Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
0. Vorwort 7. Der Aufbau nach 1945
1. Die ersten Gottesdienste 8. Die Gemeinde
2. Der erste Ortspfarrer 9. Die katholischen Ordensschwestern in Brandenburg
3. Die eigene Kirche 10. Das Dekanat
4. Die katholische Kirche in der Öffentlichkeit 11. Die Gefangenenseelsorge
5. Die katholische Schule in Brandenburg 12. Die St. Nikolaikirche
6. Das Dritte Reich 13. Wichtige Daten und Fakten
 

 6. Das Dritte Reich

 
 
Bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begannen die Konflikte zwischen der katholischen Kirche und dem Staat. Gezielte antichristliche Propaganda sollte die Gläubigen verunsichern und Papst, Bischöfe und Priester in Verruf bringen.

Ein Hirtenbrief der deutschen Bischöfe vom 9. Januar 1936 richtete sich mit Nachdruck gegen diese unlauteren Praktiken. Gleichzeitig wurde vor nationalsozialistischen Schriften gewarnt und den Katholiken empfohlen, tendenziöse Schulungen und Kurse zu meiden.
Die Reaktion in der staatlichen Presse fiel ausgesprochen aggressiv aus. Bald aber blieb es nicht mehr nur bei verbalen Angriffen. Pfarrer Bruno Schubert war seit 1919 Ortspfarrer der Brandenburger Dreifaltigkeitsgemeinde. Im Oktober 1934 hatte er auch die Gefangenenseelsorge übernommen. Seine Anteilnahme am Schicksal gefangener Mitbrüder nahm die Geheime Staatspolizei zum Anlaß, ihn zu verhaften. Am 6. Mai 1937 kam er im Berliner Polizeigefängnis am Alexanderplatz ums Leben.¹

Als sein Nachfolger, Pfarrer Albrecht Jochmann, am 1. Juli 1937 die Leitung der Pfarrei übernahm, hatte sich der Druck auf die Kirche und auf kirchliche Einrichtungen noch verstärkt. Da ab 1937 katholische Priester in staatlichen Schulen keinen Religionsunterricht mehr erteilen durften, fanden sich 35 Frauen aus der Gemeinde bereit, die Kinder zu unterrichten. Regelmäßige Kurse mit Pfarrer Jochmann schafften die dafür nötigen Befähigungen.

1938 löste die Gestapo alle Vereine auf, verbot die Kirchenzeitung und beschlagnahmte alle nichtreligiösen Bücher der Pfarrbibliothek. 1939 folgte die Schließung der katholischen Schule. Ab 1941 durften keine Meldungen mehr vom Einwohnermeldeamt an die Pfarrei gegeben werden. Der Religionsunterricht auf den Dörfern wurde nach und nach eingestellt.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges stieg in Brandenburg die Produktion kriegswichtiger Erzeugnisse. So erhöhte sich auch die Zahl der katholischen Arbeitskräfte. Viele von ihnen waren Zwangsarbeiter. Dadurch entstanden für Pfarrer Jochmann, vor allem aber für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen zusätzlich pastorale und karitative Aufgaben.
Die immer häufigeren Fliegeralarme erschwerten die Seelsorge in der Stadt erheblich.
Auch die Gottesdienste wurden deshalb mehrmals gewaltsam unterbrochen. Weihnachten 1940 mußte die Christmesse ganz ausfallen. Am 18. April 1944 fielen die ersten Bomben. Ein weiterer schwerer Angriff folgte am 6. August 1944. Die Zahl der dabei getöteten Gemeindemitglieder konnte nicht ermittelt werden.

Am 24. April 1945 begannen die Kämpfe um Brandenburg. Eine Handvoll Unverbesserlicher versuchte aufzuhalten, was nicht mehr aufzuhalten war. Das Ende des Krieges, mit all seinen verheerenden Folgen, stand unmittelbar bevor. Die St. Annenbrücke und das Proviantamt am Jungfernsteig hatte bereits die Rote Armee besetzt. Am 25. und 26. April beschossen Scharfschützen den Turm der Hl. Dreifaltigkeitskirche und beschädigten ihn schwer. Dunkle Feuerwolken zogen über die Neustadt. Das St. Paulikloster und viele Gebäude im Umkreis brannten. Dichter Funkenflug entzündete auch das Dach der Pfarrkirche. Da durch den Beschuß Löscharbeiten nicht möglich waren, brannte die Kirche bis auf die Grundmauern aus. Das ganze Inventar, alle Paramente und Gewänder, aber auch ein Teil der älteren Kirchenbücher wurden vernichtet.

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¹Siehe Kapitel 11: Die Gefangenseelsorge

 

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Inneres der am 26. April 1945
zerstörten Dreifaltigkeitskirche

 
 

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