Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik vor 1903 | 2. Der Bau der Dreifaltigkeitskirche |

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2.1. Bau Dreifaltigkeitskirche/St. Georg Rathenow 2.6. Unterstützungen und Förderungen des Kirchbaus 1850/51
2.2. Pelikanurkunde 2.7. Brief von Pfarrer Tieffe aus München
2.3. Auszüge aus der Chronik von St. Georg, Rathenow 2.8. Brief von Pfarrer Tieffe aus Prag
2.4. Hilferuf aus Brandenburg a. d. Havel 2.9. Bericht über den Kirchbauverlauf
2.5. Sammlungen für den Kirchbau 2.10. Bericht zum Kirchbauverlauf
 
2.7. Brief von Pfarrer Tieffe aus München

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Brief von Pfarrer Tieffe bei seiner Bettelreise 1850 aus München an seine Gemeinde:

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G.s.J.Ch.! München, den 10.Okt.1850

praes.d.13. Okt. 50 und beant
wortet d. 14.Okt.50 Grube, Lehrer

Meine lieben Theuren!

Eine lange Frist ist seit meinem letzten Schreiben von Wien aus! In der Stunde des Abreisens erhielt ich dort noch den letzten Brief des Herrn Lehrers am 23.Septbr. mittags. Es ging um
1 Uhr nach Linz zu, mußte den weiteren Abstecher nach Steyermark unterlassen, u. that es um so lieber, als ich in Österreich überhaupt ein wenig günstigen Boden für mein Geschäft fand, und zugleich auch hoffen durfte, von Linz aus unseren Hilferuf nach Steyer - und Tyrolerland dringen zu lassen. Teilweise mag es schon geschehen sein; der Erfolg ist abzuwarten.
In Wien soll`s auch erst noch hinterher kommen, sowohl vom Kaiser als auch durch den Katholiken - Verein aus der ...... . Ähnliches gilt auch von Linz her, wo die Bar - Einnahme äußerst gering war. Nicht ohne alle Hoffnung bin ich geschieden. Das Nähere später mündlich.
Von Linz am 28.Septbr. mit Pfr. Nitschke aus Rengersdorf bei Glatz nach Gmunden, wo ich im nahen Ebensweyer den Erzherzog Maximilian Este aufsuchte, ihn sah, aber nicht vor ihn kam, weil sein Bruder Ferdinand zum Tode krank und allerlei hoher Besuch eben ankam.
Von nun muß viel schriftlich petitioniert werden, in Gmunden und Ischl - Salzburg - und nun erst gar hier. Die persönliche Audienz ist schwer zu erreichen, in jedem Falle muß ein derartig Gesuch auch schriftlich eingereicht werden durch den Obersthofmeister oder Hofmarschall oder Adjutanten. In Ischl kam unser Hilferuf zu Ohr und Hand des Kaisers Ferdinand und der Kaiserin Maria Anna, des Erzherzogs Franz Carl mit Sophie, u. des Erzhz.Ludwig. Resultat kömmt später, wie auch das von Kaiser Franz Joseph, auf das Gesuch, von der Kaiserin Mutter 200 Fl., vom dortigen Bischof aber 20 Kreuz - Papier! Am 3. Okt. fuhr ich auf der Post von Salzburg, wo Kaiser Fr. Josef war, bis München und gedachte viel und innig des Schrepfferschen Jubeltages. Ich bedauerte die Unmöglichkeit, in den Tagen vorher zu rechter Stunde zu schreiben. Wir haben wohl gegenseitig aneinander - auch bei dieser großen leiblichen Entfernung - gedacht!
Von hier aus gedachte ich sofort zu schreiben, wollte aber auch gern vorher einiges nähere berichten können, und so ging denn ein Tag nach dem anderen hin - bis heute, und ich kann nur sagen: bar ist bis zur Stunde wenig eingenommen, aber viel Hoffnung ist angeregt von Königen und Prinzen, - und vom Ludwig - Missionsverein. Wenig aber hoff ich vom Bonifatius - Verein nach den Stellborgschen Äußerungen. Viel mußte ich schreiben: an König Ludwig, König Max, König Otto von Griechenland, der noch hier ist, an Priz und Prinzessin Luitpold, an Herzogin von Leuchtenberg, - an den Ludwig - Missionsverein.
Alles so umständlich, ehe man allenthalben herankam! Allerlei sehr interessante Bekanntschaften sind bereits geknüpft. Morgen gedenk ich die in Freising versammelten
HH. Bischöfe Bayerns zu sehen, heute abend vielleicht im Münchener Kath. Verein.
Von Freising nochmals zurück, und dann nach Augsburg, und von dort vielleicht in der nächsten Woche über Bamberg, Würzburg nach Frankfurt - Mainz, oder über Stuttgard - Frankfurt - Mainz . Will man mich nochmals mit einem Briefe erfreuen in der Ferne, so bitte ich ihn nach Mainz, poste restante zu dirigieren. Über Köln - Münster eil ich nach Hause, was ich später noch

