Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
1. Rückblick auf das Jahr 1845 von Küster Theodor Scheffer 10. Lebenslauf des Gendarm König III
2. Rückblick auf das Jahr 1847 von Küster Theodor Scheffer 11. Brief von Pfarrer Tieffe aus München
3. Rückblick auf das Jahr 1848 von Küster Theodor Scheffer 12. Brief von Pfarrer Tieffe aus Prag
4. Rückblick auf das Jahr 1849 von Küster Theodor Scheffer 13. Brief von Lehrer Grube
5. Errichtungsdekret Pfarrei 1850 14. Brief von Ed. Grube an "Liebes Lenchen!"
6. Bericht über die Gemeindeverhältnisse und den Kirchbau 15. Brief an Lehrer Grube von seinem Bruder
7. Hilferuf aus Brandenburg a.d. Havel 16. Turmknopf (-Inhalts-) verzeichnis
8. Brief des Halberstädter Pfarrers Degenhard 17. Turmknopfverschlussurkunde von 1910
9. Brief von Franz Carl Hampel aus Halberstadt 18. Turmknopfbeigabe von 1929
 
6. Bericht über die Gemeindeverhältnisse und den Kirchbau

Dokument als PDF-Datei ...

 
 

Raymund Nolte, Vertr.- Pfarrer aus Halberstadt in Abwesenheit des Pfarrers Tieffe, zusammen mit dem Kirchen- und Schulvorstand geben einen Bericht über die Gemeindeverhältnisse und den Kirchbau.

 

- Seite 1 -

Im Namen Gottes des Vaters, und des Sohnes
und des heiligen Geistes, Amen.

Wer (?unleserlich!) geliebte Nachkommen, diese Nachrichten Betr., des katholischen in hiesiger Gegend, in Betreff des Baues dieser Kirche und der Gemeinde, welche sich in Andacht darin versammelt, leset - dann betet für uns, namentlich für die Wohlthäter dieser Gemeinde, dann sind wahrscheinlich die Worte des Heilandes: Es wird werden ein Hirt und eine Herde, näher in Erfüllung gegangen.
Jetzt sieht`s noch traurig aus in Betreff des Katholischen in hiesigen Gegenden, wo einst der Katholizismus blühte, wo er aber, Gott sei es geklagt, mit Stumpf und Styl ausgerottet worden ist. Ich kanns mir nicht versagen: einige nähere Andeutungen hierüber zu geben, wenn auch nur flüchtige!
Höret sie und staunt!
Schon ums Jahr 949 ward das Christenthum im Brandenburgischen eingeführt! Das Domcapitel und mehrere Klöster waren Anhaltspunkte für dasselbe, ja gleichsam hellstrahlende Lichter zur Erleuchtung der Heiden, zur Ausbreitung der Kirche Christi, wenn schon sie viel Ungemach von Seiten des Heidenthums zu erdulden hatten, ja ihre Tempel sogar öfters von den wilden Horden der Wenden niedergerißen wurden.-
Endlich kam aber auch hier das Christenthum auch hier zur Anerkennung, denn es ist ja eine Kraft Gottes, von weltlichen Herrschern, die sich allgemein zur Religion Jesu Christi bekannten, beschützt und befördert.
Brandenburg ward ein berühmtes Bistum, in den ganzen Marken umgeben von kathol. Christen, die großen gothischen Kir-

 

