Chronik
Katholische Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel
1. Rückblick auf das Jahr 1845 von Küster Theodor Scheffer 10. Lebenslauf des Gendarm König III
2. Rückblick auf das Jahr 1847 von Küster Theodor Scheffer 11. Brief von Pfarrer Tieffe aus München
3. Rückblick auf das Jahr 1848 von Küster Theodor Scheffer 12. Brief von Pfarrer Tieffe aus Prag
4. Rückblick auf das Jahr 1849 von Küster Theodor Scheffer 13. Brief von Lehrer Grube
5. Errichtungsdekret Pfarrei 1850 14. Brief von Ed. Grube an "Liebes Lenchen!"
6. Bericht über die Gemeindeverhältnisse und den Kirchbau 15. Brief an Lehrer Grube von seinem Bruder
7. Hilferuf aus Brandenburg a.d. Havel 16. Turmknopf (-Inhalts-) verzeichnis
8. Brief des Halberstädter Pfarrers Degenhard 17. Turmknopfverschlussurkunde von 1910
9. Brief von Franz Carl Hampel aus Halberstadt 18. Turmknopfbeigabe von 1929
 
12. Brief von Pfarrer Tieffe aus Prag

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Brief von Pfarrer Tieffe bei seiner Bettelreise 1850 aus Prag an seine Gemeinde:
G.s.J.CH. Amen

Prag, den 04.09.50

Dem p. Gruber in Brandenburg
vorgelegt d. 08.Sep.morgens
½ 11 Uhr

Meine lieben Theuren!

Wie geht es dem umreisenden Bettelpater? So frug wohl sich schon mancher der lieben Gemeinde. Eine kurze Antwort hier. Gesund ging`s bis heut dem Leibe nach, mit dem Geschäfte aber geht`s - wider alle Erwartung bis diesen Morgen - flau! In Sachsen kollektierte ich nicht, möglicherweise auf dem Rückwege. In Leitmeritz gab der Bischof
50 Fl. Drei Domherren à 2 Fl., 20 Fl. lagen seit früher als Ertrag einer Kollekte in der Diözese vor.
Hier in Prag erhielt ich gestern vom Cardinal 60 Fl., von einigen Domherren zusammen
( 4 + 2 + 3 ) = 9 Fl. Die Klosterprälaten sind verreist. --- Heute gehe ich noch an einige Personen heran, hoffe aber nichts von einiger Bedeutung, da hier wenig rege Theilnahme für dergleichen Dinge zu finden ist. Ein Jammer! Man schläft hier! Warscheinlich mach ich morgen früh 5 ½ von hier bis Pardubitz, dort 10 Uhr nach Königgrätz, darauf über Trübau nach Olmütz, hierauf über Brünn nach Wien.
Nach Wien bitt ich ein Schreiben über den Stand der Brandenburger Dinge, namentlich den Kirchbau- poste restante- zu dirigieren, daß ich`s anfangs nächster Woche dort vorfinde.
Der Kirchbau - wird doch ja nicht etwa schläfrig? !! Es wird schon noch kommen auf der Reise in Wien, Bayern, Rhein- wunderliche Erfahrungen machte ich schon- und werde deren noch mehr machen.
Immer und immer denk ich an Brdbg. In Preußen ist`s doch auch nicht übel. Die Natur - spricht auch mit dem Sonstigen auf dieser Reise weniger an, weil ich die Hauptsache immer im Sinn habe. - Den Pfr. Schmale bedeuten Sie bei Gelegenheit, er hege zu Erwartungen von einem Bittruf nach Böhmen.
Hr. Dr. Holzherr war so gütig auszuhelfen, und hilft vielleicht statt 2 Sonntage mehrere.
Innigen Gruß und Dank an ihn.
An alle - alle herzliche Grüße aus der Ferne vom Pater der sucht, klopft, bittet.
Steht Thurm mit Knopf, - Decke fertig von den Zimmerleuten?
Antwort irgendwoher - vom König und viele Thalers! Viel Geld sonst?
Ausführliches Referat gegenwärtige ich. Es regnet heute und behindert den Bittgang.
Betet nun fleißig, Jung und Alt, für den Bettelpater - Seelsorger. Heute celebrierte ich
St.Johannis Grabe.
Gott alles Weitere befohlen! In Liebe allen treu Pfr. Ign. Tieffe.
Noch kein Silberstück sah ich in Böhmen; lauter Banknoten ganz und stückweis!
Ich führ alle bei mir - es ist noch eine sehr leichte Bürde. Sendungen kommen vielleicht erst von Wien.

 

 
 

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