Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
0. Vorwort 7. Der Aufbau nach 1945
1. Die ersten Gottesdienste 8. Die Gemeinde
2. Der erste Ortspfarrer 9. Die katholischen Ordensschwestern in Brandenburg
3. Die eigene Kirche 10. Das Dekanat
4. Die katholische Kirche in der Öffentlichkeit 11. Die Gefangenenseelsorge
5. Die katholische Schule in Brandenburg 12. Die St. Nikolaikirche
6. Das Dritte Reich 13. Wichtige Daten und Fakten
 

7. Der Aufbau nach 1945

 
 
Die ersten katholischen Gottesdienste durften ab Mai 1945 im zerstörten Kreuzgang des St. Pauliklosters stattfinden. Ab 8. Mai 1945 traf sich die Gemeinde in der ebenfalls stark beschädigten St. Gotthardtkirche.

Wieder einmal war es die Familie Riedel, die den Brandenburger Katholiken zu Hilfe kam. Großzügig stellte sie einen Lagerraum im ersten Stock ihres Speichers am Katharinenkirchplatz 10 zur Verfügung. Nach einem entsprechenden Umbau fanden hier ab Januar 1946 alle Gottesdienste statt. Die Ordensschwestern des Marienkrankenhauses stifteten Kirchenwäsche und Paramente.¹

Größer als die Sorge um die zerstörte Pfarrkirche war die menschliche Not. Viele hatten kein Dach mehr über dem Kopf. Väter und Söhne waren gefallen.
Im Westen Brandenburgs (Quenzsiedlung) befand sich ein Lager mit Flüchtlingen und Heimatvertriebenen. Aber auch in der Stadt und in den umliegenden Dörfern suchten Heimatlose eine neue Heimat. Da viele von ihnen katholisch waren, vergrößerten sich die Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit und die Gemeinden der Vorstadtsiedlungen Görden und Quenz erheblich. Auch auf dem Land nahm der Anteil der katholischen Bevölkerung zu. So wurde an vielen Orten wieder katholische Gottesdienste und Religionsunterricht eingeführt.²
Unermüdlich waren die persönlichen Einsätze Pfarrer Jochmanns und seiner bewährten Helferinnen. Neben der pastoralen Betreuung waren vor allem menschliche Zuwendung und soziale Unterstützung gefragt. Anfang Januar 1946 konnte eine Nähstube eingerichtet werden. Sechs Frauen aus der Gemeinde bemühten sich, Bedürftige mit Wäsche und Oberbekleidung zu versorgen.

1947 erhielt die Gemeinde die Bauerlaubnis für den Wiederaufbau ihrer Pfarrkirche. Baumaterial und zusätzliche Arbeitskräfte wurden nicht bewilligt. Den Bauauftrag erhielt die Firma Mast.
Schon lange vorher hatten überwiegend Frauen, aber auch Kinder und Jugendliche den Schutt aus der Kirchenruine entfernt und brauchbare Ziegel sichergestellt. Als der Kauf des benachbarten Ruinengrundstückes Neustädtische Heidestr. 27 gelang, gingen die mühevollen Bergungsarbeiten weiter.

Am 24. September 1948 trafen sich 60 Gemeindemitglieder im Stahlwerk, um aus den Trümmern Klinkersteine zu gewinnen. Die Aktion ergab 7.000 Stück. Auf dem ehemaligen Flugplatz Arado fanden sich Asphaltplatten für den Fußboden der Kirche.

Um bei der Finanzierung des Baues mithelfen zu können, führte die Jugend 1947 in der Kirchenruine ein Laienspiel auf und veranstaltete 1948 ein Konzert. Die Eintrittsgelder ergaben einen Betrag von 4.364,48 RM.
Die Währungsreform am 24.6.1948 fügte dem Baufonds der Gemeinde schweren Schaden zu. Damit die Bauarbeiten nicht in Gefahr gerieten, stellte das Bischöfliche Ordinariat Berlin 10.000 Mark zur Verfügung. Aus Spenden des Kardinals von Preysing, des Bonifatiushilfswerkes und vieler Gemeindemitglieder war ein Betrag von 100.000 Mark zusammengekommen. Zuletzt verzichtete die Baufirma Mast auf die Bezahlung ihrer letzten Arbeitswochen.
Am 24. Dezember 1948 waren die wichtigsten Arbeiten abgeschlossen. So konnte die Gemeinde die Christmesse wieder in der eigenen Kirche feiern.
Aus den Trümmern einer bescheidenen Diasporakirche war ein noch bescheideneres Bauwerk entstanden. Das durch den Brand geschwächte Mauerwerk trägt nun ein verstümmeltes Mansarddach. Eine schlichte flache Holzdecke ersetzt die ehemals reich verzierte Kassettendecke. Der Turm hat seine imposante Spitze eingebüßt und ist heute nur noch halb so hoch wie früher.

Am 24. Mai 1949 verließen die letzten Handwerker die Kirche. Zur 100-Jahrfeier am 12. August 1951 waren die Innenarbeiten abgeschlossen und die Ausstattung im wesentlichen fertiggestellt. Bischof Weskamm (Berlin) hielt den Festgottesdienst. Der Chor der Berliner Hedwigskathedrale hatte die musikalische Gestaltung übernommen. Noch im gleichen Jahr erhielt die Kirche neuen Glocken, die dritten seit ihrem Bestehen.

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¹Siehe Kapitel 9: Die Katholischen Ordensschwestern
²
Siehe Kapitel 10: Das Dekanat

 

Vergrößern?
Notkapelle im Speichergebäude
am Katharinenkirchplatz von 1946 - 1949

 

 

 

 

 

 

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Kirchenruine 1945

 
 

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