- Seite 2 -

chen legen noch lautes Zeugnis davon ab!
O wie feierlich muß der kath. Gottesdienst in allen Kirchen Brandenburgs gewesen sein?
Wie manche Procession mit dem Allerheiligsten hat die Straßen dieser Stadt durch wallt? - Welch seliges Gefühl: ein Glaube in Brandenburg? -
Doch so sollte es hier nicht bleiben, ja das Katholische sollte sogar mit Stumpf und Styl wieder aus gerottet werden!
Es kam nämlich Luther, der sogenannte Reformator mit seiner Kirchentrennung.
Als der Churfürst Joachim , als der Bischof Mathias von Jagow sich sogar zur neuen Lehre bekannte, siehe, da folgten die Niederen dem bösem Exempel der Oberen!
Doch es wäre dennoch nicht gelungen: Alle zu protestantisiren, wenn nicht das Gesetz gegeben worden wäre: Die Kinder würden erblos, wenn die Eltern solche nicht in der neuen Lehre Luthers erziehen ließen.
Da mußte es aus werden mit der katholischen Religion.
Noch mehr: Die Klöster konnten sich auch nicht eimal halten, da man Mönche und Nonnen grausam verfolgte und tödtete. Traf man die Franziskaner im Johanniskloster an der langen Brücke Messe lesend, auch noch in einem so geheimen Wikel, so wurden sie hingemartert, denn es war ihnen bei Todesstrfe verboten. (Im Magdeburgischen und Halberstädtischen ect. hielt sich doch wenigstens der Katholizismus durch die Klöster, welche standhaft blieben und bleiben konnten.)
Hier in Brandenburg, zu dessen Bisthum Luther gehörte, das Hauptterrain der sogenannten Reformation,, ward der katholische Glaube also auf die schmählichste Weise ausgerottet und vertilgt. Auch nichts, keine Spur als die herrlichen katholischen Kirchen -, in prostestantischen Händen, stumme Zeugen alter kathol. Pracht unhd Herrlichkeit, blieb.

- Seite 3 - als Fragment -

Also die Mark und das Bisthum Brandenburg fiel um das Jahr 1540 mit seinem Churfürsten Joachim II. und Bischofe Mathias von Jagow öffentlich und allgemein von der katholischen Kirche ab, indem beide in der Hauptkirche Spandaus das protestantische sogenannte Abendmahl unter beiderlei Gestalten, des Brodes und Weines , empfingen.
Das Domcapitel selbst hielt sich noch einige Zeit katholisch, folgte jedoch sehr bald dem Beispiele seines Vorstehers.
Die Mark also, langehin ein blühender Theil der römischen katholischen Kirche , ward schnell ihr entfremdet; auch das herrliche, von der Stadt Brandenburg kaum zwei Meilen entfernte Zisterzienser-Kloster Lehnin wurde bald öde, und es traten jene Zeiten ein, wie dessen fommer Abt Hermann sie ?vor Jahren? - schon in der Mitte des 13. Jahrhunderts, und in seinem allbekannten Vaticinium Lehninense angekündiget.
Die Zahl der Geschlechter, welche er zählte, läuft ab mit dem Jahre 1850 füllt sich die elfte Generation; und wären wir somit an der Zeitenwende, wo sich`s für die heilige, damals so hastig und unheilvoll verlassene katholische Kirche hier wieder freundlicher gestalten soll.
Siehe den beiliegenden Kirchlichen Anzeiger für die Mark Brandenburg und Pommern, (Nr. 33,) welches jetzt zum Fürstbisthum Breslau gehört, dessen Fürstbischof vom jetzt regierenden Pabste Pius IV., Crux de Cruce, zum Cardinal erhoben worden ist; denn er hat großes vollbracht für die Kiche Gottes sowohl, als zur Befestigung der Regierung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., welcher gerechter gegen unsere Kirche ist, als sein Vater Fr. Wilhelm III., der überall protestantische Grundsätze befolgte.
Gar Mancherlei ließe sich hierüber mittheilen. Ich glaube mit gutem Rechte behaupten zu können, daß es unter der Regierung dieses Königs nie dahin gekommen wäre, in der protestantischen Urstadt Brandenburg eine kathol. Pfarrei wiederum erstehen zu sehen.
Rings um uns löst sich die lutherische Religion in Secten auf. Die Kirchen sind un-
besucht!