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näher angeben werde.
Die Reise ist kostspielig, mancher Gulden geht drauf, doch komm ich nicht leer nach Hause, reicher noch an Hoffnung als an Barem. Vor der Abreise von hier erhalt ich vielleicht vom König Ludwig u. Otto. Fortwährend in Gasthäusern!
Nach des Herrn Lehrers letzten Brief nach Wien hin - stand noch alles in guter Ordnung, gings rührig mit dem Bau voran, und denke ich, der Thurm steht mit Kreuz und Fahne und Knopf, und zwar schon bedeckt! Ohne alles Unglück - Alles - vorüber! Wenigstens habe ich in dieser Beziehung nicht trübe Ahnung oder Unruhe bisher.
Kam schon von Potsdam Antwort? und günstig? Mit der provisorischen und definitiven Kanzel möge man noch warten, bis ich zurück bin. Es wird dann schon sich noch einrichten. Die Potsdamer Kanzel, falls sie ankäme, was ich bezweifel, könnte wohl zurecht gerichtet werden. Wegen eines Baldachins oder Himmels frug ich in Frkstein und sprach mit H.Schaffer davon. Das mag auch ruhen, da ich aus Breslau zu seiner Zeit die Sache richtig beziehen kann.
Ist man mit der Orgelaufstellung schon irgend vorangegangen, - und um welchen Preis?
Hat H. Geheimer Rath v. Olfers der Bilder wegen sich sehen oder hören lassen? Widrigenfalls müßte wegen des Achtermannschen gypskreuzes mit dem Propst Pelldram verhandelt werden. Ich bitte, Herr Lehrer möge doch an p.p. von Olfers seine Anfrage und Bitte richten, - item an den H. Propst des Kreuzes wegen, item daß Potsdam und Berlin mit der Vertretung in Brandenburg alternieren.
Hier ist in dieser Woche des Oktoberfestes wegen viel besonderes Leben. Gestern sah ich die Enthüllung der Bavaria. In Hohen Schwangau geht Wichtiges vor; Preußen drängt den Süden zusammen, und es dräut alles noch wundersam losplatzen zu können! In Brdbg. frißt man theilweise wohl schon Österreich und Bayern?
Das Wetter ist Ausgang Septbr. Und bis gestern schlecht, theilweise sehr schlecht gewesen.
Leider sind die Tage schon so kurz, was vielfach hinderlich wird für das Bettelgeschäft.
In Ganzen und im Allgemeinen, wie im Besonderen mit dem Kirchlichen und mit der Schule - und im Hause und in der ganzen ....... darf ich wohl mir alles noch in guter Ordnung denken?
Wird Fa. Rubon die Glocken bis Mitte Oktober liefern oder wenige Tage später? - - Glockenweihe möge nach Umständen doch H.H. Propst vornehmen.
Im Hause ist doch vollends alles fertig - und auch der vordere Hausputz wird nicht übersehen. Hr. Weiß wir schon den rechten Anstrich treffen. Ich hätte gern einen genaueren Vorschlag zum innern Anstrich vernommen, damit es zum oberen Gewölbe mir schon als passend vorschweben könne. So wurde meine frühere Notiz abgethan mit den Vermerk: zu kompliziert erscheine, was ich angedeutet. Je nun - nur vorsichtig! Allerlei Töne sah ich hier, - das Carmingrauliche - und Röthliche - und Gelbliche, oft auch das Bläuliche. H. Schulze wird auch Vorschläge wissen.
Nur rüstig und und umsichtig vorwärts, - ich freu mich aufs Wiedersehen - und das Vertrauen wird nicht zuschanden werden.
Schrieb wohl Herr Lehrer referierend an einzelne Blätter, wo es not schien? Ich bitt ihn sehr darum. - verwundert hats mich, zu hören im zweiten Schreiben von den , während das erste von der Ablehnung in Furcht vor dem Zuschauer sprach. Wie nun immer!-
St. Petri Glöcklein ist wohl in Gnaden abgeschlagen?! Sind die Reformierten fertig? Alle Herren Meister und alle wackeren Gesellen

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bitte ich herzlich zu grüßen, und ersuche, nicht zu ermüden, - man sehe das als Notwendigkeit und Ehrensache an. Mitte November die Einweihung! Ich denke hinterm 20.
d. Monats anzukommen. Gedenket des 13. Oktober 1844 und 1850.
Ich hoffte irgend Briefe in die Fremde aus Berlin, Potsdam usw. erhielt aber nur die zwei v. H. Lehrer. Passè.
Mit aller Liebe allen
Pater Ignatz.

Alles alles von der lieben Gemeinde grüße ich - herzinniglich.
Ich bitte diesen Herzensgruß zu entbieten - in der Schule - und in den               . Der Mutter des Sohnes Gratulation zum Geburtstag am 13. Oktober. Herr Weiß wolle sein Ehrenwerk mit Liebe und Pietät zu Ende geleiten. Es ist schön, in solchem Werk fortleben.
Einen besonderen Gruß an ihn!

 

 

 

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Pfarrer Ignatz Tieffe

 
 

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