Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik vor 1903 | 2. Der Bau der Dreifaltigkeitskirche |

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2.1. Bau Dreifaltigkeitskirche/St. Georg Rathenow 2.6. Unterstützungen und Förderungen des Kirchbaus 1850/51
2.2. Pelikanurkunde 2.7. Brief von Pfarrer Tieffe aus München
2.3. Auszüge aus der Chronik von St. Georg, Rathenow 2.8. Brief von Pfarrer Tieffe aus Prag
2.4. Hilferuf aus Brandenburg a. d. Havel 2.9. Bericht über den Kirchbauverlauf
2.5. Sammlungen für den Kirchbau 2.10. Bericht zum Kirchbauverlauf
 
2.9. Bericht über den Kirchbauverlauf

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Brandenburg a. d. H. 10. Aug.

Unsere letzte Nachricht in Nr. 28 dieser Blätter über von Brandenburger Kirchenbauangelegenheiten erzählen, wie die hiesige alte u. treu-kath. Gemeinde um endlich zu einem eigenem gottesdienstlichen Orte?? zu gelangen, zu einem Neubau gezwungen u. demzufolge auch dazu entschlossen sei.
Was nun weiter?
Sofort wurde der Erwerb einer Baustelle angestrebt.
Wir schmeichelten uns mit etwas Hoffnung von der Stadt einen geeigneten Platz in dem sog. "Bullenhofe" auf der Stelle des ehemalige städtischen Krankenhauses zu erlangen, sei es schenkungs- oder kaufsweise.
Unser Bitten war aber vergeblich.
Den Stadtbehörden gegenüber sind und bleiben wir hoffnungslos; man scheut den Schein, durch irgend welche Beihilfe - zu Rehabilitierung des Katholischen in hiesiger alten Kur u. kath. Bischofsstadt Freude, Ehre u. Ruhm einräumen?? zu wollen.
So mag es denn sein! Gesetzes u. Regierungszwang ist nicht anzuthun, moralisch läßt man sich auch nicht zwingen; was erübrigt uns?
Da unser bisheriges Pfarr- u. Schulhaus nicht Räumlichkeiten zu einer Kirche gewährt, so mußten wir an den Erwerb eines anderen Grundstückes schreiten. -
Nach Sachlage glauben wir nun Mitte Juli vortheilhaft gehandelt zu haben, durch den Ankauf eines Hauses, dessen Garten, nach dem vergeblich erbetenen Bauplatz, die frühere St. Pauli-Begräbnisstätte, die nun kath. Kirche aufnehmen kann.
Die Dreifaltigkeitskirche erhebe sich auf diesem alten Gottesacker recht bald.
Rührig sind wir dran. Der ???rist ist gefertigt. Baumaterialien sind im Anzuge, Arbeitskräfte sind bereit, Baugenhmigung wird eingeholt, u. wollen wir am 22. D. M. wo die herrliche Marienkirche in Deutsch.- Piekar in ???? wird, den Grundstein zu unserer Dreifaltigkeitskirche legen.
Eine Almosenkirche ist in D.-Piekar vollendet, hierorts am diametralen Gegenpunkte der Diözese erbaue der Liebe derselben Gläubigen mit ihrem Gebet und Almosen ein neues Gotteshaus. Warme Liebe meint, nie mit dem Abzahlen an ihrer Schuld fertig werden zu können, unermüdlich ist sie - mit ihrem Beisteuern; die Pfennige vieler sammeln sich auf, u. durch die Vielen wird einem nach dem Andern aufgeholfen.
Unsre Hoffnung steht so!
Im Namen unseres Gottes ist unsere Hilfe; sie kommt durch ihn von den Brüdern.
Betheiligt Euch alle an unseren Gottesbau, erweiset dem Dreieinigen unserem Heiligen Ehre und Dank, uns aber Liebe u. Erbarmen!
Getrost gehen wir ans Werk u. schreiten frisch vorwärts.
Der Baufonds, noch zu nicht geringem Theile in den Händen und Säckeln der Brüder u. Schwestern allerwärts, sammle sich auf, daß wir wenn möglich, im Herbste 1850 die Feier hier sehen mögen, weche D.-Piekar noch in diesem Monat freudig und dankbar begeht.
Unseren Hilferuf erneuern wir aus der Tiefe unserer Seele u. unserer Noth. Der Staat hilft nicht u. die Stadt hilft nicht!

