Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
0. Vorwort 7. Der Aufbau nach 1945
1. Die ersten Gottesdienste 8. Die Gemeinde
2. Der erste Ortspfarrer 9. Die katholischen Ordensschwestern in Brandenburg
3. Die eigene Kirche 10. Das Dekanat
4. Die katholische Kirche in der Öffentlichkeit 11. Die Gefangenenseelsorge
5. Die katholische Schule in Brandenburg 12. Die St. Nikolaikirche
6. Das Dritte Reich 13. Wichtige Daten und Fakten
 

11. Die Gefangenenseelsorge

 
 
Seit 1790 bestand in Brandenburg ein Landarmen- und Invalidenhaus. 1820 wurde die Einrichtung in eine Strafanstalt umgewandelt. Da katholische Strafgefangene an evangelischen Gottesdiensten teilnehmen mußten, übernahm Pfarrer Tieffe gleich nach seinem Amtsantritt 1844 an jedem Sonntag den katholischen Gottesdienst, den er aber aus finanziellen Gründen bereits nach drei Jahren wieder einstellen mußte. Es blieb lediglich bei vierteljährlichen Gottesdiensten, die 1855 vierzehntägig und ab 1858 wieder an jedem Sonntag stattfanden. Diese Regelung galt bis 1895.

Als am 1. August 1904 160 katholische Strafgefangene aus Luckau nach Brandenburg kamen, führte man die katholische Seelsorge wieder ein. 1920 erhielt das Zuchthaus einen eigenen katholischen Geistlichen. Es war Pfarrer Johannes Roenspieß.

1927 entstand in Brandenburg-Görden das neue Zuchthaus als Musteranstalt des Strafvollzuges der Weimarer Republik. Es wurde das modernste und sicherste Zuchthaus Europas. Die endgültige Fertigstellung erfolgte unter der Herrschaft der Nationalsozialisten im Jahre 1935. Bereits ab Dezember 1931 begannen aber schon die Belegungen der Zellenhäuser. Von nun an fanden alle Gottesdienste in einem Mehrzweckraum des Zuchthauses statt. Dieser Raum diente nicht nur als Kapelle sondern auch für Kinovorführungen.

Die kirchenfeindliche Haltung der Nationalsozialisten machte die Gefangenenseelsorge immer schwerer und gefährlicher. Es ist erstaunlich, wie geringfügig die Anlässe waren, um die Kirche als staatsfeindlich hinzustellen und sie gnadenlos zu verfolgen.
Als Pfarrer Roenspieß 1936 in den Ruhestand ging, beauftragte Bischof von Preysing (Berlin) Bruno Schubert mit seiner Vertretung. Er war seit 1919 Ortspfarrer der Dreifaltigkeitsgemeinde. Am 9. April 1937 wurde er durch die Geheime Staatspolizei verhaftet und im Polizeigefängnis am Alexanderplatz in Berlin vier Wochen lang in Schutzhaft gehalten. Er hatte inhaftierte geistliche Mitbrüder mit Lesestoff und Lebensmitteln " ... über das Maß des Erlaubten" versorgt. Ehe der Prozeß begann, fand man ihn am 6. Mai 1937 erhängt in seiner Zelle auf. Das Lesezeichen in seinem Brevier zeigte, daß er bis zuletzt darin gebetet hatte. Eine endgültige Klärung über seinen Tod wird sich nicht mehr finden lassen. Er wurde am 12. Mai 1937 unter großer Anteilnahme der Gemeinde und der Geistlichen beider Konfessionen auf dem Neustädtischen Friedhof beigesetzt.

Am 1. Juli 1937 übernahm Pfarrer Albrecht Jochmann die Gefangenenseelsorge. Ab 1939 war die Zahl der Strafgefangenen, vor allem aber die Zahl der Zwangsarbeiter in der Stadt und auf dem Land, stark angewachsen. So waren etwa 2.000 Polen und an 20 Stellen gefangene Franzosen zu betreuen.

Von Mai 1945 bis Ende 1947 nutzte die sowjetische Militärbehörde das Brandenburger Zuchthaus für die Inhaftierung sogenannter "Kollaborateure". Bis 1949 sollen die Gebäude ungenutzt gewesen sein. Ab 1949 stand das Zuchthaus wieder für den Strafvollzug zur Verfügung. Im Juni 1950 übernahm die "Hauptverwaltung Strafvollzug der Deutschen Volkspolizei der DDR" die Einrichtung. Entgegen der damals offiziellen Darstellung der DDR ist erwiesen, daß auch in der DDR wieder Unrecht an Menschen verübt wurde. So brachte der Machtwechsel keinerlei Erleichterungen in der Gefangenenseelsorge mit sich. Gottesdienste waren mehr oder weniger geduldet. Der Willkür des Wachpersonals blieb es überlassen, wer von den Gefangenen an kirchlichen Veranstaltungen teilnehmen durfte. Wie in der NS-Zeit waren vertrauliche Gespräche zwischen Seelsorgern und Gefangenen nicht möglich.
Pfarrer Theobald Höhle wurde 1960 mit der Betreuung der katholischen Strafgefangenen beauftragt. Neben den pastoralen Aufgaben in seiner Gemeinde "St. Bernhard" versah er diesen schweren Dienst bis zu seinem Tod im Jahr 1986. Danach sorgten die Pfarrer der katholischen Gemeinde von Premnitz für regelmäßige Gottesdienste in der Strafvollzugsanstalt Brandenburg. Als es in der sogenannten "Wendezeit" nach 1989 zu Unruhen und Protestaktionen unter den Häftlingen kam, war es vor allem Pfarrer Johannes Drews, der durch seinen besonnenen Einsatz vor Ort verhinderte, daß die Ereignisse eskalierten. Für seine Verdienste als Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt (JVA) erhielt er das "Bundesverdienstkreuz am Bande".

 

 
 

Seitenanfang

 
Festschrift |   Hauptseite/Festschrift/Gefangenenseelsorge |

Impressum