- Seite 4 -

besucht! Die Prediger haben kein Zutrauen und geringen Einfluß auf die Gemeinden.
Man kennt nun schon wieder den katholischen Namen hier. Man fängt allmählich an das Katholische zu respectiren. Der Katholik soll wohl nicht länger mehr ein Fremdling in hiesigen Marken bleiben.
Allgemach siedelten sich allwärts her schon seit dem vorigen Jahrhunderte Einzelne hie und da an, es bildeten sich kleine, nach und nach größere kathol. Gemeinden in den Marken.
Von ihnen und ihrer Treue, aber auch Bedrängnis, Armuth und Noth vernahm man mit ?Theilung ?? die Kunde in weiteren Kreisen der Glaubensgenossen.-
Die Seelsorge in Berlin und Potsdam hatte im vorigen und im Anfange dieses Jahrhunderts Dominikaner aus Halberstadt!
In Brandenburg stellte man zu Anfang seit etwa 1820 Handwerker mit dem titel Kathecheten an, welche die die protestantische Schule besuchenden Kinder in der Religion unterrichteten und Sonntags mit der Gemeinde in einer Stube, und dann auf Bemühung des Kaufmanns Mauri im St. Peter mit der Gemeinde sangen und beteten. Sie heißen: Kapelle und Scheffer, welcher letzterer jetzt noch den Küsterdienst zu versehen hat.
Diese Männer bekamen ein jährliches Gehalt von 40 ?sgr. ? Des Jahres 4 bis 6 mal ließ sich die Gemeinde auf ihre Kosten einen Caplan aus Berlin, mitunter auch von Potsdam, kommen. Einige noch jetzt lebende Katholiken erzählen auch: Das sie ihre erste hl. Communion in St. Johannes empfangen haben.
Uns wollte man jetzt diese Kirche nicht geben, sondern, da wir baten, erhielten sie die Reformierten, welche bis jetzt in die Paulikirche mit untergebracht waren,- und sie werden solche noch in diesem Jahre, nach ihrer Restauration, beziehen.-

- Seite 5 -

In den letzten Jahren hörte man auch vielfach von der kathol. Gemeinde in Brandenburg a.d. Havel, der ehrwürdigen mehrhundertjährigen Bischofsstadt und uralten Chur- und Hauptstadt.
Ein kirchlicher Gemeindeverband hatte sich mit Anfang dieses Jahrhunderts in etwa also schon gefunden. Aber zum Besitz eines eigenen , wiederum hier stabilen Seelenhirten konnte, so heiß auch das Verlangen, und so ernstlich und unabläßig auch das Mühen darum sein mochte, nur in mehr als vierzigjähriges Ringen endlich führen.
Im Herbste 1844 kam ein solcher in der Person des Pater Ignatz, Weltgeistlicher aus Schlesien, und fand noch ein Häuflein von 4 - 500 Seelen, das in früheren Jahren schon zahlreicher war, und je und je nach mehr Hundert kathol. Soldaten in der hiesigen Garnison vermehrt wird. In mehrmeiliger Umgebung leben auch noch Katholiken zerstreut.
Es gibt wieder eine katholische Pfarrei Brandenburg, welche ihre Pfleglinge, freilich noch kein volles Tausend, im Westhavelländischen und Zauch-Belziger Kreise unter 100,000Einwohner auf einem Territorium von 60 Geviertmeilen in 15 Städten (Brandenburg mit 18 000 E.), darunter Lehnin mit seinem Kloster, ruhmreichen Angedenken zerstreut sieht.
Das Jahr 1844 und 1845 sehen den Ronge-Rausch und brachten der kathol. Gemeinde auch hier bittere Tage. Die Nikolai-Kirche ward ihnen bereitwilligst eingeräumt, vom Magistrat und von den meisten Protestanten ihnen reichliche Unterstützung gewährt. Doch es ist jetzt schon aus mit ihnen, indem man einsieht, daß diese Leute Thron u. Altar unterwühlen. Siehe beiliegende Broschüre über den Anfang des Rongethums in Halberstadt, dem wie allewärts, der Grabgesang gesungen wird! -

