Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
1. Rückblick auf das Jahr 1845 von Küster Theodor Scheffer 10. Lebenslauf des Gendarm König III
2. Rückblick auf das Jahr 1847 von Küster Theodor Scheffer 11. Brief von Pfarrer Tieffe aus München
3. Rückblick auf das Jahr 1848 von Küster Theodor Scheffer 12. Brief von Pfarrer Tieffe aus Prag
4. Rückblick auf das Jahr 1849 von Küster Theodor Scheffer 13. Brief von Lehrer Grube
5. Errichtungsdekret Pfarrei 1850 14. Brief von Ed. Grube an "Liebes Lenchen!"
6. Bericht über die Gemeindeverhältnisse und den Kirchbau 15. Brief an Lehrer Grube von seinem Bruder
7. Hilferuf aus Brandenburg a.d. Havel 16. Turmknopf (-Inhalts-) verzeichnis
8. Brief des Halberstädter Pfarrers Degenhard 17. Turmknopfverschlussurkunde von 1910
9. Brief von Franz Carl Hampel aus Halberstadt 18. Turmknopfbeigabe von 1929
 
9. Brief von Franz Carl Hampel aus Halberstadt

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Im Namen des Vaters und des
Sohnes und des heiligen Geistes
Amen.

Gelobt sei Jesus Christus, In Ewigkeit , Amen.

Alle welche dies jemals lesen und in deren Herzen diese Worte einen frommen Widerhall finden, sein hiermit brüderlich gegrüßt!
Der Unterzeichnete welcher dem frommen und gottgefälligen Werke, des Baues der, der heil. Dreifaltigkeit geweihten Katholischen Kirche, in der alten Chur und Hauptstadt Brandenburg an der Havel, welches in diesen Tagen seinem Ende mit Gottes Hülfe entgegen geführt wird, zwar äußerlich fern steht, findet in den freundschaftlichen Verhältnisse in welchem er mit den dermalen dort verbunden um den Bau und die Sache der Kirche Gottes höchst verdienten Lehrers Herrn Ludwig Grube steht, und in der lebhaften geistigen Theilnahme, welche er für dies gewiß würdige Unternehmen stets gehegt hat, die Veranlaßung diese

 

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wenigen Worte zum Gedächtnis für die fernere Nachwelt niederzulegen.
Aller Wahrscheinlichkeit werden, wenn einst, vielleicht nach Jahrhunderten, diese Zeilen ihrer Verborgenheit enthoben worden sind, die Verheißungen unseres göttlichen Meisters: "Es wird ein Hirte und eine Herde sein" schon in Erfüllung gegangen sein, und unsere glücklichen Nachkommen werden sich kaum einen rechten Begriff davon bilden können, einmal mit welchen Schwierigkeiten, Sorgen und Mühen das Unternehmen des gegenwärtigen Baues dieser Kirche verknüpft war, da sie lediglich durch die in kurzer Zeit gesammelten milden Gaben der überall im deutschen Vaterlande zerstreuten Gläubigen hergestellt wurde; anderseitig welche Kämpfe in unseren Tagen die Kirche Gottes zu bestehen hat, welche Gefahren ihr drohen und mit welchem teuflischen Hasse sie und ihre Glieder vielfach verfolgt und angefeindet werden.
Jetzt sind die Tage wo der nakte dreiste Unglaube, die Gottlosigkeit, ja die eigentliche Gottesleugnung kühn und frech ihr Haupt erheben und von den Dächern gepredigt werden. Wo auch in politischer Beziehung der allgemeine Umsturz offen verkündet wird und die Throne der Regenten unter den Stößen zittern mit welchen wutschnaubende, blutrünstige Rotten gegen diese anrennen.
Selbst an den uralten ehrwürdigen Stuhl des heil. Petrus und an diesem hauptsächlich, wagte sich diese der Hölle entsandte Schaar in diesen Tagen und wußte es durch alle mögliche Abscheulichkeit und Gewalthat dahin zu bringen, daß der dermalige Inhaber dieses heil. Stuhles, unser glorreich regierender Papst Pius IX., unter offenem Aufruhr aus seinem Rom zu flüchten gezwungen war, und die heil. Stadt in Jahr und Tag eine Stätte der Verwüstung wie aller möglichen Greul abgeben mußte bis

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nach Jahresfrist durch Gottes Gnade und der Bemühungen der katholischen Mächte, namentlich der französischen Nation, diesem schrecklichen Unwesen gesteuert, und das Oberhaupt der Kirche feierlich auf seinen Sitz zurückgeführt wurde.
Ja allen diesen ist nichts zu verkleinern, für Alle welche aufrichtig zu urtheilen im Stande sind, daß sich hier durch die traurigen, aber unvermeidlichen Folgen jener ersten kirchlichen Revolution von 1517 an den Tag legen, womit der Weg zur Verachtung und Auflehnung gegen jede Autorität gebahnt ist.
Gott sei Dank fehlt es aber auch in unseren Tagen nicht an trostreichen und ermuthigenden Erscheinungen.
Nach vorher gangener langer Erschlafung ist da jetzt bei unendlich vielen der religiöse und kirchliche Sinn sichtlich erstarkt; aller Orten schaaren sich die Gläubigen zu gemeinsamen Zwecke zusammen, der wachsenden Gottlosigkeit entgegen zu wirken.
Zahlreiche und namhaftige Bekehrungen zur wahren Kirche finden unaufhörlich statt, ein musterhafter Clerus wirkt im Weinberg des Herrn, namentlich sind die bischöflichen Stühle fast allgemein mit mit Männern besetzt, die an die ersten Christenzeiten erinnern, durch Frömmigkeit und Hirtentreue ausgezeichnet, nur in Erfüllung ihrer Pflicht Verfolgung, Kerker und Marter schauend.
Dies ist unser Trost in den übrigen Drangsalen, und schöpfen wir daraus besonders die Hoffnung, daß die Zeit nicht mehr ganz fern ist, wo ein Schafstall und ein Hirt sein wird.
Dem frommen Gebete der Nachkommen, die solch schöne Zeit zu erleben gewürdigt werden, empfehlen wir uns dringend.
Soli Deo Gloria.

Halberstadt, am 24. September, im Jahre des Heils 1850

Franz Carl Hampel

 

 
 
 

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