Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
0. Vorwort 7. Der Aufbau nach 1945
1. Die ersten Gottesdienste 8. Die Gemeinde
2. Der erste Ortspfarrer 9. Die katholischen Ordensschwestern in Brandenburg
3. Die eigene Kirche 10. Das Dekanat
4. Die katholische Kirche in der Öffentlichkeit 11. Die Gefangenenseelsorge
5. Die katholische Schule in Brandenburg 12. Die St. Nikolaikirche
6. Das Dritte Reich 13. Wichtige Daten und Fakten
 

 4. Die katholische Kirche in der Öffentlichkeit

 
 
Der innere Ausbau der Gemeinde, aber auch die Öffnung nach außen wurden gleichermaßen Hauptaufgaben der kommenden Jahre und Jahrzehnte.

Um die sich oft fremd gegenüberstehenden Mitglieder der Gemeinde auch außerhalb der Kirche einander näher zu bringen, entstanden Interessengemeinschaften und Vereine. In der Öffentlichkeit besonders wirksam waren karitative Vereinigungen, wie der Vinzenzverein, der Gesellenverein und der Bonifatiusverein.¹
Der Vinzenzverein wurde 1834 von einem Pariser Studenten gegründet, um besonders Arme und Bedürftige zu unterstützen. Dieser Verein verbreitete sich bald über viele Teile Deutschlands. Am 17. Februar 1858 führte ihn Pfarrer Rieger (Brandenburg 1858-1869) in der Dreifaltigkeitsgemeinde ein. In den Kriegsjahren 1870/71 unterstützte der Verein besonders Familien, deren Väter gefallen waren, und pflegte verwundete und erkrankte Soldaten.
Die Not deutscher Handwerksgesellen veranlaßte den Priester und Schuhmachergesellen Adolf Kolping zur Gründung eines katholischen Gesellenvereins, der an zahlreichen Orten Deutschlands Nachahmung fand und dem sich - ebenfalls durch die Initiative von Pfarrer Rieger - auch in Brandenburg 1851 zwanzig Mitglieder anschlossen. Leider erwies sich dieser Verein nicht als lebensfähig und löste sich am 31. Juli 1859 wieder auf. Trotzdem erlosch die Idee und der Geist Kolpings nicht bis in die Gegenwart.

Erst um 1919 erfuhr der Verein Adolf Kolpings in Brandenburg seine Erneuerung und bestand neunzehn Jahre ohne Unterbrechung bis zu seiner Auflösung durch die Gestapo 1938.

Da in der DDR Vereine verboten waren, nannte sich der Gesellenverein nach 1945 "Kolpingsfamilie". Mitglieder der Kolpingsfamilie errichteten mit eigenen Mitteln 1957 einen Pfarrsaal auf dem Gelände der Pfarrei. Der Handwerker Paul Portala und der Handwerksmeister Wilhelm Stöber waren die Initiatoren dieses Vorhabens. Wie in der NS-Zeit waren auch jetzt Zusammenkünfte von Christen außerhalb des Kirchenraumes unerwünscht und wurden mehr und mehr durch staatliche Stellen behindert. So war der eigene Gemeindesaal von unschätzbarem Wert. Er dient bis heute nicht nur der Kolpingsfamilie, sondern der ganzen Gemeinde für die verschiedensten Veranstaltungen und Feste.

1962 teilte Pfarrer Semrau (Brandenburg 1962-1985) die Kolpingsfamilie in kleinere Familienkreise, da die Gefahr einer Bespitzelung durch das MfS in den letzten Jahren deutlich zugenommen hatte.

1988 wurde die Kolpingsfamilie durch Pfarrer Richard Rupprecht (Brandenburg seit 1985) erneut ins Leben gerufen und besteht heute wieder als Kolpingverein.
Die finanzielle Not der Katholiken Brandenburgs soll der Anlaß einer weiteren Vereinsgründung gewesen sein. Der Berliner Schuhmacher Werny gründete einen Verein zur finanziellen Unterstützung des Kirchbaus in der Stadt Brandenburg. Propst Brinkmann (Berlin) veränderte die Satzungen 1847 zugunsten eines allgemeinnützigen Vereins, der am 4. Oktober 1849 in den Bonifatiusverein umgewandelt wurde.

Es gab viele Gelegenheiten, den katholischen Glauben auch in der Öffentlichkeit zu demonstrieren. So wurde am 18. Oktober 1891 der erste "Märkische Vereinstag" abgehalten. Die Teilnehmer kamen aus allen Teilen Deutschlands. Die Veranstaltung begann mit dem Hochamt (Festgottesdienst) in der Hl. Dreifaltigkeitskirche. Anschließend standen die Besichtigung der Baudenkmäler Brandenburgs und ein Treffen auf dem Marienberg auf dem Programm. Mit einer öffentlichen Versammlung im großen Saal des Stadtparks fand der Tag seinen Abschluß.

Ein besonderer Höhepunkt wurde der 25. Märkische Katholikentag 1927 in Brandenburg. Drei Märkische Katholikentage (1891, 1894, 1906) hatten in der Vergangenheit hier schon stattgefunden.
Monate vorher hatte Dr. Carl Sonnenschein² für dieses Ereignis geworben. Am 14. August 1927 reisten ca. 17.000 Katholiken aus Berlin und der Mark mit zwei Sonderzügen und mit sieben Haveldampfern nach Brandenburg. Sie kamen aber auch mit Bussen, mit eigenen Autos, mit Pferdegespannen und mit Fahrrädern. In einem Festzug zogen die Teilnehmer mit 400 Fahnen an den Zuschauern vorbei. Der Festgottesdienst mit Weihbischof Dr. Deitmer (Berlin) fand im Stadion am Grillendamm statt. Die Abschlußandacht hielt Prälat Bernhard Lichtenberg (Berlin).

__________________________
¹ In dieser Zeit wurden bis 1895 elf Vereine gegründet. Siehe Ernst Riedel "Katholisches Leben in der Mark Brandenburg - (1894") S. 118 - 129
² katholischer Priester (1918 - 1929) in Berlin, Leiter der Kath. Kirchenzeitung. Gründer verschiedener sozialer und intellektueller Interessengemeinschaften und Arbeitskreise, auch "Großstadtapostel" genannt

 

Vergrößern?
Pfarrkirche,
Innenansicht zur Orgel vor 1945

 
 

Seitenanfang

 
Festschrift |   Hauptseite/Festschrift/Kirche i.d. Öffentlichkeit |

Impressum