- Seite 6 -

Der Besitz einer eigenen Schule ward der Gemeinde hier zum schreienden Bedürfnis, zur wahren Lebensfrage für die meiste gedeihliche kirchliche Entwicklung; denn fehlt nicht in der That der Gemeinde ohne Schule, worin sie zu guten Katholiken herangebildet werden der Lebensweg?-
Bei so vieler Gefahr im Verzuge ging es eilige an die Errichtung einer katholischen Kirchengemeindeschule. (Siehe beiliegendes Schlesisches Kirchenblatt!)
Groß waren die Schwierigkeiten, die man erhob, und mehr als einmal schien`s unmöglich, sie zu überwinden. Indes wurde sie doch zu Dasein und Anerkennung hereingerungen, und besteht ein wahres Schmerzens (kindlein) = aber "Lieblingskindlein" der Gemeinde, nach fort und hofft man, sie fort?führen? zu können, obgleich sie fester Förderung noch immer entbehrt, und milde Gaben von außen her, wie zur Gründung, so auch zur Forterhaltung die unentbehrliche Hauptstütze gewähren müßen.
Dem Kummer um die Schule gesellte sich bald neue und schwere Sorge bei: - es kam die Nöthigung zum Erwerbe eines eigenen Gotteshauses.
Sie trat ein mit der polizeilichen Ausweisung aus dem eine Generation hindurch simultance benützten St. Petri-Kirchlein - am am 8. November 1848! Denn der Thurm drohte einzustürzen und ist jetzt darum abgerißen worden. Ja, sehr alt, lange schon siech und hinfällig, bedrohte dieses Kirchlein in allerjüngsten Tagen seine Besucher mit Lebensgefahr. Die Polizei zwang um deswillen zu unverzüglicher Einstellung des Gottesdienstes darin und zu seiner Räumung.
Kirchenflüchtig und obdachlos fand die im November jenes Jahres 1848 von Berlin nach hierher verlegte Preußische National-Versammlung die kathol. Gemeinde.

- Seite 7 -

Eifrige Bemühungen verschafften fürnächst in einer der vielen herrlichen, sämtlich weiland katholischer Tempel hier, in die evangelische "St. Gotthardts_Kirche" Mitaufnahme auf ein halbes Jahr, hinterher auf ein zweites Halbjahr, und nunmehr bis zur Übersiedlung in ein eigenes Gotteshaus - noch in diesem Jahre! (??)
Zuvor wir jedoch in den St Gotthardt kamen, war mehrere Wochen im früheren Pfarr- und Schulhause, in der kleinen Münzenstraße gelegen (es steht ein Brunnen vor der Thür) in einer Stube des Pfarrers h. Messe.
Dann brachte man uns auf 14 Tagen in den Gymnasial_Saal, wo 3 Altäre auf Kosten des Staates aufgeschlagen wurden; denn die kathol. Abgeordneten waren sehr böse, daß sie nicht einmal hier ihre religiösen Bedürfnisse befriedigen konnten. An 20 hl. Messen wurden am 1. Advent jenes Jahres im Saale des G. gelesen!
Wir Katholiken mochten recht gern die erst restaurirte Katharinen-Kirche zur Mitbenutzung haben; allein dieses wollte man durchaus nicht zugeben; indem man sagte: Durch das Brennen der vielen Lichter und durch das Räuchern (incensiren) würde die Kirche leiden.
Merkwürdig, daß hier wie überhaupt das Incensiren durchaus nicht leiden mögen! Genug: es riecht ihnen zu katholisch. Was die Ceremonien bedeuten im kathol. Cultus wissen sie nicht. Sie selbst wissen in ihrer eigenen Religion auch nicht Bescheid! Es ist durchaus kein Grund und Boden bei ihnen, weshalb man bei religiösen Disputationen nicht weiß, wie und wo man anknüpfen soll! Der Grundsatz: "Wir glauben all an Einen Gott" wird fort und fort im Munde geführt und dies glaubt laut heiliger Schrift der Teufel auch, zittert aber dabei!
Kurz -, vom Dogma wollen die Protestanten nichts mehr wissen, mit wenigen Ausnahmen! -

