Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik vor 1903 | 3. Aus der Gemeinde |

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3.1. Leuchterausleihe beim Domkapitel 3.4. Lokale Statuten des Gesellenvereins
3.2. Zensurlisten 3.5. Zum 50. Priesterjubiläum Papst Leo XIII.
3.3. Allgemeines Statut des Gesellenvereins 3.6. Brief an Adolph Kolping
 
3.4. Lokale Statuten des Gesellenvereins

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Abschrift der im Gemeindearchiv "Hl. Dreifaltigkeit" Brandenburg/H. befindlichen Statuten des Katholischen Gesellenvereins, der von Pfarrer Rieger am 31. Oktober 1858 gegründet wurde, und bis ca. 1881 bestanden hat:

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Zweiter Abschnitt.

Lokal Statuten...

(Zweck) § 24. Der Verein bezweckt die Fortbildung und Unterhaltung der Gesellen zur Anregung und Pflege eines kräftigen, religiösen und bürgerlichen Sinnes und Lebens, um dadurch einen tüchtigen, ehrenwerten Meisterstand heranzubilden.
Dies wird zunächst erreicht durch öffentliche Vorträge, Unterricht, Gesang, Lesen passender Schriften, gegenseitige Besprechung, gemeinsamer Erheiterung und gegenseitige Hülfe in der Noth.

(Mittel) § 25. Die Mittel des Vereins bilden sich:
1.ns aus den Regelmäßigen Beiträgen der Wohlthäter. Zum Bereiche derselben wird gerechnet, welcher jährlich einen Thaler in die Vereinskasse zahlt.
Höhere Beiträge, so wie jede auch die geringste einmalige oder auf längere Zeit bewilligte Gabe, werden dankbar angenommen und für den guten Zweck des Vereins gewissenhaft verwendet werden.
2.ns aus den Beiträgen der Mitglieder.

(Mitgliedschaft) § 26. Mitglied des Vereins kann jeder junge Mann werden, der das achzehnte Lebensjahr zurückgelegt hat; und zwar zuerst Gesellen als ordentliche, und (ausnahmsweise) Lehrlinge als außerordentliche Mitglieder ohne Stimmen u. unter Aufsicht der Ersteren.

 

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(Vorstand) §27. Der Vereinsvorstand besteht aus zwei Abtheilungen:
a) dem engeren Vorstande; b) dem dem Schutzvorstande.

§ 28. Der engere Vorstand, dem die unmittelbare Leitung des Vereins zukommt, besteht
a) aus dem Präses, b) aus dem Vicepräses, c) dem Vereinsältesten und den d) Ordnern (Assistenten).
In den engeren Vorstand kann nur aufgenommen werden, wer sich persönlich an der Leitung des Vereins betheiligt.

§ 29. Der Schutzvorstand wird gewählt: a) aus geeigneten, das Interesse des Vereins fördernden Bürgern der Stadt; b) aus solchen Wohlthätern des Vereins, die sich durch bestimmten jährlichen Beitrag an den Kosten des Vereins betheiligen.

(Präses) § 30. Der Präses ist der Vater des Vereins. Als solcher hat er seine Stellung im Verein und unter den Vereinsmitgliedern. Er führt den Vorsitz in allen Sitzungen des Vorstandes, ernennt den Vice-Präses, beräth mit dem engeren Vorstande die Vertheilung des Unterrichts, führt mit ihm die Censur über aufzulegende oder anzuschaffende Schriften, Zeitungen und Bücher und trifft mit ihm

 

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alle allgemeinen Anordnungen für den Verein, insoweit dieselben nicht ohne Verzug auszuführen sind. In letzteren Falle handelt er nach bestem Ermessen, doch hat er die getroffenen Anordnungen nachträglich zur Kenntnis des Vorstandes zu bringen.
Ohne sein Wissen und seine Zustimmung darf nichts dem ganzen Verein Betreffendes, weder von einem Vorstandmitgliede, noch von einem Mitgliede des Vereins angeordnet und ausgeführt werden.
An ihn müssen alle allgemeinen Vorschläge gerichtet, durch ihn an den Vorstand resp. dem Verein gebracht werden.
Er beruft zu den ordentlichen und außerordentlichen Vorstandssitzungen und hat in ihnen bei Stimmengleichheit allein entscheidende Stimme.
Er hält ein Verzeichnis der Mitglieder, nimmt die feierliche Aufnahme der Angemeldeten vor, fertigt die Vereinskarten aus und versieht die Karten der Abreisenden mit dem Entlassungsstempel.
Als erster Wächter der Hausordnung hat er mit besonderer Sorgfalt auf die Handhabung der Statuten zu sehen; und wie ihm besonders obliegt
obliegt

