkeit Mariens kennen zu lernen u. zur Nachfolge ihres heiligen Wandels, wie zum festen Vertrauen auf die Kraft ihrer Fürbitte anzuleiten.
Der Preis von 15 Sg. für das Exemplar ist ohne Abzug für die neu zu erbauende Kirche in Brandenburg a. d. H. bestimmt. Exemplare sind zu haben bei dem Subregens Lic. Welz im fürstbischöflichen Klerikal-Seminar in Breslau u. bei J.A. Müller in Neiße.

Brandenburg, a.d.H. 24. Juni.
Einer hochw. Redaktion sagen wir unseren wärmsten Dank für die besondere Pfingstfreude, welche sie uns durch die Übersendung von 325 Th., wovon 3 Th. für unsere Schule u. 322 Th. für unseren Kirchbau bestimmt waren, bereitet hat.
Ein schöner Zuwachs für unseren Baufonds!
Wir sind ja so glücklich, noch andere milde Gaben nennen zu können, die ihm von anderen Seiten her seit unserer letzten Anzeige i. April d. J. zugingen.
Wir nennen diese unter freudigster Danksagung. Wir erhielten aus Berlin..... - (es folgt eine längere namentliche Aufzählung der Spender, Summen und Anlässen dazu)

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...... - aus Brandenburg selbst an 30 Th.
Welches ist nun die Höhe unseres Baufonds?
Was uns derort zuging, erreicht mit dem, was, wie uns kund wurde, anderweitig vorliegt, die Summe von etwas über 1700 Th. Dazu kommt insbesondere noch der Ertrag der Collecte in der Diöcese Münster, welcher am 15. D. M. ungefähr auf 1700 Th. stand.
Somit haben sich unsere 7 blanken Thaler anfänglichen Baufonds am Dreikönigstage d. Jahres zur Summe von nahe zu 3500 Th. vermehrt; jeder der damaligen 7 Th. ist zu 500 geworden!
Was die Cölner Collecte für unseren Kirchenbau eintrug, ist uns noch nicht bekannt.
Ein solches Sümmchen in unseren Tagen seit Jan. d. J. 1849! Ein reicher Segen ist das von oben! Freut Euch alle mit uns! Was thut da Glaube und Liebe der Brüder dem Dreieinigen zu Lob, Ehre und Dank!
Unser kindlichinniges Vertrauen wird nicht zu Schanden.
Unsere uralte Kur- u. Hauptstadt, weilens langjährige kath. Bischofsstadt, reich an herrlichen Tempeln aus der kath. Vorzeit (seit 1539 dem letzten Bischof Mathias v. Jagow hat man in jüngster Zeit für das hiesige Zuchthaus nur eine Kapelle erbaut, die überkommenen Kirchen zum Theil verwüsten lassen, zum Theil abgebrochen, wie namentlich die allgerühmte, schöne Marienkirche auf dem Marienberge und die übrigen Kirchen vermag man nur allermühsamst zu erhalten!) glaubt doch nicht in der Lage zu sein, unserer nun nicht mehr zu verwüstenden alltreu kath. Gemeinde eine Kirche abtreten zu können!
Sie zwingt uns zu einem Neubau.
So liegt eben die Sache vor uns. Nach vielem Hin u. Her-, Er- u. Vermitteln, Petiren und Verhandeln ist endlich wegen St. Johannes zum Abschluß gekommen: unsere lang und heiß genährte Hoffnung auf diese ehemalige Franziskanerkirche ist uns abgeschnitten, da die kleine landes- evangelisch- unirte, französisch- u. deutsch- reformierte Gemeinde sie übernimmt u. für Stadt- Staats- u. eigene Gelder herstellt.
Ein dauerndes u. einigermaßen sicheres Simultanum in einer der evangelischen Pfarrkirchen ist abgewiesen; keine derselben will uns aufnehmen; St. Gotthard mag uns nur verdrieslich bis Ende dieses Jahres dulden.
Ohne Anfrage haben wir mit Silvesterabend vom Jahre 1849 uns von dieser Kirche zu scheiden; bis zum 1. Jan. 1850 sollen wir uns ein eigenes gottesdienstliches Local beschafft haben; so ists uns als ausdrückliche Bestimmung gestellt worden; als es den Regierungs-Deputirten mühsamst gelang zur ferneren Verstattung des Mitgebrauchs der St. Gotthardkirche bis dahin zu überreden!
Eine eigene Kirche also bis zum 31. Dez. 1849!
Wäre uns die St. Johannis-Kirche in Bälde überwiesen worden, so dürften wir wohl hoffen, mit seiner Wiederherstellung doch so weit voranzukommen, daß wir vor Jahresschluß hätten in sie übersiedeln können.
Wir haben demnach eine abermalige Kirchenflucht u. Obdachlosigkeit in Aussicht.
Wohin denn, da innerhalb d. J. 1849 doch keine eigene Kirche beschafft werden kann?
Vielleicht erbarmt sich unser in dem Falle erbarmungsloser Ausweisung aus St. Gotthard, u. ebensolcher Abweisung vor jeder anderen Kirchenpforte das Ministerium unser u. weist uns in einen Saal der zu Ostern aufgehobenen Ritterakademie in dem vormaligen bischöflichen Palaste.
Andeutungsweise wurde uns der Türensaal genannt, aber auch den könnten wir nur eine sehr kurze Frist, kaum ein halbes Jahr inne haben, da alle Rämlichkeiten des Gebäudes für ein ???? Schullehrerseminar bestimmt und baldigst einzurichten sind. Wohin doch werden wir noch wandern müssen mit unseren lieben Heiland in seinem hochheiligen Sakrament von Ort zu Ort, bis wir Ihm eine bleibende Stätte finden, wo wir mit Ihm allein sind u. dem Dreieinigem dienen in seinem Hause, nach Weise unserer heiligen Kirche.
Zwischen den Bildnissen von Luther u. Melanchton wird jetzt das hl. Meßopfer celebrirt.
Bei unserer Fronleichnamsfeier , die wir um 8 Uhr begannen, während wir sonst morgends bis 8 1/2 geendet haben müssen, u. erst Nachmittags 4 Uhr beginnen können, waren wir nahe daran, um 9 Uhr unseren Gottesdienst unterbrochen zu sehen durch