- Seite 8 -

Eine eigene Kirche! Das war nun die Losung in der Gemeinde. Wie sie erringen? Zu einem eigenem Gotteshause konnte nichts verhelfen, als ein Neubau, da St. Peter auf immer uns verschlossen ward, keine der übrigen Kirchen durch Schenkung oder Kauf zu erwerben war, und auf ungemeßene Dauer keine den Katholiken eine gastliche Aufnahme gewähren mochte.
Das Bedürfnis nach einem Neubau wurde demnach von allen Seiten anerkannt, von der Gemeinde selbst lebhaft und schwerstens empfunden. Durch ihre etwaigen Mittel und regsten Eifer nimmer im Stande den Bau ins Werk zu setzen, ohne auch nur einige Aussicht auf Beihilfe aus ?Staatsfonds?, - wie wider alle Hoffnung hoffte gleichwohl die ?Gemeinde?, drängte die Gemeinde,- und wagte den festen Beschluß, eine Dreifaltigkeitskirche bis zum Herbste 1850 neu zu erbauen!
Ein Wagnis! Der lebendige dreieinige Gott war ihre Zuflucht und ihr Schutz; zu Gottes Ehre und mit seiner Hülfe - in Namen Jesu werde das gelingen des Unternehmens mit kindlicher Zuversicht daher, von wannen jede gute Gabe kömmt, erbeten und auch gehoft. Der liebe Gott hatte alsbald so freudiges und festes Wollen in die Seele des Hirten und seiner Herde gegeben, und derselbe wird auch das Vollbringen geben.
So wars Vertrauen da - und schwand seit dem nicht.
Kühn und rasch und umsichtig ging`s ans Werk. Als "eine Stimme des Rufenden in der Wüste" erging unser "Hilferuf" schon von 6. Januar 1849 ab (siehe die Beilagen! - ein schwer Stück nach dem März 1848, wo der Staat zusammenzustürzen schien und nach Revolution allenthalben war!) unter die Brüder und Schwestern, und suchte jene mit hörenden Ohren, guten Herzen und Willen, u. mildthätigen Händen.
Hilfe kam, der Bau begann im August vorigen Jahres am Octavtage von Mariae Himmelfahrt auf einem alten Kirchhofe dem s. gen. "Weinberge", und ward fortgesetzt - und wün-
schen

- Seite 9 -

schen wir noch in diesem Jahre die Vollendung; denn bei der Frühe ect. u. bei der Eile, womit unser Gottesdienst in St. Gotthard abgehalten werden muß, hat unsere Gemeinde große Nachtheile u. hoffen wir eben, daß bei eigener Kirche der Gottesdienst fleißiger besucht werde.- Das verleihe der Höchste! Sein Segen für unser volles Vertrauen auf Ihn und seine Kinder allwärts war bald handfaßlich, und ist groß.
Die Summe war fast 12000 Thl. (zwölf Tausend Thalern) erstieg schon der Baufonds, der am 6. Januar 1849 nur 7 blanke Thlr. zählte!
Der ganze Bau aber erheischt, gemäß dem Anschlage und der jetzigen Schätzung zufolge wohl (noch) über 16000 Thlr. und außerdem an 2000 Thlr. für den käuflichen Erwerb der Baustelle. Somit fehlen noch ungefähr 6 Tausend Thaler!
Diese 6000 Thlr. sollen ?und ? müßen noch aufgesammelt werden.
Vielerlei Mittel und Wege sind bereits versucht -, und dürfen wir von weiteren Versuchen nicht abstehen, bis das schwere, doch schöne Ziel erreicht ist. Um das Fehlende zu erlangen wandte sich der Pfarrer Ignatz Tieffe bereits an Seine Majestät den König Fr. Wilhelm, macht er, wie aus beiliegenden Briefen zu ersehen ist, eine Bettelreise nach Süddeutschland, von der er in 14 Tagen wohl, nach Aufsetzung des Thurmknopfes also, zurückkehren wird!
Wird`s seinen eifrigen Bemühungen vollständig gelingen? - Auf einem beiliegendem Blatte will ich aufzeichnen: was und wieviel aus den verschiedenen Gegenden an Beiträgen eingegangen ist.
So fahren wir denn noch fort unermüdlich in Bitten, unverwüstlich im Vertrauen auf Gott und die Bruderliebe, mit unserem Hilferufe aus Brandenburg a. d. Havel an die lieben Glaubensgenoßen nah u. fern uns zu wenden, um irgend liebethätige Betheiligung, auf das der getrost begonnene und so weit schon geförderte Bau unserer Dreifaltigkeitskirche seine Vollendung erreiche. Wir suchen, klopfen an, bitten - in Jesu Namen!
Ungesegnet bleibt nicht, was gewärt wird. Auch das Mindeste, was in dem geringsten Bruder - dem Herrn zu Lieb
und