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obliegt, für eine gerechte, gleichmäßige Behandlung der Mitglieder zu sorgen, steht es ihm auch zu, nach Befund der Umstände die Uebertreter der Statuten (nach §).. zu strafen; sogar aus dem Verein zu entlassen.
Da des Vereines Interesse und Gedeihen ihm vor allem am Herzen liegen muß, so hat er drauf zu sehen, daß die einzelnen Lehrer keine dem Verein schädlichen Tendenzen verfolgen.
Sollte er das finden, so hat er unverzüglich die geeigneten Schritte bei dem Vorstanden zu thun, im Nothfalle sogar das Recht, den Betreffenden in geeigneter Weise alsogleich zu entlassen.
Anmerk. Bei Abwesenheit oder Verhinderung des Präses tritt der Vicepräses in seiner vollen Funktion ein.

(Mitglieder des engeren Vorstandes.) § 31. Jeder Lehrer, der die Besorgung eines bestimmten Lehrfaches übernimmt, ist Vorstandsmitglied mit Sitz und Stimme bei allen allgemeinen Berathungen. In seinem Lehrfache ist jeder nach Möglichkeit unbeschränkt. Nur die Unterrichtszeit und die anzuwendenden Mittel müssen allgemeiner Berathung unterliegen;

 

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auch muß der Präses wenigstens die allgemeinen Anordnungen des Unterrichts erfahren.
Die Lehrer werden vom engeren Vorstande gewählt, resp. Zur Uebernahme des guten Werkes ersucht, und durch den Präses dem Verein vorgestellt. Sie verbleiben auf unbestimmte Zeit in ihrem Amte, doch sollen sie wenigstens vier Wochen vorher ihren Austritt dem Präses oder dem Vorstande anzeigen.

§ 32. Der Veriensälteste wird aus den ältesten Vereinsmitgliedern von den Gesellen nach einfacher Stimmenmehrheit gewählt, und behält sein Amt auf unbestimmte Zeit.
Er empfängt die Einlage und die monatlichen Beiträge zur Vereinskasse, welche er monatlich an den Inhaber dieser Kasse abgibt.
In der Regel soll sie sich in den Händen des Präses befinden.
Der Vereinsälteste legt halbjährlich im Vereine öffentlich Rechnung über Einnahme und Ausgabe ab. In den Vorstandssitzungen hat er Sitz und Stimme.

§ 33. Die Ordner (Assistenten) werden halbjährlich nach erfolgter Rechnungsablage über Einnahme und Ausgabe und Berichterstattung über den Verein von

 

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von demselben nach einfacher Stimmenmehrheit gewählt. Die Abtretenden sind wiederwählbar.
Die Ordner übernehmen für die Dauer ihrer Amtsführung folgende Pflichten:

a) Sie haben vor allem über die genaue Befolgung der Statuten von Seiten der Mitglieder zu wachen und angemessem Ruhe und Ordnung im Vereinslokal aufrecht zu erhalten;
b) Die Bücher und Schriften des Vereins auszutheilen, zu notieren und sie bei der Rückgabe wieder an ihren Ort zu stellen;
c) Nach Möglichkeit darüber zu wachen, daß das Lokal und die Gerätschaften nicht beschmutzt und beschädigt werden, wie auch, dass von dem Vereinsgut nichts verloren geht oder verdorben wird.
d) Die Angemeldeten zu notiren und auf die Vorschlagtafel zu schreiben resp. auszulöschen;
e) Die eingeführten Fremden entweder dem anwesenden Lehrer vorzustellen, oder falls kein Lehrer gegenwärtig ist, dieselben zu notiren;

 

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Anmerk. 1. Die Vertheilung dieser Obliegenheiten ist den Ordnern freigelassen; ihre Uebereinkunft muß aber dem Präses angezeigt werden.

Anmerk. 2. In den Vereinsversammlungen muß immer wenigstens ein Ordner zugegen sein.

§ 34. Die Ordner als zum engeren Vorstande zugehörig, haben in in seinen Sitzungen Sitz und Stimme. Als Vereinsrepresentanten haben sie die Wünsche oder Klagen der Mitglieder beim Vorstand resp. beim Präses zur Anzeige zu bringen.

§ 35. Ist ein Ordner während seiner Amtszeit genöthigt, auszutreten, oder vernachlässigt störend seine Pflichten, so ernennt der Präses für die noch übrige Zeit des Halbjahres den Ersatz-Ordner.