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einen protestantischen, der zwar seit etwas 8 Jahr aus Mangel an Theilnehmern alldonnerstäglich nicht mehr gehalten wird, jedoch gerade an diesem Donnerstage, wie zu besorgen war, gefordert werden konnte.
Wie jeden Donnerstag geschieht, wurde auch diesmal um 9 Uhr geläutet ( für unseren Gottesdienst läutet hierorts kein Glöcklein, in St. Peter benutzen wir wohl das dort vorhanden), der betreffende Prediger war zur Rede bereit, u. auch wir waren in Erwartung; doch war kein besonderes Begehr gestellt worden, u. hatten wir die Freude unsere Feier ununterbrochen mit Amt, Predigt u. auch Procession an vier eigens errichteten Altären solum begehen zu können..
Seit 300 Jahren sah St. Gotthard nicht mehr solches Schauspiel. Die Anwesenheit von 400 kath. Soldaten erhöhte die Feier.
Wo u. wie werden wir im nächsten Jahredieses Fest feiern können?
Einer von den alten Altären hierselbst ist für uns nicht wied.? zu gewinnen.
Schritt für Schritt vorwärts wird uns hier streitig u. schwer gemacht.
Es ist wohl noch in voller Erinnerung, wie es bei Begründung einer eigenen Schule herging.
Wie dem nun sei wir sehen uns wie in partibus in fioclium, berufen eine eigene Kirche und sind entschlossen, eine zu bauen.
So Gott will, wird sie im Herbste 1850 consecrirt.
Es drängt uns alles zum Neubau, so erscheint es auch dem Cultusministerium laut einer Äußerung in seinem Rescripte v. 4. D. M. Wir suchen bereits einen Bauplatz zu erwerben, wo sich unsere künftige Dreifaltigkeitskirche erhebe.
Dem Magistrat und den Stadtverordneten ist ein städtischer Platz nahe der St. Pauli-Kirche als ganz geeignet bezeichnet worden, u. haben wir darum petirt, u. gewärtigen die Entscheidung in den nächsten Tagen.