- Seite 10 -

und Dank gethan wird, soll und wird seine reiche Vergeltung erhalten.
Dem Dreieinigen sei`s und bleibts befohlen, daß Er`s weiter führe - bis zum Ziele; Er wende seiner Kinder, unsrer Brüder und Schwestern, Herzen und Hände zu!
Die Dreifaltigkeitskirche in den Jahren 1849 und 1850 lediglich aus kathol. Almosen erbaut, wird hier im uraltem Brandenburg neben den alten herrlichen Kirchen ?aus? der guten kathol. Vorzeit ein schönes, viel und laut redendes Denkmal sein, köstliches Zeugnis der späteren Zeit geben. Unvergänglich bleibt in ihr das Angedenken der frommen Geber und der heiße Dank für diese Alle.

---------------------------------------------------

Die Baumeister heißen: Bauführer und Anfertiger der Zeichnungen Weiß, kathol., und Maurermeister Gebrüder Helmsdorf und Zimmermeister Bendel.
Der eigentliche Grundstein ist am Feste Simonis et Judae, Apost., von Hh. von Ketteler, Propst zu Berlin, jetzt Bischof von Mainz unter Assistenz des Hh. Pfarrers Schaffraneck aus Beuthen in Oberschlesien u. des Hh. Pf. Tieffe, sowie des Caplan Heuher aus Magdeburg feierlich gelegt worden.
Im St. Gotthardt war Leviten-Amt u. dann Procession nach dem Bauplatz, dort Benediction u. deutsche Rede des Propstes u. polnische des Pf. Schaffraneck, denn es war polnisches Mi-

 

- Seite 11 -

litair hier. Alles ?weinte!?. Die Kirchenmauern waren schon an 6 Fuß hoch.-
Der Grundstein liegt über dem Fundamente, zwischen Hoch u. Seitenaltar links, wenn man das Altar ansieht, unter der Kanzel an der Sakristeithür, wo die Stufen der Communionbank sind. Macht man den Putz los, so kann man ihn sehen.
Ob die Documente sich erhalten haben?- Die Büchse mußte aufgeschnitten werden, da sie zugeklebt war.-
Feierlich wird auch die Kirchweihe sein! Ob Cardinal-Fürstbischof Mechior kommen wird?- Alles freut sich auf die Procession mit dem Sanctissimum von Gotthardt in die neue Kirche !-
Bei Abwesenheit des Pfarrers ward die Stelle versehen vom Dr. ?Holzherr? aus Tübingen, der grad in Berlin noch studirte - u. vom Kaplan Knoblich aus Potsdam u. vom Pater Raimunduus Nolte, der Mönch im Dominikanerkloster zu Halberstadt u. Pfarrer alldort gewesen war! Da jetzt in Ruhestand versetzt, versieht er die Stelle hier aus Liebe zur Missionsgemeinde.- er arbeitet rastlos hier!-
Pfarrer Tieffe aus Glatz gebürtig, ist ein eifriger Seelenhirt, möge er noch lange hier wirken! Zur Bettelreise versah ihn der Bischof mit ehrendem Schreiben!-
Des Lehrers Ludwig Grube aus Marienthal bei Egeln Vorgänger war war ?Lihsow?, der aber, weil er nicht gut kathol. war, fortgejagt wurde. Sein Nachfolger Grube wirkte nach dem Exempel des Pf. mit Eifer. Verdruß jedoch ..?haben? Geistlicher u. Lehrer viel; denn die Gemeinde ist sehr unreif noch.
Schule, Piusverein, Bib..?..???? ... sorgen für Mündigkeit in Christ....????...