 

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Darum flüchten wir immer von Neuem zur Bruderliebe.
Dort klopfen wir bittend an, u. wir wissen, nicht vergeblich. Es geschieht jetzt nicht vergeblich, etwas ja bisher nicht vergeblich geschah!
Hört`s doch und freut Euch darob mit uns, was der liebe Herr u. Gott uns durch seine Kinder bescheerte: mehr an 6000 Th. zählt unser Baufonds, der am Dreikönigstage d. J. sieben blanke Thaler aufwies!
Einzelne Gaben mögen genant werden.
Aus Münster kamen nicht 1700 Th. sondern in ?Folge bischöf. Aufrufs aus der Mitte Feb. D. J. 1962 Th. 28 Sg. 10 Pf. (nach Portoabzug) ein ähnlicher Aufruf wird uns aus Liebe 1500 Th. zuführen.
Aus den lieben Schlesien gingen uns in den jüngsten Wochen von dem kath. Verein in Münsterberg durch G.Pfarrer Leuber 11 Th. zu; zu diesem noch 5 Th.; aus dem breslauer Orha??troph???? v. u. d. Frl. S. v. Tschischwitz 4 Th. u. 100 Th. aus Glogau durch G. Dompfarrer Wutke.
Herzinniger Dank! Vergelts Gott reichlich!-
Anbei noch eine große u. dringliche Bitte.
Was etwa da u. dort die Liebe für unseren Kirchbau gab u. sammelte, das möge uns recht bald zugesandt werden, weil uns so eben u. in allerhöchster Frist die Auszahlung für das erworbene Grundstück u. auch die im Anzuge befindlichen Baumaterialien obliegt.
Leider, daß der Erwerb des Bauplatzes nach Abzug dessen, was der Verkauf unseres alten Hauses etwa decken wird, noch an 2000 Th. verzehrt!
Der Kirchbau selbst erheißt zwischen 10 - 12000 Th.
In Schlesien baut sichs bedeutend wohlfeiler, als hier. Glücklicher Weise stehen gegenwärtig die Ziegelpreise niedriger als sonst. Das Tausend Mauersteine kostet bis auf die Baustelle 7 -9 Th., ein Wg. Kalk an 8 Th., die Klafter Fundamental????tersteine aus den Rüdersdorfer Bergen hinter Berlin an 7 Th., die Fuhre Sand 6 Sg.
Auch das Arbeitslohn steht hier bedeutend höher, als in Schlesien.
"Amt Kloster Lehnin" ist der Stempel des größten Theils unserer Mauersteine. Testa Lehnini surgent!
Es drängt aber zur Eile! Wir haben sehr große Furcht vor der Wiederrauswerfung aus St. Gotthard am Ende d. J. Es ist daher viele Gefahr im Verzuge mit unserem Bau.
Sieht man aber unseren so ernstlichen Willen, ein eigenes Gotteshaus zu besitzen, so hoffen wir man werde uns bis ???? 1850 in jener altstädtischen Kirche wollen.

Namens des Kirchen- u. Schulvorstandes u. Bau-Comites
Pater Ignatz a. d. H.

