Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
0. Vorwort 7. Der Aufbau nach 1945
1. Die ersten Gottesdienste 8. Die Gemeinde
2. Der erste Ortspfarrer 9. Die katholischen Ordensschwestern in Brandenburg
3. Die eigene Kirche 10. Das Dekanat
4. Die katholische Kirche in der Öffentlichkeit 11. Die Gefangenenseelsorge
5. Die katholische Schule in Brandenburg 12. Die St. Nikolaikirche
6. Das Dritte Reich 13. Wichtige Daten und Fakten
 

12. Die St. Nikolaikirche

 
 
Das Bistum Berlin ist arm an mittelalterlichen Kirchen. Um so erfreulicher war, daß im Februar 1990 die Brandenburger St. Nikolaikirche der Dreifaltigkeitsgemeinde angeboten wurde. Unverbindliche Gespräche zwischen Pfarrer Zorn von St. Gotthardt und Pfarrer Rupprecht hatten dieses Ereignis eingeleitet. Nach einer Ortsbesichtigung am 23. April 1990 erklärten sich der Pfarrgemeinderat und der Kirchenvorstand von Hl. Dreifaltigkeit bereit, die St. Nikolaikirche zu übernehmen. Die Finanzierung übernahm zum größten Teil das Erzbistum Berlin. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalpflege und das Land Brandenburg beteiligten sich. Die Dreifaltigkeitsgemeinde und der Brandenburger Freundeskreis finanzierten die Inneneinrichtung der Kirche.

St. Nikolai ist die einzige rein romanische Kirche der Stadt. Ihre Entstehung wird zwischen 1166 und 1173 angegeben. Neben dem Dom und St. Gotthardt ist sie somit eine der ältesten Kirchen Brandenburgs. Ursprünglich gehörte sie zu der Händlersiedlung Luckenberg, die vermutlich bereits im 13. Jahrhundert unterging. Seit dieser Zeit spielte die Kirche nur noch eine untergeordnete Rolle. Selten genutzt und häufig ruinös hat sie trotzdem die Jahrhunderte überdauert. Nach der Reformation war sie bis 1882 Friedhofskirche, wurde 1903 aufwendig restauriert und wieder vergessen. 1945 erhielt sie einen Bombentreffer, der die Dächer wegriß und die Westwand mit Turm zerstörte. Nach dem Wiederaufbau 1956 stand sie wieder überwiegend leer. Witterung und Vandalismus führten in den folgenden Jahrzehnten zu bedenklichen Bauschäden. 1991 konnten endlich Sicherungsmaßnahmen vorgenommen werden. Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Übergabevertrages begannen im März 1992 die Restaurierungsarbeiten.

Im Dezember 1993 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Am 4. Dezember konnte die Kirche durch Kardinal Sterzinsky geweiht werden. Regelmäßig kommt die Gemeinde auch in St. Nikolai zusammen, um Gottesdienst zu feiern. Hier geben sich junge Paare ihr Jawort und Kinder empfangen das Sakrament der Taufe. Silberne Hochzeiten werden gefeiert und geistliche Konzerte erfreuen ein interessiertes Publikum.

Jahrzehntelang ist es Tradition, die Fronleichnamsprozession¹ am Sonntag nach Fronleichnam im Garten des Marienkrankenhauses abzuhalten. Seit 1994 wird St. Nikolai in diese Feier einbezogen. Nach der Hl. Messe ziehen Priester und Gemeinde von der Bergstraße zur St. Nikolaikirche. Vor dem Nordportal ist ein Altar aufgebaut. Es wird gebetet und gesungen. Mit dem Segen endet der Festgottesdienst.

In Anlehnung an die Gebete für unser Land finden seit dem 4. Mai 1994 am ersten Mittwoch jeden Monats Ökumenische Friedensgebete statt. Gestaltet werden sie von der St. Gotthardtgemeinde und der Dreifaltigkeitsgemeinde.

Von der historischen Ausstattung der Nikolaikirche ist nur noch das spätgotische Triumphkreuz erhalten. Das sehr ausdrucksvolle Corpus wurde 1993 von Bernhard Rupprecht restauriert.
Vermutlich älter als die Kirche ist der romanische Taufstein aus Namurer Blaustein. Er stammt aus der ehemaligen Marternuskapelle in Bürgel am Rhein und ist eine Leihgabe von Adolf Graf von Nesselrode/Herrnstein.
Altar, Gestühl und Schränke wurden 1993 nach einem Entwurf des Nienburger² Bildhauers Werner Nickel angefertigt, der 1995 auch die Figur des Hl. Nikolaus schuf.

Eine besondere Bedeutung hat die Gebets- und Gedenkstätte. Die Pieta³ als Mittelpunkt entstand aus einem Baumwurzelstück. Sie ist nicht geschnitzt, sondern gewachsen. Nur behutsam hat Werner Nickel die Konturen nachgearbeitet und so eine eindrucksvolle Plastik sichtbar gemacht: Schmerzgebeugt hält eine menschliche Gestalt mit scheinbar äußerster Kraft einen leblosen Körper.

Eine Tafel neben der Gedenkstätte weist auf die Opfer ungerechter Gewalt, hier und überall auf der Welt,

" ... damals, gestern, heute, morgen, immer!
Immer?"
Dann die Mahnung:
"Wachet und betet!"

Als vor mehr als 200 Jahren katholische Christen auch in Brandenburg wieder öffentlich auftreten durften, waren sie zunächst in mehrfacher Hinsicht heimatlos und auf Toleranz und Unterstützung durch den evangelischen Staat aber auch durch die evangelische Bevölkerung angewiesen. Trotz Vorurteilen und Berührungsängsten auf beiden Seiten ist nicht zu übersehen, daß evangelische Christen immer wieder den Katholiken hilfreich entgegengekommen sind. Die Beispiele der Vergangenheit sprechen für sich. Die kirchenfeindliche Politik der Nationalsozialisten und Kommunisten hatte in verstärktem Maß die Annäherung der Konfessionen zur Folge. Man betete miteinander und füreinander. Dabei ist gegenseitiges Verständnis und die Achtung voreinander gewachsen. Daß die St. Nikolaikirche 1990 der katholischen Dreifaltigkeitsgemeinde geschenkt wurde, ist die Folge lange geübter und praktizierter Ökumene in unserer Stadt.

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¹die öffentliche Verehrung Jesu Christi im Zeichen des Brotes
²Nienburg an der Saale
³Maria mit dem Leichnam Jesu auf ihrem Schoß

 

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St. Nikolaikirche

 
 

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