- Seite 12- als Fragment -

Gemeindeglieder dürfen die h. Sakramente nicht empfangen, mehrere empfangen sie aus Lauheit nicht! Traurig dieß!
In aller Eil`hab ich noch mancherlei Schriftstücke für Euch, liebe Nachkommen, zusammengesucht und sie in den Knopf gethan!
Der Knopf wurde aufgesetzt am 25. sten October 1850, nachdem in St. Gotthard ein Bittamt gesungen war.
Das Kreuz über dem Knopf wurde vor dem Portale der Kirche vom Pfarrer Nolte in Gegenwart der Gemeinde feierlich gesegnet und ?darauf? vom Lehrer Grube , beauftragt dazu von ?Pro???, eine Rede gehalten.
Noch Mancherlei möchte ich mittheilen, allein die Zeit drängt zum Schluße.
Lebet wohl und betet für uns Alle, namentlich für die Wohlthäter dieser Kirche, geliebte Nachkommen!

Gelobt sei Jesus Christus -, ewigl?ich? , Amen.

Geschehen zu Brandenburg, d. 25.sten October 1850

Louis Grube, Lehrer u. Seccretair des Kirchenvorstandes
Raymund Nolte Pfarrer in Abwesenheit des Pfarrers Tieffe, Theodor Sche?ffer?

Der Kirche und Schulvorstand Schrepffer, Schneider, Potthoff, Kaufmann,
Riedel Kaufmann,
??? Schlächtermeister?
zugleich Kirchenältester

 

Es folgen ungeordnete fragmentarische Seiten beigelegt:

Seite 1:

Die Namen der Bauleute sind:
1.Weiß, Bauführer u. Anfertiger der Zeichnungen -
2. Maurermeister GebrüderHelmsdorf.
3. Zimmermeister Bendel
4. Maler Schultz
6. Klempner Bott
7. Gustav Friedrich Malergehilfe aus Potsdam, Eduard ?Kromunky? aus Potsdam Maler
Fischer II. Maurergesellen Ferdinand Reuter Bartels C. Niere Müller W. Gramm
Gottfried ?Müller? Fr. Gröbler Kabelitz H. Voß aus Oldesloe J ?Sesmbst?
+ + Wolf ?Zörting?

Seite 2:

W. Römer Zimmergeselle und Polier aus Brandenburg
Ferd. Vollmeier Zimmergeselle, desgl.
Friedrich Heinze aus Posen
A.Gröpler Zimmergeselle
Julius Tonser aus Brandenburg.
A T Herrmann aus Brandenburg, Zimmerlehrling
----- Bölke und Wolter desgl. ----------------
S. Kälberling, ?zimmgesellen? aus Brandenburg
F. Ebel F. Kahle aus Halle A. Schmidt H. Gebert aus ?Weitzenburg?
S. Reinicke S. Brigemann L. Breinert aus Memel F. Burghardt
A. Menty aus Königsberg F. Knihter aus Leibzig Edelmann aus Leipzig
Tieffe Tischlermeister

Kirchbaugelder 11

Zufolge des Hilferufes: 2000 Thlr. ?etwa?
Zufolge der Collecten, welche "        "
die hochw. Bischöfe von Münster u, Köln abhielten, "        "
namentlich wohl um dem Staate zu zeigen, daß die Kirche "        "
freier geworden, denn früher erlaubte der Staat die "        "
kirchlichen Collecten.
Diöcesen:
Köln
Münster
2000 Thlr.
2000 "
Dv. Patzack`sche Gebetbuch 600 "
Diöc. Paderborn 500 "
Diöcese Breslau 1000 "
Die Kirch- u. Hauscollecte, so der Staat verordnete:  fast 6000 "
----------------------------------------
14,100 Thlr.

Ich kann es nur ungefähr angeben, denn ich habe nicht das betreffende Buch, da Pfarrer verreist.
Was wird der König geben? ---------
Was wird der Pfarrer aus Süddeutschland mitbringen ?

 

 
 

Seitenanfang

 
Bericht |   Hauptseite/Inhalt des Turmknopfes/6. Bericht über den Kirchbau |

Impressum