(Mitglieder des Schutzvorstandes) § 36. Die Mitglieder des Schutzvorstandes werden durch den engern Vorstand dem Gesamtvorstand vorgeschlagen und durch eine Deputation des letzteren zum Eintritt in denselben ersucht.
Der Vorgeschlagene muß dem ganzen Vorstand genehm sein.
Die Einführung jedes neuen Mitgliedes geschieht durch den Präses.

 

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§ 37. Die Mitglieder des Schutzvorstandes lassen es sich angelegen sein, den Verein nach außen zu vertreten, und seinen Bestand nach Kräften zu sichern; sie haben das Recht, mit Sitz und Stimme den Sitzungen des Gesamtvorstandes beizuwohnen, Einsicht von allen Anordnungen zu nehmen, den Verein jederzeit zu besuchen und überhaupt an Allem Theil zu nehmen, was in dem Verein geschieht und von demselben ausgeführt wird.
Sie erhalten bei allen solchen Gelenheiten ihre bestimmten Ehrenplätze.

§ 38. Der engere Vorstand wird durch den Präses alle Vierteljahr zu einer ordentlichen Sitzung eingeladen. Bei besonderen Veranlassungen kann diese Einladung auch zu jeder Zeit stattfinden.

§ 39. Die Einladung zu den ordentlichen Sitzungen des engern Vorstandes muß wenigstens zwei Tage vor der Sitzung stattfinden.

§ 40. In allen Sitzungen wird durch den Vicepräses oder Vereinsältesten ein Protokoll über die Verhandlungen aufgenommen.

 

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§ 41. Der Gesamtvorstand mit Ausschluß der Gesellen hat die alleinige Verfügung über das Vereinsgut und über die allenfalsige Auflösung. Für den Fall, daß es zwei Drittel des Vorstandes oder dem Präses nothwendig scheinen sollte, über die Auflösung des Vereines zu berathen,So muß binnen acht Tagen der Präses den Vorstand zusammen berufen.

§ 42. Die desfallsige Berathung nach besonderer Einladung muß dreimal in Zwischenräumen von höchstens acht Tagen stattfinden; der Endbeschluß wird in der dritten Berathung gefaßt.

§ 43. Wer in der Schlußberathung nicht erscheint, begiebt sich freiwillig des Stimmrechts.

§ 44. Bei dieser Einladung zur Sitzung muß der Zweck der Berathung über die Auflösung jeden Einzelnen ausdrücklich angegeben werden.

§ 45. Beim Endbeschluß ist der Vorstand verpflichtet, im Falle der Auflösung, das Vereinsgut festlegen, und binnen Jahresfrist zu dem selben Zwecke zu verwenden, oder falls daß

 

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nicht möglich ist, zu einem ähnlichen nach Gewissen zu verwenden.

§ 46. In ihren beiden Beschlüssen muß eine Majorität von drei Viertel der Stimmen vorhanden sein.

Von der Mitgliedschaft.

(Mitgliedschaft.) § 47. Mitglied des Vereins kann jeder Geselle rep. Junggeselle werden, der wenigstens das achzehnte Jahr zählt, (so wie Militair und sonstige bürgerliche oder angestellte Personen,) nicht Lehrling ist, und einen unbescholtenen Lebenswandel führt oder zu führen entschlossen ist.
Ein Ausnahme hängt von der Entscheidung des Präses ab.

(Anmeldung und Bedingungen.) § 48. Die Anmeldung zur Aufnahme muß entweder beim Präses oder einem anderen Vorstandsmitgliede geschehen. Der Angemeldete wird sofort nach Erlangung von 2 ½ Silbergroschen Einlage in die Vereinskasse an die Vorschlagtafel geschrieben. Geschieht binnen acht tagen kein gegründeter Einspruch, so hat der Angemeldete das Recht zur förmlichen Aufnahme.
Geschieht gegründete Einsprache, die nur beim Präses und zwar im Geheimen

 

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geschehen darf, so wird der Name des betreffenden gelöscht, der Betreffenden erhält sein Einlagengeld zurück und wird ihm der Eintritt in den Verein bis auf Weiteres untersagt.

§ 49. Der Angemeldete hat von dem Tage an, an welchem sein Name an der Vorschlagstafel erscheint, das Recht allen Versammlungen des Vereins, wie an jedem Unterricht, zu dem er Fähigkeiten und Lust besitzt, beizuwohnen, resp. Theil zu nehmen; doch hat derselbe vor der förmlichen Aufnahme kein Recht in Vereinswahlen mitzustimmen.

