Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
0. Vorwort 7. Der Aufbau nach 1945
1. Die ersten Gottesdienste 8. Die Gemeinde
2. Der erste Ortspfarrer 9. Die katholischen Ordensschwestern in Brandenburg
3. Die eigene Kirche 10. Das Dekanat
4. Die katholische Kirche in der Öffentlichkeit 11. Die Gefangenenseelsorge
5. Die katholische Schule in Brandenburg 12. Die St. Nikolaikirche
6. Das Dritte Reich 13. Wichtige Daten und Fakten
 

 1. Die ersten Gottesdienste

 
 
Daß der katholische Glaube Anfang des 18. Jh. in Preußen wieder Fuß fassen konnte, geschah nicht aus Toleranzbereitschaft Friedrich Wilhelm I., sondern hatte politische und wirtschaftliche Hintergründe. Unter den ins Land geholten belgischen Fabrikarbeitern und den aus allen Gegenden Deutschlands angeworbenen Soldaten befanden sich zahlreiche Katholiken. Sie kamen nur, wenn man ihnen Religionsfreiheit zusicherte. So wurden für ihre seelsorgliche Betreuung ab 1720 zwei Dominikaner aus Halberstadt in Potsdam zugelassen. Da bis 1733 in Brandenburg ein Bataillon der sogenannten "Langen Kerls" stationiert war, haben vermutlich auch in Brandenburg katholische Gottesdienste stattgefunden.

1784 wurde den katholischen Soldaten Brandenburgs die Mitbenutzung der St. Johanniskirche gestattet. Von nun an kamen ein- bis zweimal im Jahr Geistliche aus Berlin. Als 1806 die Truppen Napoleons die Kirche in ein Magazin verwandelten, hörten die Gottesdienste wieder auf.

Erst ab 1810 durfte die kleine St. Petrikapelle am Dom genutzt werden. Kapläne aus Berlin und Potsdam hielten in unregelmäßigen Abständen hier Gottesdienste. In dieser Zeit zählte man in Brandenburg etwa 400 Katholiken. Neben den bereits erwähnten Soldaten waren es vor allem Händler und Handwerker aus Böhmen, Polen, Schlesien, Bayern und Tirol, aber auch aus Irland, Frankreich und Italien. Die wenigsten Katholiken waren gebürtige Brandenburger.

Die Unterschiede der Nationalitäten und Mentalitäten erschwerten einen Zusammenhalt und das Wachsen von gemeinsamen Traditionen. Die unregelmäßigen Besuche auswärtiger Geistlicher reichten für eine erfolgreiche Seelsorge nicht aus. Dazu kam, daß die Katholiken noch jahrzehntelang dem Parochialzwang unterlagen, d.h., katholische Geistliche durften nicht taufen, nicht trauen und nicht beerdigen.¹

Ab 1826 kamen vorwiegend Kapläne aus Berlin. An den Gottesdiensten nahmen auch Katholiken aus Ziesar, Plaue, Belzig, Pritzerbe, Golzow, Göttin und Ketzür teil.

Daß diese bunt zusammengewürfelte Gemeinde trotzdem überdauerte, war hauptsächlich das Verdienst engagierter Laien, an ihrer Spitze der Kirchenvorsteher Mauri.
Ein Bild ist von ihm nicht erhalten, aber seine Unterschrift findet sich unter zahlreichen Schriftstücken: "Giacinto Mauri". Aus der italienischen Provinz Bergamo kommend, hatte er sich 1810 in Brandenburg nieder-gelassen und führte in der Hauptstr. 14 ein Galanteriewarengeschäft und später eine gutgehende Konditorei. Ein ganzes langes Menschenleben bemühte er sich um die Anstellung eines katholischen Priesters. So schrieb er u. a. 1823 an König Friedrich Wilhelm III. und richtete seine Bittschriften und Gesuche an den Fürstbischof von Breslau und an den Bischof des Ermlandes. Seine Briefe bzw. die Kopien seiner Briefe von 1817 - 1848 sind im Pfarrarchiv erhalten.

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¹
Die genannten Amtshandlungen wurden von der evangelischen Kirche vorgenommen.

 

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Kolorierte Federzeichnung
von 1942

 
 

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