Brandenburg a. d. H. 15. Oktober.
Am 22. August wo D. Piekar die Einweihung seiner Marienkirche feierlichst beging, hier den Grundstein zur neuen Dreifaltigkeitskirche, wie es beabsichtigt war, zu legen, ward unmöglich gemacht worden.
Gar wunderliche Erfahrungen, dergleichen bei der Schulerrichtung der arglosen Gemeinde sich aufdrangen, sollen ihr auch beim Kirchbau nicht

 

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ausbleiben.
Am besagten Tage geschah jedoch der erste Spatenstich, am 4. September aber begann das Grundgraben u. am 6. wurde der Anfang mit dem Mauerwerk gemacht. Das Fundament ist bereits fertig u. der Oberbau erhebt sich.
O kommet alle, alle die Ihr Euch mit der Liebe, Gebet u. Gaben betheiligt, u. schaut seine Höhe u. freuet euch mit uns!
Zum 28. d. M. wird die feierliche Segnung u. Einlegung des Grundsteins durch den fürstbischöflichen Delegaten Domherrn u. Propst zu St. Hedwig in Berlin Freiherrn W. v. Ketteler geschehen. Pate bei uns!
Gott sei Lob u. Dank, Lob u. Dank aber auch den Brüdern u. Schwestern!
Anbei ist noch ein für unseren Kirchbau sehr empfindlicher Perthum zu berichten. Auf Grund öffentlicher, auch in diesen Blättern aus dem "Katholiken" mitgetheilten Nachrichten über Rheinlands bisherige Beihilfe durfte jüngst hin die Höhe des Baufonds überhaupt auf fast 6,000 Th. angegeben werden.
Gegen 500 Th. in des zu viel gerechnet.
Zur Zeit sind unsere anfänglichen sieben Thaler unter Gottes Tagen bis auf fast 5500 Th. vermehrt! Dafür sprechen wir nach allen Seiten hin das vollherzigste " Vergelts Gott!2 aus .
Gar viel - über die Hälfte fehlt noch! Die beiden Ministerien des ???? u. des Inneren haben für den Kirch der hiesigen völlig mittellosen kath. Gemeinde eine allgemeine Kirche- u. Haus-Collecte bewilligt. Ihre Abhaltung steht bevor.
Da ?hupfen? wir wohl tief auf u. flehen zum Dreieinigen u. den Erdenkindern die Eines Glaubens, Hoffens u. Liebens zu ihm stehen, darauf zu merken, daß uns so viel Noth thue.
Wir hoffen u. lassen uns unser Vertrauen nicht erschüttern, noch rauben.
Der Staat hat nichts für uns in seinen Fonds, die Stadt auch nichts in den ihrigen, u. der Gemeinde fehlen sie in ihrem Bereiche ebenfalls!
Fürs Jahr 1850 sollen wir nicht auf den ferneren Mitgebrauch der bisher benützten Kirche rechnen dürfen. Wir müssen Ernst fürchten.-
Am 1. Oktober war in der uralten Kur- u. Hauptstadt Brandenburg eine großartige Säcularfeier. Das sie über 600 Jahre kath. Bischofstadt war u. den Marken als Mittelpunkt galt, das bejubelte man.
Das eigentlich Katholische schob man freilich beiseite, u. bezog sich bei der kirchlichen Feier in Gebet u. Rede, nur auf die Einführung u. Erhaltung des Christenthums in hiesigen Landen, die sich an die eben vor 900 Jahren durch Kaiser Otto d. Gr. urkundlich geschehene Errichtung und den ferneren Fortbestand des Bisthums u. seines Domstiftes knüpfte.
Vor 300 Jahren, am 1. Nov. 1539 fielen Bischof Matthias v. Jagow u. Kurfürst Joachim II. öffentlich von der kath. Kirche ab u. nahmen in Spandaus St. Nicolai Kirche das Abendmahl in lutherischer Weise.
Dem gegenüber die derzeitige kath. Gemeinde hier in ihrer Nothlage!
Zur Rehabilitierung des Katholischen ist der endliche Besitz einer eigenen Kirche unumgängliche Notwendigkeit. Viel knüpft sich daran.
Wie zum Beginn des Baues der Dreifaltigkeitskirche bereits Hilfe kam, so komme sie zur Fortsetzung bis zur Vollendung, daß sie kommen werde, daran zweifeln wir nicht!
Alle wollen sich am Gottesbau betheiligen; laßt uns das Amen hören.

Namens des Kirchen- u. Schulvorstandes u. Bau-Comites
Pater Ignatz a. d. H.