§ 50. Jeden Sonntag nach dem ersten wird Abends um 8 ½ Uhr durch den Präses die öffentliche und feierliche Aufnahme derjenigen Angemeldeten vorgenommen, welche sich in dem verflossenen Monat haben aufschreiben lassen und das Recht der Aufnahme erworben haben.
Name. Heimath, Stand, Alter und Wohnung werden sofort in die Vereinsliste eingetragen und erhält das neue Mitglied die Vereinskarte.
Der spätere Wohnungswechsel muß angezeigt werden.

 

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§ 51. Jedes Mitglied ist gehalten, seine Vereinskarte bei sich zu führen, damit es sich stets als berechtigtes Mitglied ausweisen könne.Die Karte muß zur Gültigkeit den Vereinsstempel, die laufende Nummer der Vereinsliste und die Unterschrift des Präses tragen.

§ 52. Von dem Tag der Aufnahme an ist jedes Mitglied verpflichtet, den monatlichen Beitrag von 2 ½ Silbergroschen an die Vereinskasse zu entrichten.
Die Vereinskasse (§ 25 u. § 37) verwaltet unter Aufsicht des Präses der Vereinsälteste.

§ 52. (?s.o.) Wenn der Angemeldete zu der für ihn bestimmten Stunde bei der feierlichen aufnahme nicht erscheint, auch sich nicht durch ordentliche Anzeige entschuldigt, so trifft ihn der Verlust der eingezahlte 2 ½ Sgr, und muß ein solcher, falls er dem Verein dennoch beitreten will, seinen Namen auf Neue an die Vorschlagstafel schreiben lassen und die 2 ½ Sgr Einlagegeld aufs Neue erlegen.

§ 53. Wer an drei nacheinander folgenden Monaten seinen Beitrag nicht entrrichtet hat, hört damit auf Vereinsmitglied zu sein, und verliert das Recht zu den Vereins-
vortheilen-.

 

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vortheilen; doch muß vorher eine Verwarnung ihm zugekommen sein.
Auf Armuth, sowie af jedes unverschuldete Unvermögen wird stets billige Rücksicht genommen, doch muß dieses Unvermögen dem Präses, und zwar ihm allein, zeitig angezeigt werden.

§ 54. Wer aus dem Verein scheidet, ohne seine Beiträge bis zum letzten Monat berichtigt zu haben, oder wer sich fernhält, ohne den Ort zu wechseln, kann nicht wieder aufgenommen werden, bis er seine Rückstände bis zum Tage der neuen Aufnahme bezahlt hat.
Anmerk.: Diese Bezahlung muß bis zun siebenten Monate inkl. geschehen; wer später kommt, zahlt ½ Thlr ohne Rücksicht auf die Zeit.

§ 55. Jedes öffentliche, den guten Ruf befleckende Vergehen schließt als solches von dem Vereine aus. Dazu wird namentlich außer den von den Gerichten bestraften Unsittlichkeiten noch besonders der Besuch unsittlicher Häuser und Personen und jeder Verkehr mit denselben gerechnet.

§ 56. Wer es versucht, irgend ein Vereinsmitglied auf unsittliche Wege zu führen, wird ohne Weiteres aus dem Verein gestoßen, und nach Umständen sein

 

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sein Name den Ubrügen (übrigen) Mitgliedern bekannt gemacht.

§ 57. Die Anzeigen, außer dem Vereinslokal durch Vereinsmitglieder veranlaßter Unordnung, dürfen nur an den Präses, und zwar im Geheimen, geschehen.

§ 58. Die Mitglieder des Vereins sind verpflichtet, gegenseitig wachsam zu sein, von gefährlichen Orten abzuhalten, und durch liebreiche Ermahnung zu warnen.

§ 59. Im Vereinslokale werden keinerlei Collekten oder Verlosungen gestattet.
Wenn im Interesse des Vereins etwas derartiges geschehen soll, so darf es nur mit Genehmigung des Präses geschehen.

§ 60. Zu den Vereinsvergnügen und gemeinsamen Ausflügen und Spielen dürfen in der Regel außer dem Vorstande nur Mitglieder eingeladen werden und an denselben theilnehmen.

§ 61. Abänderungen der Statuten können nur, bis § 47. durch den Gesamt-Vorstand, und von § 47. an, mit Zustimmung der Vereinsmitglieder getroffen werden.

 

(Hier enden die handschriftlichen Lokalstatuten)

 
 

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