Wenn unsere Hoffnung darauf zu nichte wird, u. wir dann, um doch innerhalb der Stadt zu bleiben, irgend ein zum Abbruch bestimmtes Haus aufkaufen müssen, so haben wir Doppeltes: Zeit u. Geld schmerzlich zu beklagen.
Erlangen wir den bezeichneten Bauplatz schenkungsweise, oder doch nur gegen mäßige Entschädigung( da er mit 50 - 60 Th. jetzt rentirt) so schreiten wir voll Muth u. Vertrauen auf Gott u. seine Kinder, unsere Brüder u. Schwestern, bald, recht bald an den Bau, getrost u. fest in der Hoffnung, daß der, der das Werk unter uns begonnen, dasselbe auch ausführen werde. Wir suchen das Reich Gottes, wird das Andere dann nicht hinzukommen?
Es handelt sich nur noch um etwas 12000 Th. Wir gingen im Namen Gottes ans Werk, und in Gottes Namen bleiben wir auch am Werke.
Es wird gelingen, u. unsere Seele jubelt im Hinausblick auf unsere künftige Dreifaltigkeitskirche hier an der Havel inmitten einer Bewohnerschaft von 18000 Menschen.
Brüder u. Schwestern, all u. überall, zumal ihr lieben Mitdiöcesanen, betet u. wirket hierfür mit uns, betheiligt Euch Alle, Alle an diesem Bau!
Wie lebendiger des Katholiken Glaube u. Liebe auch jetzt noch sei, ja eben erst recht neu erwacht, dann mag Brandenburgs künftige Dreifaltigkeitskirche ein glänzendes Zeugnis geben. Die Gaben der Liebe erbauten die herrliche Marienkirche in Deutsch-Piekar; wollet nun hier zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit bauen helfen!
Wenn die Glaubensgenossen uns nicht zur Hilfe eilen wollten, wie sollte es dann mit uns werden!
Auf wen sollten wir hoffen? Wir selbst sind außer Stande, uns zu helfen.
Sollen wir aus Staatsfonds eine Beihilfe erwarten? Wir hofften früher; daß wir´s thaten, wird nun als vermessen angesehen. Nicht die mindeste Aussicht ist uns von daher eröffnet, "nachdem den Religionsgesellschaften verfassungsmäßig die selbständige Verwaltung ihrer Angelegenheiten überlassen worden ist u. die öffentlichen Fonds zudem anderweitig auf das dringendste in Anspruch genommen sind."
Es muß daher im Wesentlichen den Bemühungen des Kirchenvorstandes überlassen bleiben, die nöthigen Geldmittel, sei es durch Beiträge der Gemeinde, oder auf andere, ihm geeignet erscheinende Weise herbeizuschaffen.
So sind wir von oben her bedeutet.
Wir wiederholen unseren Hilferuf, "Die Stimme des Rufenden in der Wüste!" Zu Gott flehen wir, daß er Eure Herzen u. Hände uns lenke, u. bitten Euch innig, Euch uns zuwenden zu lassen.

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Wärmsten Dank nochmals für alles das, was bisher für unsere Noth geschehen; was mit Liebe gegeben u. gesammelt worden ist.
Besonders herzlicher Dank auch Herrn Dr. Catzark in Neiße, dem edlen Verfasser des Andachtsbuches: "Gegrüßet seist du, Maria!" dessen Erlös ohne Abzug zu Besten unserer kath. Kirche bestimmt ist.
Vollherziger Dank auch für die früheren Gaben für unsere Schule, so wie für die, welche im letzte Quartal uns zugingen, nämlich. 3Th. aus Breslau durch die hochw. Redaktion, 1 Th. aus Warmbrunn v. Herrn Erzpriester Pelldramm, 1 Th. aus Breslau durch H. C. Josenke u. 5 Th. aus Jütland vom kath. Feldprobst der mobilen preuß. Division Herrn Wawreczko.
Mit der Fundirung der Dotation will es immer noch nicht daran. Wir fürchten Gefahr.
Wir hoffen indeß immer noch, der Höchste werde zu seiner Zeit irgend besonders schulfreundliche Seelen zuerwecken u. uns zuwenden wissen.
Alles zu Lieb u. Ehr der allerheiligsten Dreifaltigkeit!
Mit Gott u. für Gott, im Namen Jesu! Amen.

Namens des Kirchen- u. Schulvorstandes u. Bau-Comites

Pater Ignatz a. d. H.

Brandenburg a. d. H. Der hiesige Dom, welcher im vorigen Jahre zu den Sitzungen der aufgelösten National Versammlung eingerichtet worden war, wird wieder zu seiner gottesdienstlichen Bestimmung restaurirt.
Im October soll die 900jährige Jubelfeier der Begründung dieses ehrwürdigen Gotteshauses stattfinden, welches auch dem im J. 949 gestifteten Bisthum Brandenburg seine Entstehung verdanken soll.
"Was für Erinnerungen" bemerkt die "reihn. Volkshalle", "mögen den gegenwärtigen Besitzern dieses Gotteshauses vorschweben?"

In Brandenburg wurde am 30. v. M. das Jubelfest des vor 900 Jahren daselbst gestifteten Bisthums feierlich begangen.
Der König, die Königin, die Prinzen Karl u. Adalbert, mehrere Minister u. Generäle wohnten der Feier bei, welche in der jetzt neu wiederhergestellten Domkirche, die seit vorigem Jahre behufs Ausbesserung dem Gottesdienste entzogen gewesen war, stattfand.
Dem kirchlichen Feste folgte ein großes Gastmahl in dem Saale der Ritteracademie. (A.P.Z.)

 

 
 

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