Die neuen Kirchenfenster

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Fragen (FAQ)

Am 20. November 2004 konnten wir in unserer Gemeinde Herrn Graham Jones begrüßen, der für die künstlerische Gestaltung unserer neuen Kirchenfenster verantwortlich zeichnet. Interessierte aus der Gemeinde und Vertreter der Medien waren zugegen, um den Künstler kennenzulernen.

Der Vorstand des Bauvereins, dem vom Kirchenvorstand die Sorge um das Fensterprojekt übertragen wurde, hat im Rahmen dieser Begegnung mit Graham Jones nähere Einzelheiten bezüglich der Realisierung besprochen. Ich möchte dies zum Anlaß nehmen, die wichtigsten Punkte unseres Vorhabens ein wenig zu beleuchten.

1. Weshalb gerade der Engländer Graham Jones?

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern des KV, PGR, Bauvereins und der Kunstkommission des Erzbischöflichen Ordinariates hat Anschauungsmaterial von ca. 20 Glaskünstlern zusammengetragen, dieses Material geprüft und sich auf vier Künstler geeinigt, die zu einem Wettbewerb eingeladen wurden. Dies waren außer Graham Jones, der in London zu Hause ist, Tobias Kammerer aus Rottweil, Anna Pauli aus Köln und Günter Grohs aus Wernigerode. Die Jury, bestehend aus 7 Personen, in der der KV, der PGR, die Kunstkommission und das Bauamt des Erzbistums, die Stiftung Maßwerk, das Landesamt für Denkmalpflege und eine weitere Kunstbeauftragte vertreten waren, hat sich am 19. Juni nach der Vorstellung aller Entwürfe aus gestalterischen und inhaltlichen Gründen 6:1 für den Entwurf von Graham Jones entschieden. Bei der Ausstellung aller Entwürfe am darauffolgenden Sonntag im Pfarrsaal und über mehrere Wochen im Gemeindehaus konnten wir dankbar feststellen, daß diese Entscheidung bis auf wenige Ausnahmen von der Gemeinde und vielen anderen an diesem Projekt Interessierten mitgetragen wird.

2. Können und dürfen wir uns das leisten?

Können und dürfen wir es uns leisten, in Zeiten knapper Kassen, gerade auch im kirchlichen Bereich, gut 100.000,- Euro für kirchliche Kunst auszugeben? Eine verständliche und berechtigte Frage. Grundsätzlich sollten wir bedenken: Kirchliche Kunst war zu allen Zeiten und ist demzufolge auch heute ein wesentlicher Ausdruck christlicher Verkündigung und Frömmigkeit und der Kultur. Wenn wir im Urlaub unterwegs sind, gehört es zum selbstverständlichen Programm unserer Reisen, daß wir Kirchen besuchen. Was wären unsere Städte ohne den geistlichen und kulturellen Reichtum der christlichen Kirchen! Wir bewundern die Vielfalt der Formen in der Architektur, in Bildern und Skulpturen und nicht zuletzt bei der Gestaltung der Fenster. Wir sind beeindruckt von den verschiedenen Stilepochen: der Romanik, der Gotik, des Barock, des Klassizismus und der neueren Baustile. So haben wir auch heute den Auftrag, als Ausdruck unseres Glaubens unsere Kirchen mit Liebe und Kunst auszustatten und – bescheiden genug – eine Beitrag zu heutiger christlicher Kultur zu leisten. Und wenn Menschen nach Brandenburg kommen, sollen sie neben dem Museum für Ur- und Frühgeschichte St. Pauli auch eine katholische Kirche entdecken, die erkennen läßt, daß da eine lebendige Gemeinde zu Hause ist.

Dennoch fragten viele zu Recht, können wir dieses anspruchsvolle Projekt auch finanzieren, ohne dass andere wichtige Aufgaben der Kirchengemeinde vernachlässigt werden. Es war von vornherein klar, daß keine Mittel des Gemeindehaushalts in dieses Projekt investiert werden sollten. Auch die Hilfswerke der Kirche – Adveniat, Misereor usw. – wurde deshalb nicht vernachlässigt. Die Farbverglasung der Fenster wurde ausschließlich über Sonderspenden finanziert, die nur für diesen Zweck von Einzelpersonen und Institutionen erbracht wurden.

Dankbar durften wir feststellen, dass es ein großes Interesse an der Fenstergestaltung gab. Neben den großen Spenden der Mittelbrandenburgischen Sparkasse, der Stiftung Maßwerk und der Caritas ermöglichte es vor allem eine Vielzahl von kleinen Zuwendungen, die benötigen Mittel in nur 2 Jahren zu akquirieren. Die Mühe hat sich gelohnt.

3. Was ist der Inhalt der Fenster?

Wiederholt ist die Frage gestellt worden: Sollte nicht das Patronat unserer Kirche, die Hl. Dreifaltigkeit dargestellt werden? Wie steht es mit dieser Erwartung? - Es ist wahr, ausdrücklich ist in keinem der vier Entwürfe die Hl. Dreifaltigkeit dargestellt worden. Auch nicht bei Graham Jones. Sein Thema ist die Schöpfung. Weil die Kirche auf jeder Seite 6 Fenster hat und als Zielpunkt das Rundfenster in der Apsis, hat er das Thema Schöpfung gewählt. In abstrahierten Formen und warmen Farben beinhaltet jedes der Fenster einen Tag des Schöpfungswerkes, wie es die Genesis beschreibt. Das Rundfenster beinhaltet den 7. Tag, den Tag der Ruhe. Er ist zugleich Ausblick auf die neue Schöpfung, die in der Vollendung auf uns zukommt.

Indirekt ist damit auch das Thema der Hl. Dreifaltigkeit berührt. Die Schöpfung ist nach dem Zeugnis der Bibel das Werk des dreifaltigen Gottes. Gottvater ist der Schöpfer unserer Welt. Aber schon im 2. Vers des Schöpfungsberichtes lesen wir: „Gottes Geist schwebte über dem Wasser“. Im Hl. Geist will er der Schöpfung Leben verleihen. Und Paulus schreibt im Brief an die Kolosser: „Er (der Sohn Gottes) ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare. In ihm hat alles Bestand.“ Schöpfung, Erlösung und Vollendung sind das Heilswerk des dreifaltigen Gottes. So ist in der Darstellung der Schöpfung das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit gegenwärtig.

R. Rupprecht, Pfr.

Katholische Kirche Heilige Dreifaltigkeit in Brandenburg an der Havel
aktualisiert am 10.11.11