Brandenburg a. d. H. Ende Oktober. Unvergeßlich wird den katholischen Bewohnern Brandenburgs die erhebende Feier bleiben, welche ich bei meiner zufälligen Anwesenheit unter ihnen, mit ihnen

 

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beging.
Es ist die Grundsteinlegung zu ihrer so heiß ersehnten, neu zu erbauenden Hl. Dreifaltigkeitskirche, welche am Feste der hl. Apostel Simon u. Juda stattfand.
Zahlreich waren die Gemeindemitglieder groß u. klein in der protestantischen St. Gotthardskirche, in welcher einstweilen der katholische Gottesdienst gefeiert wird, geeilt, wo von morgens ½ 6 Uhr ab heilige Messen zelebriert wurden, bis um 7 Uhr das feierliche Hochamt begann, abgehalten von dem fürstbischöflichen Delegaten u. Domherrn Freiherr v. Ketteler Propst bei St. Hedwid zu Berlin, unter Assistens der Herrn : Pfarrer Schaffraneck aus Beuthen in Oberschlesien, Abgeordneter der zweiten Kammer, Pfarrer Tieffe hierselbst, u. Ober???? Heuser aus Magdeburg.
Feierlicher vierstimmiger Gesang unter Orgelbegleitung erfüllte den großen Raum der Kirche; u. erhöhte den Gottesdienst.
Nachdem das Evangelium nach beendetem Hochamte in deutscher u. polnischer Sprache von Herrn Pfarrer Schaffraneck (letzteres wegen hiesiger Garnison, verlesen war, wurde vermeldet, daß nach dem das Wetter sich einigermaßen erheiterte, die feierliche Prozession sich von der St. Gotthardkirche nach den Bauplatze in Bewegung setzen werde.
Alle Anwesenden wurden freudig bewegt, zwei Bürger eilten zu den Kirchfahnen u. folgten mit diesen dem Küster, der mit dem Cruzifix voranschritt. Die Schuljugend zuerst die Knaben, u. dann die Mädchen, Paar u. Paar , schloß sich an, geführt von ihrem Lehrer, Herrn Grube. Die Ministranten mit brennenden Kerzen gingen den anwesenden Priestern, die mit feierlichen Gewändern bekleidet waren, voran, u. dies ?viel? u. Militärgemeinde folgte zahlreich.
Der Zug bewegte sich unter dem Lobgesange: "Tag des Herrn, du sollst mir heilig"
von St. Gotthard bis auf den Bauplatz durch die Hauptstraßen der Stadt, zwischen dem Spalier, welches die zahlreich herbei geströmten Bewohner Brandenburg bildeten. Salbungsvoll, begeisternd war die Festpredigt, die der fürstbischöfliche Delegat an der Baustelle hielt, an welcher sich auch Altkatholiken, teilnehmend an der Feier, zahlreich eingefunden hatten.
Als der Herr Delegat den Grundstein gesegnet hatte, und die verschiedenen Urkunden in denselben hineingelegt waren, da vereinigten sich alle Herzen in dem demüthigen Gebete der Diener von allen Heiligen, daß die allerheiligste Dreifaltigkeit diesen ihr zu erbauenden Tempel doch ferner die wohlthuenden Gemüther noch so lange zugewendet lassen möge, bis das Werk vollendet.
Hierauf wendete sich G. Pf. Schaffraneck an die zahlreich versammelten polnischen Militairs u. sprach von der Festfeier u. deren segensreiche Wirkung auf uns so eindringlich, daß wenig Augen der jungen Krieger thränenleer blieben.
Ergriffen von dem bedeutungsvollen Weiheorte? verließ die Versammlung den zu so hohen Zwecke bestimmten Ort, u. die Blicke der Hiesigen, meist armen Katholiken bleiben so lange hingerichtet auf die helfenden Brüder in der Nähe u. Ferne bis das Werk vollständig gelungen, u. sie in ihrem neuen Gotteshause aus tiefster Seele das :" Herr Gott! Dich loben wir !" anstimmen können.

Dittrich.

Kaufmann u. Kirch. Ältester bei St. Hedwig zu Berlin

 

 
 

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