Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
Chronik vor 1903 | 3. Aus der Gemeinde |

 Hauptseite

3.1. Leuchterausleihe beim Domkapitel 3.4. Lokale Statuten des Gesellenvereins
3.2. Zensurlisten 3.5. Zum 50. Priesterjubiläum Papst Leo XIII.
3.3. Allgemeines Statut des Gesellenvereins 3.6. Brief an Adolph Kolping
 
3.5. Zum 50. Priesterjubiläum Papst Leo XIII.

Dokument als PDF-Datei ...

 
 
Auszüge aus der Chronik:

- Seite 19 -

8.1.1888

Die katholische Welt feiert in diesen Tagen ein großes Fest!-
Den Tag des fünfzigjährigen Priesterjubiläums des Oberhauptes unsere heiligen Kirche.

Fünfzig Jahre eines pflichttreuen Wirkens sind gewiß unter allen Umständen Gegenstand unserer Achtung und Teilnahme.-
Hat ein Priester ein halbes Jahrhundert lang seines erhabenen Amtes gewaltet, so veranstaltet die Gemeinde, deren geistlicher Vater er ist, ein sinniges Fest, von dem sich wohl nur äußerst selten ein Gemeindemitglied ausschließt;
selbst Andersgläubige nehmen daran teil, nicht minder die Amtsbrüder von Nah und fern, die Behörden, die Vorgesetzten, denn es ist immerhin ein schönes und seltenes Fest, das Gottes Gnade dem Jubilar bereitet hat, und es gilt diesen zu ehren, und Gott für seine Gnade zu danken.-
Ist es ein Bischof, dem das Glück zu teil geworden, das goldene Priesterjubiläum zu feiern, dann geht die Teilnahme und der festliche Jubel auf die ganze Diözese über.-
Ist es aber das Oberhaupt der Kirche, der Nachfolger des Apostelfürsten Petrus, der Statthalter Christi auf Erden, dem die beschieden ist, geschmückt mit der goldenen Jubelkrone und der Tiara zugleich, an den Altar zu treten, dann jubelt die große Gemeinde der ganzen Christenheit, - die Teilnahme ist eine allgemeine, die Feier erstreckt sich auf alle Länder und Stationen, auf alle Stände und Verhältnisse.-
Wir haben dies erlebt an jenem denkwürdigen 11. April 1869, als unser nunmehr in Christo ruhende heilige Vater Pius IX. in der langen Reihe von 258 Päpsten, als der sechzehnte Jubelpapst sein goldenes Priesterjubiläum beging,-
jetzt hat sich für die katholische Christenheit abermals diese Feier erneuert. Leo XIII., der würdige Nachfolger des großen Pius, durfte sein ehrwürdiges Hupt schmücken mit der goldenen Jubelkrone.-
Tausende sind bereits nach Rom gepilgert,

 

- Seite 20 -

und Abertausende werden noch nach der ewigen Stadt ziehen, um dem Papste ihre Huldigung darzubringen..-
Gesandte aus allen Weltteilen sind erschienen in der Tiberstadt, um dem heiligen Vater die Glückwünsche und Geschenke ihrer Herrscher zu überbringen, Glückwünsche, - so herzliche, so aufrichtige, wie menschliche Herzen und Zungen sie nur sagen und verkünden können; - Geschenken von solcher Pracht und solchem Werte, daß sich die kaiserlichen, königlichen und fürstlichen Geber dadurch bleibende Denkmale für künftige Geschlechter gestiftet haben,
- allen voran unser vielgeliebter , glorreich regierender Kaiser Wilhelm I., ihm sich anschließend die königlichen Majestäten und Hoheiten Deutschlands, und weiterhin der Kaiser von Östreich, die Könige von Spanien und Portugal, die Repräsentanten der übrigen Länder, ja selbst der dem Christentum fernstehende Beherrscher der Türken und heidnische Herrscher, wie die Kaiser von China und Japan und der Schah von Persien haben sich von den dem heiligen Vater dargebrachten Huldigungen nicht ausgeschlossen.
- Und all die einzelnen Gemeinden in der weiten Welt, sie feierten den Tag des goldenen Jubiläums des gemeinsamen Vaters der Christenheit in nimmer enden wollendem Jubel, in Liebe und Dankbarkeit.
- Können, ja dürfen wir, die katholische Gemeinde in der alten Bischofstadt Brandenburg zurückbleiben? -
Die große zahl der hier Versammelten gibt die Antwort: Wir können, wir dürfen es nicht! Auch wir müssen Zeugnis geben von der Liebe und Verehrung, mit der wir erfüllt sind gegen unser geistliches Oberhaupt.
Ich verhehle mir die Schwierigkeit nicht, aus dem überwältigend reichen Gehalte dieser fünfzig Jahre in knappen Umrissen ein Gesamtbild zu schaffen, das auch nur annähernd an die Größe und Verdienste unseres allseitig hochverehrten heiligen Vaters heranreicht.
Nehmen Sie daher mit meinem guten Willen fürlieb.

