Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
0. Vorwort 7. Der Aufbau nach 1945
1. Die ersten Gottesdienste 8. Die Gemeinde
2. Der erste Ortspfarrer 9. Die katholischen Ordensschwestern in Brandenburg
3. Die eigene Kirche 10. Das Dekanat
4. Die katholische Kirche in der Öffentlichkeit 11. Die Gefangenenseelsorge
5. Die katholische Schule in Brandenburg 12. Die St. Nikolaikirche
6. Das Dritte Reich 13. Wichtige Daten und Fakten
 

9. Die katholischen Ordensschwestern in Brandenburg

 
 
Ab 1898 hatte sich Pfarrer Schomer (Brandenburg 1869-1903) um Ordensschwestern für Brandenburg bemüht. Am 25. Januar 1899 gründeten sechs Dominikanerinnen vom Arenberg bei Koblenz in der Neustädtischen Heidestr. 24 eine bescheidene Niederlassung. Ihre Hauptaufgabe bestand in der ambulanten Krankenpflege und der Betreuung der Ärmsten von Brandenburg. Ab 1902 kam ein Kindergarten und ein Heim für jugendliche Arbeiterinnen dazu. 1921 erwarben sie in der Bergstr. 1-3 das Gartenlokal "Ahlerts Berg". Hier eröffneten sie am 11. Februar 1923 das Krankenhaus und das Altersheim "Paulusberg".

Die schweren Jahre der Inflation veranlaßten die Schwestern 1925, die Verwaltung des Hauses dem Berliner Caritasverband zu überlassen. 1925 wurden die verdienstvollen Dominikanerinnen von den Armen Schulschwestern vom 3. Orden des Hl. Franziskus aus Vöcklabruck, Oberösterreich, abgelöst. In diesem Zusammenhang erfuhr das Krankenhaus einen umfangreichen Umbau und präsentierte sich am 8. August 1927 als "St. Marienkrankenhaus".

Es begann eine segensreiche Zeit. Die Österreicherinnen brachten in das nüchterne und manchmal auch ein wenig sture Brandenburg etwas von dem Charme ihrer Heimat, der gleichermaßen von christlichen und nichtchristlichen Patienten mit Dankbarkeit angenommen wurde. Zusammen mit den ihnen nachfolgenden Schwestern hatten sie vor allem im Jahr 1945 bei den Schwerkranken ausgehalten. Auch als die Gebäude stark beschädigt waren, im Garten Leichen lagen und Plünderer das Haus durchstreiften, gaben sie nicht auf. In diesem Zusammenhang muß besonders Pfarrer Jochmann (Brandenburg 1937 - 1960) erwähnt werden, der in diesen Wochen nicht nur ein guter Ratgeber, sondern auch ein selbstloser und tatkräftiger Helfer war.

Am 15. August 1945 erhielten die Schwestern den Befehl, innerhalb von 48 Stunden das Haus zu räumen. Kaplan Szydzik (Brandenburg 1940-1946) gelang es, bei der sowjetischen Kommandantur vorzusprechen. Er wies darauf hin, daß dieses Krankenhaus dem Bischof von Berlin gehöre. So kam es zur Aufhebung des Räumungsbefehls. Nach langen, mühevollen Verhandlungen blieben der kirchliche Charakter des Hauses und die Eigentumsrechte des Caritasverbandes gesichert und wurden auch in den folgenden Jahren kommunistischer Herrschaft nicht mehr angetastet.

Am 8. Oktober 1959 feierten zwei Kandidatinnen ihre Aufnahme in den Orden. Ihnen sollten in den kommenden Jahren weitere Bewerberinnen folgen. Ebenfalls 1959 wurde in den Gemeinden Brandenburgs zum "Krankenhausdiakonat" aufgerufen. Es meldeten sich 60 Frauen und Mädchen, die über Jahre an jedem Sonntag die Arbeit der Schwestern ehrenamtlich unterstützten.
Da die Anzahl der Zivilangestellten von Jahr zu Jahr immer mehr anstieg, stellte der Berliner Caritasverband am 1. September 1976 einen Verwaltungsleiter ein. Der Zuwachs an jungen Ordensschwestern ließ nach, die alten Schwestern hatten aber bereits ihren Dienst weit über die Grenze des Rentenalters versehen. Einige starben, andere gingen in ihr Mutterhaus nach Österreich zurück. Daher beschloß der Orden 1987, den Dienst im Marienkrankenhaus aufzugeben und in der Neustädtischen Heidestr. 27 ein Schwesternhaus für einen ambulanten Alten- und Krankendienst einzurichten. Am 2. Juli 1993 war die Grundsteinlegung. Die Einweihung des Schwesternhauses "St. Franziskus" durch Pfarrer Richard Rupprecht (Brandenburg seit 1985) erfolgte am 4. Oktober 1994. Der offizielle Umzugstermin aus dem Marienkrankenhaus in das neue Haus war der 25. Januar 1995. Zwei Schwestern blieben im Marienkrankenhaus und versorgten die Bewohner des noch bestehenden Altersheimes. Als am 21. Juli 1997 das neue Seniorenzentrum in der Neustädtischen Heidestr. 19 bezogen wurde, beendeten auch die letzten Ordensschwestern ihren Dienst in der Bergstraße. Aus diesem Grund löste Kardinal Sterzinsky die Schwesternniederlassung im Marienkrankenhaus auf.

 

 

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Marienkrankenhaus um 1927

 
 

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