- Seite 21 -

Ich muß es mir versagen, auch nur ein Wort darüber zu sprechen, was Leo XIII. als einfacher Priester, als päpstlicher Delegat, als Erzbischof, als Nuntius in Belgien, als Kardinalbischof in Perugia Großes gewirkt hat, und beginne sofort mir dem 20 Februar 1878, dem Tage, an welchem er zum Papste gewählt ward.-
Was war das für eine unglückliche Zeit!- Das Kreuz hat wohl immer auf der Stirn der Kirche geglänzt, und die Welt hat nie aufgehört, an der Dornenkrone zu hämmern, welche die Kirche wie ihr göttlicher Herr und Meister auf ihrem Haupte trägt; aber in jener Zeit hatte die Kirche eine jener Feuer- und Kreuzesproben zu bestehen, bei welchen die Kinder der Welt sich`s träumen lassen, daß der Fels, auf welchem die Kirche erbaut, zu Staub verwittert, in alle Winde verwehen werde.
Ich mag den Schleier von dem Jammer und dem Wehe jener Tage nicht heben, es genüge, ihn nur mit den Worten des neugekrönten Papstes gestreift zu haben: " Mein Amt ist eine traurige Last schwerer Sorgen."
Aber ungebeugt, mit vollem unerschütterlichen Vertrauen auf die Hilfe des ewigen allmächtigen Gottes begann er seine großartige apostolische Tätigkeit, welche die höchsten kirchlichen wie staatlichen Interessen umfaßt.
Da drängt es mich, zunächst der ernsten und umsichtigsten Sorgfalt Ausdruck zugeben, welche er der welterschütternden sozialen Frage alle Jahre seines Pontifikates hindurch gewidmet hat.
Sein Auge hat mit Schmerz den Abgrund gesehen, an dessen Rande die Völker stehen, und wo immer sich eine Veranlassung bot, hat er es in alle Welt hinaus gerufen, daß die Gesetzgebung den Abgrund nicht schließen, die Wissenschaft das Zauberwort nicht finden kann, um den Riß, der durch alle Völker geht, zu heilen, - daß nur die Bruderliebe , welche in der Liebe zu Gott ihren Ausgang und ihre Verklärung findet,- die Liebe, welche milde und doch so eindringlich zu dem Fürsten wie zu dem geringsten Untertan, zu dem reichen Arbeitgeber wie zu dem ärmsten Arbeiter das Wort spricht: Liebet einander, wie ich euch geliebt habe - uns vor dem Schrecken

- Seite 22 -

der Anarchie bewahren und die kranken Völker heilen kann.
Indem ich ferner der Hirtensorgfalt unseres heiligen Vaters gedenke, stelle ich voran das Wort der deutschen Bischöfe:
Es ist kein Erdteil, kein Land keine Insel, wohin er nicht seine Glaubensboten schickte.
Nur in Vorübergehen erinnere ich an die Vereinigung der slawischen Völker, an die Beilegung des armenischen Schismas, an die Herstellung der hierarchischen Ordnung in Bosnien, Serbien, Persien, China und Japan, um bei dem zu verweilen, was der heilige Vater für seine deutschen Kinder getan hat.-
Schon am Abende der Papstwahl reichte dem deutschen Reiche die Hand zum Frieden und zur Versöhnung; sein Herz fand und findet, wie er es selber ausspricht, keine Ruhe, bevor nicht dem deutschen Volke der Friede wiedergegeben ist.
Und wie Großes hat er erreicht!
Ich brauche es Ihnen nicht zu sagen, wie es 1878 war, und wie es 18888 ist.
Alle unsere Bischöfe haben in ihren wichtigen letzten Hirtenschreiben das Sonst und Jetzt gegenübergestellt, - große Erfolge, die wir der treuen Hirtensorgfalt, der Weisheit, der Klugheit, der Mäßigung des heiligen Vaters verdanken, und er arbeitet weiter, um die Lage den Katholiken Deutschlands zu verbessern, und hofft um so mehr, daß Gott den diesbezüglichen Unterhandlungen einen günstigen Fortgang verleihen werde, als er die Gesinnungen unseres erhabenen Monarchen und seiner Minister erkannt hat.
Diese hochherzigen und edlen Gesinnungen unseres ruhmreichen Kaisers und König hatte schon in dem ersten Streite zwischen Spanien und Deutschland um die Karolinen-Inseln ihren Ausdruck gefunden, als auf die Initiative unseres Kaisers der heilige Vater gebeten wurde, das Schiedsrichteramt zu übernehmen, und damit seine Bedeutung für den Frieden und die Ordnung der Welt in so eminenter Weise gewürdigt wurden.
Schon ein oberflächlicher Blick in unsere politischen und konfessionellen

- Seite 23 -

Verhältnisse ist hinreichend, um in diesem Entschlusse des allergnädigsten Kaisers eine Tat zu erkennen, in der sich die höchste politische Weisheit und die wohlwollendsten Gesinnungen für den heiligen Vater um den Vorrang streiten.
Das können wir nie, am allerwenigsten bei dieser festlichen Veranlassung vergessen.
Ich weiß es, ich spreche aus unser aller Herzen, wenn ich es freudig verkünde, daß unsere Liebe und Dankbarkeit für den heiligen Vater sich mit der Liebe und Dankbarkeit für unseren Kaiser und König einen, und das der ehrerbietigste Dank für alles Wohlwollen, welches er den Wünschen unseres heiligen Vaters entgegengebracht hat, in der Seele seiner deutschen Untertanen fortleben und in unverbrüchlicher Treue gegen ihn sich für und für bewähren wird.
Durch alle diese Erwägungen gestaltet sich unser großes Fest zu einem erhabenen Friedensfeste.
Fürsten und Völker erkennen in Leo XIII. das Symbol der Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit; überall in der katholischen Welt wird sein Ruhm verkündet, sein Ansehen gesegnet, sein Wort in Demut vernommen, und alle Herzen schlagen ihm in treuer Liebe entgegen.
Beten wir, daß auch in dem Lande, dem die Kirche und das Papsttum so großen Segen gebracht hat, - und das doch ihm, dem Friedensfürsten, den Frieden versagt, die bessere Einsicht den Frieden und die Eintracht wiederbringen möge.
Ein solches Gebet bewegt den Himmel, - und wenn der Himmel sich bewegt, so muß die arme Erde mit, sie mag wollen oder nicht.
Geehrte Festgenossen!
Die Weltgeschichte wird es allen kommenden Geschlechtern verkünden:
Leo XIII. war ein großer Papst!

Diesem großen erlauchten Papste gilt unser Dank, unsere Liebe, unsere Verehrung.-
Nicht minder wird die Weltgeschichte es künden, daß zur Zeit dieses großen Papstes ein großer Kaiser Deutschlands Thron geziert.
Wilhelm I., dem gottbegnadigten greisen Kaiser gelte weiterhin unser Dank, unsere Liebe und Verehrung.
Lassen wir alles, was unsere Seele in Dank und Jubel

 

- Seite 24 -

erhebt, zusammengefaßt ausklingen in einem gewaltigen Schlußakkorde

Leo XIII. - Wilhelm I.,
Sacerdotium et imperium
Vivant, crescant, floreant! -

 

 
 

Seitenanfang

 
Priesterjubiläum |   Hauptseite/Chronik vor 1903/3.5. 50. Priesterjubiläum Papst Leo XIII. |

Impressum